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Zur Beerdigung soll Volksfest steigen

Die letzte Muba soll 2019 feierlich über die Bühne gehen. Was 2020 folgt, ist offen.

Der einst gewaltige Publikumsandrang aus allen Landesteilen ist seit vielen Jahren rückläufig.
Der einst gewaltige Publikumsandrang aus allen Landesteilen ist seit vielen Jahren rückläufig.
Keystone

Um 11.02 Uhr, im kleinen Sitzungszimmer «Paris 3» im ersten Stock des Messeturms, überbrachte Messe-Geschäftsleitungsmitglied Peter Holenstein den Journalisten die Todesnachricht: «Die Muba 2019 wird die Derniere sein.» Zu seiner Linken sass ein nachdenklicher Muba-Leiter Daniel Nussbaumer, dessen berufliche Zukunft völlig offen ist; zu seiner Rechten projezierte ein Beamer ein historisches Foto der «guten alten Zeiten» an die Wand: Auf der farbigen Aufnahme aus den 1950er-Jahren waren Menschenmassen auf dem Messeplatz zu sehen, die ins Innere der damaligen «Schweizer Mustermesse» strömten.

Der einst gewaltige Publikumsandrang aus allen Landesteilen ist seit vielen Jahren rückläufig: Bei der Ausgabe 2018, die für ihr missglücktes pseudo-urbanes Baustellen-Design stark kritisiert wurde, verzeichnete die Muba noch rekordtiefe 124 000 Eintritte. Vor einigen Wochen erklärten dann Eingeweihte gegenüber der BaZ, die Chefetage wolle endgültig den Stecker ziehen. Nun hat sich dieses Szenario bewahrheitet: Die Mutter aller Messen, aus welcher der heutige Messekonzern MCH Group mit rund 1000 Angestellten hervorging, wird 2019 im Alter von 103 Jahren zu Grabe getragen.

«Wir haben diesen Entscheid nach umfangreichen Umfragen und Gesprächen mit Ausstellern gefällt», sagte Holenstein. Analysen hätten ergeben, dass 2018 bloss sieben Prozent der Besucher mit einer Kaufabsicht an die Muba gekommen seien. Vor zehn Jahren habe dieser Wert noch fünfzig Prozent betragen. «Wenn weniger gekauft wird, machen die Aussteller schlechtere Geschäfte. Dies führt wiederum dazu, dass sie sich irgendwann von der Muba verabschieden.»

Muba als Opfer der Digitalisierung

Als Gründe für den steten Niedergang nannte Holenstein unter anderem den verstärkten Einkaufstourismus. Vor allem aber habe sich das Einkaufsverhalten der Kunden aufgrund der Digitalisierung «extrem» verändert. Das Internet mit seinen Onlineshops wälze die gesamte Messebranche um. «Wir haben in den letzten Jahren versucht, die Muba mit neuen Innovationen weiterzuentwickeln. Der Faktor Erlebnis und Event wurde höher gewichtet.» Dies habe laut Holenstein dazu geführt, dass sich jüngere Generationen wieder vermehrt für die Muba interessierten. «Gleichzeitig konnten sich die älteren Stammgäste aber mit der modernen Ausrichtung nicht mehr identifizieren.»

Ein Spagat, der langfristig nicht zu meistern gewesen sei, hielt Muba-Leiter Nussbaumer an der Pressekonferenz selbstkritisch fest. «Als ich den Job vor drei Jahren übernommen habe, war mein Ziel, die ‹Vision Muba› im Kern zu verändern. Die Schere zwischen jungen und älteren Muba-Besuchern hätte mir früher auffallen müssen – aber was hätte es letztlich geändert?» Holenstein ergänzte: «Die Muba aufzugeben, ist sicherlich mit vielen Emotionen verbunden. Rein rational gesehen ist es aber der richtige Weg.»

Auch wenn 2019 eine lange Tradition zu Ende gehen wird – in depressiver Grundstimmung soll der Schlussakt nicht stattfinden, wie Nussbaumer betonte. Mit seinem Team bemühe er sich darum, die Muba «in würdiger Form» zu verabschieden. Die Beerdigung ist als fröhliches Volksfest konzipiert. «Für alle Besucher wird der Eintritt gratis sein. Zudem erhalten die Aussteller 20 Prozent Rabatt auf den Flächenpreis.» Die Schwerpunkte sollen bei den Bereichen Food.live, Energie, «TunBasel» und dem Platz der Begegnung liegen. «Wir möchten auch nochmals aufzeigen, welche Fachmessen erfolgreich aus der Muba erwachsen sind.» Vorgesehen seien etwa Gastauftritte der Baselworld, Giardina oder der Swissbau. Das hauptsächliche Augenmerk richtete sich beim gestrigen Mediengespräch selbstredend auf die Zukunft. Was folgt ab 2020 als Muba-Ersatz? Obschon mit allerhand Fragen gelöchert, blieben Holenstein und Nussbaumer der Öffentlichkeit konkrete Erklärungen schuldig.

Nachfolge-Konzept völlig unklar

Fakt ist, dass in Basel auch weiterhin eine Frühjahresmesse durchgeführt werden soll. Wie lange sie dauert, wie gross sie sein soll und welche Inhalte die Besucher erwarten dürfen, scheint aber noch in den Sternen zu stehen. Eine vierköpfige Arbeitsgruppe sei eingesetzt worden, gab Holenstein an. «Diese entwickelt im stillen Kämmerlein diverse Formate.» Detailangaben könnten vorerst keine gemacht werden. Ansonsten würde die Konkurrenz sofort aufspringen und vielversprechende Ansätze kopieren. Derzeit würden «viele Gespräche» mit Verbänden, Bundesämtern und anderen Institutionen laufen. Im Frühjahr 2019 werde das Programm vorgestellt.

Nussbaumer betonte, erfolgreich sei eine Messe heutzutage dann, wenn sie sich thematisch möglichst gut mit einer klar definierten Zielgruppe verbinden lasse. «Die Muba in ihrer klassischen Form hat das nicht mehr geschafft.» In welcher Rolle der 35-jährige Messeleiter bei der Nachfolgeveranstaltung mitwirken wird, steht noch nicht fest. Wie Muba künftig heissen wird, ebenso.

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