«Wir hoffen, dass Herr Ott andere Dialogpartner fairer behandelt»

Muslimkomission

Die Basler Muslimkommission hat am Dienstag eine Stellungnahme verschickt. Darin wehrt sie sich gegen Vorwürfe des Basler Stadtentwickelers Lukas Ott.

Stadtentwickler Lukas Ott hat die Basler Muslimkommission kritisiert. Die wehrt sich in einer Stellungnahme. Foto: Nicole Pont

Stadtentwickler Lukas Ott hat die Basler Muslimkommission kritisiert. Die wehrt sich in einer Stellungnahme. Foto: Nicole Pont

Nina Jecker

Der Streit rund um die Basler Muslimkommission (BMK) geht weiter. Nachdem der Basler Stadtentwickler Lukas Ott am Montag in der BaZ Kritik an der BMK übte, hat diese am Dienstag eine Stellungnahme an die Medien verschickt. Man habe die Aussagen von Ott «mit Befremden» zur Kenntnis genommen, heisst es darin. Ott sagte unter anderem, dass die Vertretung der Basler Muslime im Dialog mit dem Kanton durch die BMK nicht pluralistisch und demokratisch organisiert sei. Im Gegenteil: In der jetzigen Form bestehe die Gefahr, dass die muslimische Vertretung monopolistisch wahrgenommen werde. Das ist nicht in Otts Sinn, der sagt: «Es kann keinen Alleinvertretungsanspruch der BMK geben.»

Die kritisierte Organisation kontert, man habe es nie auf einen solchen angelegt. Es sei der Wunsch des Kantons gewesen, auf muslimischer Seite einen Ansprechpartner im Bezug zum Islam zu haben, der möglichst viele Vereine vertritt. Seit über 20 Jahre biete die BMK deshalb ehrenamtlich ihre Dienste an, um einen Dialog zwischen der Öffentlichkeit und ihren 18 Mitgliedsorganisationen herzustellen. Dieser finde nicht nur im Interesse der BMK statt, sondern auch im Interesse des Kantons und der Öffentlichkeit.

«Stadtentwickler hat wenig Ahnung von muslimischer Realität»

Nach den Aussagen des Stadtentwicklers, der seit rund zwei Jahren im Amt ist, zeigt sich die Muslimkommission enttäuscht. «Bis das heutige, professionelle Niveau erreicht wurde, sind unzählige ehrenamtliche Stunden investiert worden.» Umso mehr sei es enttäuschend, dass Ott all diese Bemühungen mit keinem Wort würdige. Die kritisierten Muslime wehren sich auch dagegen, als homogene Organisation dargestellt zu werden. Ott monierte, dass die derzeitige Vertretung «der Heterogenität dieser Community nicht gerecht» werde.

Nach den Rechtfertigungen nehmen die Muslime den Stadtentwickler ins Visier. Dieser habe von der muslimischen Realität in Basel-Stadt «wenig Ahnung» – was womöglich damit zu tun habe, dass er seit seinem Amtsantritt im Dezember 2017 kein einziges offizielles Gespräch mit der BMK geführt habe. «In unserem Verständnis heisst Dialog, mit seinen Partner direkt zu sprechen und allfällige Kritik auch mit seinen Partnern direkt zu diskutieren. Herr Ott hat es aber vorgezogen, mit den Medien über seine Partner zu sprechen, weswegen wir auch öffentlich Stellung nehmen.»

Verdacht auf Druck gegen Muslime

Die BMK erweckt weiter den Eindruck, in Zukunft nicht mehr Ansprechpartner sein zu wollen, nennt die Debatte «mühsam» und kritisiert deren Niveau. «Wir hoffen, dass Herr Ott andere Dialogpartner findet und diese dann auch fairer behandelt, als er es mit der BMK tut. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei», heisst es.

Dem Streit vorausgegangen war Kritik von Muslimen an der BMK. Konkret ging es dabei um die Hicret-Moschee, die gegenüber der BaZ und gegenüber Ott ihren Austritt aus der Kommission bekannt gegeben hatte. Kurz darauf wollte man davon aber nichts mehr wissen. Es entstand der Verdacht, der auch von Stimmen aus der Moschee gestützt wurde, dass der Entscheid aufgrund von Druck seitens der BMK gekippt wurde.

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