Wundergugge voller Knallbonbons

Das Zofinger-Conzärtli 2012 liefert ein bissiges Sporttpourri.

Am Conzärtli: Phil Bipp (ex-Nationalbank-Direktor Philipp Hildebrand, links) trift auf Zeitungsverkäufer Blocher.

Am Conzärtli: Phil Bipp (ex-Nationalbank-Direktor Philipp Hildebrand, links) trift auf Zeitungsverkäufer Blocher.

(Bild: Dominik Plüss)

-minu

Frech wars. Bunt wars. Na ja – wir haben es gar nicht anders erwartet. Das Conzärtli ist seit vielen Jahren ein sicherer Wert auf dem üppigen Hors-d’Œuvre-Buffet des Vorfasnachts-Tingeltangels. Manchmal sind die Pointen scharf wie Tabasco – oder rabenschwarz wie Kaviar –, etwa der stimmungsvolle Nekrolog auf die gute Frau Oberholzer, die auf einem Hybridbesen verunfallte.

Dann ist der Witz wieder leicht und locker – wie ein Vanille-Soufflé. Oft auch happig. Und nicht immer leicht verdaulich – ein Gass-enhauer eben. Eine Wundergugge voller Knallbonbons. Bravourös ist der Conzärtli-Jahrgang 2012 ganz bestimmt. Bravourös! Mit Ausrufezeichen. Schon der Anfang tönt gut. Der Cantus klappt. Alt Zofinger und ebensolcher alt Regierungsrat Facklam zieht den Hut: «Sälte aistimmig!» Also einhelliges Lob, weil da nicht in den Tönen herumgeeiert worden ist. Sondern glasklar herausposaunt wurde: «Respäggtvoll simmer nit, s isch wohr!»

Nein – respektvoll sind sie in diesem Jahr weiss Gott nicht gewesen. Sie haben keinen verschont – und zugestochen. Mit scharfen Waffen. Manchmal zuckerwattig verpackt, aber immer treffsicher. Schon der Prolog haut hin: Der Capitano der versunkenen «Costa Concordia» spritzt um sich. Und hält Kurs auf unsere Regierungsräte:

Oberschugger, Chef vom Lips
Doo bruucht is schon e bitzli Grips.

Und zu Eymanns aufklärendem Köfferchen:

Do griegt dr Eymaa vo dr Ex
E neye Namme: Käpten Sex.

So. Nun aber Flügel her. Denn immerhin heissts ja Conzärtli. Mit C und mit Q-Dur. Letzterer spielt Chopin. Perfekt. Und man dankts ihm – denn wir haben hier schon zersägte Geigen und krähende Tenöre erlebt. Q-Dur aber ist immer ein musikalisches Sahnehäubchen. Applaus. Und rot-weiss-rote Nelken in den Arm!

Der scheidende Oberpolizist

Doch endlich: Vorhang auf fürs Stiggli. Der Titel spielt keine Rolle. Aber Hampel Spass spielt eine. Und wie! Er wird zu seinem Abschied im Büro porträtiert. Der Künstler ist ungehalten, weil der bald scheidende Oberpolizist hin und her hampelt: «Jetzt sinn Si emool ruehig – s isch scho gnueg schwiirig, öbber ohni Profil z porträtiere!»

Plötzlich wird ein Schwarzer hereingeführt. Hampel: «Wär sinn Sie?» «Y bi dr Schwarz Peter – dr Wessels het gsait, ych syg jetzt wider bi Ihne.» Eigentlich sollte Lips den Störenfried abführen. Aber der kann nicht – hat grosse Wäsche. Und zwei rosige Handschellen am Gürtel. Immer mehr werden die Stiggli mit «Nääbelyche» aufgepeppt. Das bringt auch etwas, lockert auf, noch mehr auf. Dieses Jahr macht beispielsweise Blocher als Zeitungsverkäufer Furore (erschreckend echt). Mike Shiva ist eine einfühlende Wucht – aber da spuken auch Sibel Arslan und, wie schon erwähnt, Gery Lips über die Bühne. Malama wiederum bekommt auf elektronischem Weg sein Fett weg. Überhaupt wird viel mit Elektronik gearbeitet. Nun auch beim Prolog. Dort bringts weniger – dem Stiggli aber viel.

Zum Inhalt des Stiggli gibt es nichts zu sagen. Den schnallt eh keiner richtig. Es ist ein Potpourri an Kurzspott – ein Spottpourri also. Umso mehr kann man die Protagonisten loben. Ein Zwillingspaar übernimmt gleich zwei Leichen: Einer spielt Evi Widdr-Trumpf, der andere Phil Bipp, weggeblasener Nationalbank-Direktor. Die Zwillinge brillieren in ihren Rollen – und in den Couplets.

Viele funkelnde Wortspiele

Überhaupt sind die musikalischen Nummern an diesem Conzärtli samt präzisem Bewegungscorps der absolute Brüller. Entsprechend lässt man das Drama dann auch beim Daibel – ebenfalls ein teuflisch gutes Highlight – in der Hölle in Flammen aufgehen, mit Chor, Tanz und tosendem Saal.

Fazit: Jahrgang 2012 rundum gelungen. Da gabs auch alte Bonmots wie Madame de Meurons «Im Himmel simmer alli glych, aber do unde herrscht no Ornig» im Dalbe-Fraue-Flash. Aber es hagelte daneben viele funkelnde Wortspiele (nicht immer ist es für das harmlose Publikum einfach, diese Spiele zu erkennen wie etwa beim Jura und der Kreide). Und es gab auch Nummern, die total unter die Haut gingen – wie diejenige der beiden Atomkraftwerke, die überleben wollen.

Dass die Zofinger als «Wyber uff dr Bihni» die schönsten Basler Frauen sind, wissen eh schon alle – entsprechend war der grosse Festsaal der Messe knuddelvoll. Der Saal wird dann abgerissen und zusammen mit dem Finale des Stiggli in die Hölle fahren – das Conzärtli aber lebt weiter. Und wird zu himmlischen Höhen führen. Gut so. Wir freuen uns schon darauf, wenn's die Fagunzen 2013 wieder teuflisch-himmlisch lachen und krachen lassen.

Basler Zeitung

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