Zu Ehren des grössten Tennisspielers

Aus der St. Jakobshalle soll mittels Volksinitiative voraussichtlich per Ende 2020 die Roger-Federer-Arena werden.

Bereits neun Mal hat Roger Federer das Swiss-Indoors-Turnier in Basel gewonnen.

Bereits neun Mal hat Roger Federer das Swiss-Indoors-Turnier in Basel gewonnen.

(Bild: Keystone)

Eine erste, geheime Sitzung verlief harmonisch und zielführend. Im dritten Stock eines Bürogebäudes gleich bei der Innenstadt hatte Anfang Jahr Hans Furer eine Handvoll Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Kultur zu Tisch gebeten. Hinter geschlossenen Türen gab es einiges zu besprechen – respektive einen alten Traum zu verwirklichen: die Roger-Federer-Arena. Jetzt!

Die Vorgeschichte dazu ist fast so lang wie die Vita der St. Jakobshalle, die im September 1976 eröffnet worden war und nun endlich umbenannt werden soll. Roger Federer war damals noch gar nicht auf der Welt, und kein Mensch wäre je auf die Idee gekommen, der multifunktionalen Halle auf der Brüglinger Ebene dereinst einen neuen Namen zu geben.

Am 8. August 1981 wurde Federer geboren, rund zwanzig Jahre später lancierte der Münchensteiner seine Tenniskarriere, die ihn schon bald auf den sportlichen Olymp führen sollte: 20 Grand-Slam-Titel, 100 ATP-Turniersiege, monatelang die Weltnummer 1. Federer, das war und ist bis heute die Champions League im Tennis, eine Marke, die rund um den Globus strahlt. In seine Nähe kommt am ehesten noch der Basler Filmemacher und sechsfache Oscar-Preisträger Arthur Cohn.

Ein paar Fragen

Die politischen Niederlagen zur Hallen-Umbenennung im Zeitraffer: 2012 deponierte der damalige Landrat Hans Furer ein Postulat in Liestal. Die Grossrätin Martina Bernasconi zog ein paar Tage später im Grossen Rat nach. Sie forderten, die St. Jakobshalle in Roger-Federer-Arena umzubenennen. Das Anliegen scheiterte in beiden Parlamenten.

Einen nächsten Anlauf nahm Martina Bernasconi am 7. Februar 2018 – wenige Tage zuvor hatte Roger Federer das Australian Open gewonnen. Selbst Arthur Cohn setzte sich für eine Namensänderung ein, doch auch er hatte auf der politischen Bühne keine Chance.

Was, wenn er seinen Ruf zerstört?

Die Argumente aus dem gegnerischen Lager: In der Schweiz ist es üblich, Persönlichkeiten erst nach deren Tod die entsprechende Ehre in Form von Namensgebungen für Plätze, Strassen oder Alleen zu erteilen. Dazu kamen weitere brisante Fragen auf den Tisch: Was, wenn sich Roger Federer nach der Aktivkarriere seinen Ruf zerstört? Wie reagieren andere Geldgeber im Tennissport oder in Basel auf das Label «RF», hinter dem unter anderem auch die Grossbank Credit Suisse steht? Hält ein anderes Geldinstitut als die UBS seine Generalversammlung noch in einer Roger-Federer-Arena ab?

Diese und ähnliche Punkte haben die Initianten rund um Hans Furer mittlerweile sorgfältig geklärt. Seit der ersten Sitzung im Januar 2019 ist das Komitee – um in der Sprache des Sports zu bleiben – viele Sätze und Aufschlagsspiele weitergekommen.

Ein paar Unterschriften

Das Gremium ist wild entschlossen, unter dem Banner «Roger-Federer-Arena jetzt!» in Basel eine Volksinitiative zu lancieren. Schon in den nächsten Tagen wollen die Macher Unterschriften von stimmberechtigten Personen sammeln – innert 18 Monaten braucht es 3000, also eine lösbare Aufgabe. Parallel dazu wird eine Petition gestartet, damit alle, die von Roger Federer begeistert sind, weltweit unterschreiben können. Die Petition ist auch in englischer Sprache verfasst worden. Überdies soll ein Crowdfunding im Internet das nötige Startkapital garantieren. Ein Superstar wie «RF» hat halt seinen Preis.

Die Veranstalter der Swiss Indoors, namentlich Roger Brennwald, sehen keinen Nachteil, wenn die Arena einen anderen Namen trägt. Auch die Verwaltung der St. Jakobshalle hat nichts dagegen.

Mühlen malen langsam

Ob die Parteien den Namenswechsel auch begrüssen würden, liessen sie noch bewusst offen. Bereits neun Mal hat Federer das Swiss-Indoors-Turnier in Basel gewonnen – in jener Halle, in der er einst als Ballbub ehrfürchtig im Einsatz gestanden hatte.

Hans Furer ist optimistisch, dass er diesmal einen Volksentscheid erzwingen kann. Doch die Mühlen mahlen in der Schweiz bekanntlich langsam. Klappt alles nach Plan, dürfte erst Ende 2020 der Urnengang des Volkes Tatsache werden. Sehr gut möglich, dass Roger Federer bis dahin längst seinen Rücktritt verkündet hat – was dem Projekt sicher mehr hilft als schadet.

Basler Zeitung

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