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Wirbel um Scientology-Stand an der Muba

Die umstrittene Sekte Scientology betreibt einen Stand an der diesjährigen Muba. Die Präsenz der Organisation ruft Kritiker auf den Plan.

Umstritten, aber legal: Die Messeleitung hat abgeklärt, ob die Präsenz der Scientology-Kirche an der Muba zulässig ist.
Umstritten, aber legal: Die Messeleitung hat abgeklärt, ob die Präsenz der Scientology-Kirche an der Muba zulässig ist.
Martin Regenas

Nicht nur der Auftritt der Sterbehilfeorganisation Exit stösst einigen Muba-Besuchern sauer auf. Aktuell sorgt auch der Stand der internationalen Organisation Scientology für Empörung. Unter anderem machte sich Sarah Wyss, Grossrätin und Noch-Präsidentin der Juso Basel-Stadt, via Twitter Luft: «Sekte an der Muba. Geht gar nicht», zwitscherte die Politikerin gestern. «Kann mir mal jemand sagen, wieso Sciento­logy einen Stand an der Muba hat?», fragte ein anderer verständnislos.

«Wir haben im Vorfeld, was Scientology angeht, Abklärungen getroffen», sagt Muba-Sprecher Simon Dürrenberger dazu. Mit folgendem Ergebnis: Bei Scientology handle es sich um eine legale Organisation, die folglich auch an der Muba auftreten könne.

Umstrittene Gruppierung

Eine Haltung, für die Sektenexperte Georg Otto Schmid von relinfo.ch Verständnis hat: «Es ist rechtlich nicht ganz einfach, zu Veranstaltungen gewisse weltanschauliche Gemeinschaften zuzulassen und andere nicht.» Es gebe da keine juristisch hieb- und stichfesten Kriterien. «Deshalb kann ich es verstehen, dass die Muba Scientology zulässt, um nicht alle religiösen Organisationen ausschliessen zu müssen.» In der liberalen Schweiz hätten es radikale Gruppierungen einfacher als beispielsweise in Deutschland. Dort werde Scientology vom Verfassungsschutz beobachtet.

Aber auch hierzulande sei Scientology eine der umstrittensten aktiven Gruppierungen. «Keine andere produziert nach unserer Erfahrung einen so hohen Anteil unzufriedener Aussteiger.» Schmid kennt viele Berichte von ehemaligen Mitgliedern. «Die Schattenseiten von Scientology sind zum einen der hohe finanzielle Aufwand, den Scientologen oft betreiben. Wer die sogenannte ‹Brücke zur Freiheit› bis zur höchsten Stufe gehen will, zahlt dafür gern Zehn- wenn nicht Hunderttausende Franken. Oder er arbeitet für Scientology für einen geringen Lohn», sagt Schmid. Aussteiger würden zudem von permanentem Druck berichten. Wer beispielsweise für die Organisation arbeite, müsse sich laufend verbessern.

Über Muba-Regeln aufgeklärt

An der Muba findet man die Scientology-Kirche Zürich in der Halle 2. Es ist laut Dürrenberger der erste Auftritt der Organisation an der Messe. Bei einem Augenschein vor Ort konnten sich die Standbetreiber gestern über mehrere Interessenten freuen. Auf dem ganzen Messegelände neue Mitglieder werben dürfen sie aber nicht. «Wir haben die Organisation im Vorfeld auf die Auflagen bei der Verhaltensweise hingewiesen», sagt Dürrenberger. Dazu gehöre die Regel, dass man nur innerhalb der Standgrenzen aktiv sein dürfe. Im neutralen Raum der Muba, also in den Gängen, Personen anzusprechen und an den Stand zu locken, sei tabu. «Das gilt aber auch für alle anderen Standbetreiber.»

Experte Schmid wurde selber auch schon von an Scientology Interessierten angesprochen: «Wenn sich jemand bei mir meldet, der sich für einen Beitritt interessiert, empfehle ich ihm in der Regel die Lektüre von Aussteigerberichten», sagt er. Dann seien die meisten nicht mehr so angetan. «Viele Aussteiger berichten davon, dass es Scientology nicht so einfach akzeptiert, wenn man sich distanzieren möchte und Aussteiger lange noch brieflich kontaktiert, in einer Art, die vielen lästig wurde», sagt Schmid.

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