«Wo sind die gleichen Rechte?»

Der Stonewall March Basel setzt ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transsexuellen.

Im Gedenken an die Polizeiaktion gegen die Bar Stonewall in New York vor 50 Jahren: Demonstration von Hunderten von Sympathisanten in der Gerbergasse beim Hauptpostgebäude. Foto: Lucia Hunziker

Im Gedenken an die Polizeiaktion gegen die Bar Stonewall in New York vor 50 Jahren: Demonstration von Hunderten von Sympathisanten in der Gerbergasse beim Hauptpostgebäude. Foto: Lucia Hunziker

50 Jahre ist her, dass sich lesbische, schwule, transsexuelle Menschen in New York City zu Tausenden gegen Polizeigewalt und Diskriminierung wehrten. Auslöser für den Aufstand war eine heftige Polizeiaktion gegen die Bar und Disco Stonewall Inn im Stadtteil Greenwich Village. Das Lokal war Treffpunkt für Menschen, die damals an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden wegen ihrer sexuellen Ausrichtung, ihres sozialen Status, ihrer Hautfarbe. Gerade auch durch die Behörden. Denn vor 50 Jahren wurde Homosexualität in noch mehr Ländern als heutzutage (dazu gehörten die USA und auch die Schweiz) behördlich verfolgt, wurden Homosexuelle als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse behandelt und endlos schikaniert.

Die Polizeiaktion gegen das Stonewall Inn brachte das Fass zum Überlaufen. Sie löste, ab dem 27. Juni 1969, eine tagelange Rebellion gegen diese Zustände aus, die als historischer Auslöser der Gay-Pride-Bewegung gilt, die sich seither für die Rechte der Lesben, Schwulen und Transsexuellen starkmacht – und damit viel erreicht hat.

Ein Memorial in Basel

Das 50-Jahre-Jubiläum der legendären «Stonewall Riots» wurde in Basel am Samstagnachmittag mit einem Marsch durch die Innenstadt begangen, zu dem mehrere Organisationen aufgerufen hatten. Auf 15.30 Uhr war die Besammlung am Barfüsserplatz angesetzt, wo 1980 übrigens, zwei Jahre nachdem das sogenannte Homosexuellenregister der Schweizer Polizei endlich abgeschafft worden war, die «Gay 80» stattfand, eine der ersten grossen Schwulen- und Lesbendemos in unserem Land. Am Anfang war es nur eine Handvoll Leute mit Regenbogenflaggen, teilweise bunt und grell gekleidet, teilweise in unauffälliger Aufmachung, die sich in brütender Hitze um den Barfibrunnen versammelten.

Doch um 16 Uhr waren bereits Hunderte von Menschen gekommen, um sich für die Rechte der «Queer Community» starkzumachen. Für jene, die es noch nicht wissen: Das englische Wort «Queer», das eigentlich schräg, verschroben, eigenartig bedeutet, hat sich in den letzten Jahren als Bezeichnung für schwule, lesbische und transsexuelle Menschen durchgesetzt.

«Narben roher Gewalt»

Kurz nach 16 Uhr beginnt der Anlass, mit einer engagierten Ansprache von Florian Vock. Er sei froh, sagte Vock, dass er nicht im Jahr 1969 leben müsse: «Aber meine schwulen Freunde werden heute immer noch auf offener Strasse verprügelt, viele von uns tragen immer noch die Narben roher Gewalt.»

«Wo sind die gleichen Rechte?» So seine berechtigte Frage an die Anwesenden. Denn in den vergangenen Jahren ist Homophobie in gewissen Kreisen leider wieder salonfähig geworden. Und immer noch machen gewaltbereite Männer Jagd auf Menschen, die ihre Homosexualität offen leben. In vielen Ländern dieser Welt, in Osteuropa, Afrika, Asien, bleibt Homosexualität strafbar, wird manchmal gar mit der Todesstrafe geahndet. Es gibt also durchaus gute Gründe für Demonstrationen.

Auf einem der Transparente steht «Queer rights are human rights», «Die Rechte der Homosexuellen sind Menschenrechte». Dies könnte durchaus der Leitsatz des Tages sein.

Überspitzte Parolen

Der Marsch setzt sich in Bewegung, zwischen Barfi und Schifflände werden rund 800 Personen gezählt. Musik und – teilweise etwas überspitzte – politische Parolen aus Lautsprechern, die im hinteren Feld der Demo durchaus für hochgezogene Augenbrauen sorgen, prägen die Stimmung.

Der Marsch unter brennender Sonne gestaltet sich höchst friedlich, bunt und ein wenig verrückt. Er endet nach 17 Uhr auf der Claramatte. Die Demo löst sich auf, die Leute ziehen zum Hirscheneck. Einer heissen Partynacht entgegen.

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