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«Wir haben keinen Plan B für das Ozeanium»

Das Basler Nein zum Grossaquarium des Zollis sorgt für bittere Enttäuschung bei den Befürwortern. Die Reaktionen.

Zolli-Direktor Olivier Pagan nimmt Stellung zur Abstimmungsniederlage. Video: Martin Regenass

Die Basler Stimmbevölkerung sagt nein zu einem Grossaquarium auf der Heuwaage. Mit rund 54 Prozent hat der Souverän das Ozeanium des Zoologischen Gartens abgelehnt. Die Enttäuschung stand Zolli-Direktor Olivier Pagan heute kurz nach 12 Uhr bei der Verkündung der Resultate der schriftlich Stimmenden im Ratshaus ins Gesicht geschrieben. «Wir haben seit mehr als zehn Jahren viel Herzblut in das Projekt gesteckt. Es ist insbesondere deshalb schade, weil wir eigentlich genau das Ziel verfolgen, das vielen Gegenerorganisationen laut eigenen Aussagen am Herzen liegt: den Schutz der Meere.»

Aus Sicht des Zollis ist mit dem Nein den Weltmeeren nicht gedient, denn ohne das Ozeanium würde das Thema in der Bevölkerung nicht dieselbe Aufmerksamkeit erlangen. Neben dem Aufklärungseffekt gingen jährlich auch mehrere hunderttausend Franken verloren, die der Naturschutzfranken auf den Tickets für Meeresschutzprojekte vor Ort generiert hätte.

Zolli weiss noch nicht, wie weiter

Zolli Verwaltungsrat Martin Lenz übt Kritik am Abstimmungskampf der Befürworter. «Leider ist es uns nicht gelungen, die Verunsicherung, welche die Gegner befeuert haben, zu zerstreuen. Wir werden die neue Ausgangslage nun analysieren und zu einem späteren Zeitpunkt über nächste Schritte entscheiden.» Was das genau heisst, ist noch unklar. Pagan sagt aber, dass aktuell kein Plan B für das Ozeanium existiere. Klar sei aber, dass der Zolli den Besuchern weiterhin seine Tiere und die Lebensräume näherbringen wolle. Zudem werde der Zolli weiterhin den Schutz der Meere unterstützen, dessen Bedeutung gerade in den Binnenländern nach wie vor unterschätzt werde.

Vera Weber, die Präsidentin der Fondation Franz Weber, freut sich über das Nein zum Ozeanium.

LDP-Grossrat und Ozeanium Befürworter Jeremy Stephenson sprach bei den Gegnern des Ozeaniums um die Fondation Franz Weber und den Grünen von «Verhinderern». «Projekte zum Scheitern bringen können sie. Eigene Vorschläge bringen sie dann jedoch nicht», sagte Stephenson. Er sprach von «Fake news», welche die Gegner aufgetischt hätten. Sie hätten sowohl für die Sterberate bei den Fischtransporten, wie auch beim Energieverbrauch oder beim Verkehrskonzept falsche Zahlen genannt. Zudem hätten die Gegner Plakate verschmiert. Stephenson: «Auf dieses Niveau lassen wir uns nicht herab. Aber vielleicht verhielten wir Befürworter uns im Abstimmungskampf einfach zu lieb. Das ist uns vielleicht zum Verhängnis geworden.»

Grüne weisen Vorwürfe zurück Grünen-Grossrat und Ozeanium-Gegner Thomas Grossenbacher nimmt die Vorwürfe gelassen entgegen: «Die Zahlen bezüglich der Sterberate sind von Meeresbiologen mit Doktorarbeiten verifiziert. Wir haben nicht mit falschen Zahlen operiert.» Grossenbacher spielt den Ball sogleich an den Zolli zurück und sagt, dass er es seinerseits nicht verstanden habe, seine Argumente zu verifizieren.

SP-Grossrätin Edibe Gölgeli spottet auf Twitter über das Abstimmungsresultat:

Enttäuscht ist auch Baschi Dürr, der Basler Sicherheitsdirektor. Der Freisinnige verknüpft das Nein in seinem Facebook-Eintrag mit dem Ja zur Reichensteuer, die dank der angenommenen Juso-Initiative nun in Basel eingeführt wird:

Für SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser hat die Stimmbevölkerung richtig entschieden. «Ich bin glücklich darüber. Der Zolli soll sich erweitern, aber in jener Art, wie er das bis anhin getan hat.» Also mit grösseren Anlagen beispielsweise wie für die Elefanten oder die Löwen. «Das Ozeanium wäre für den Zolli ein Eigengoal gewesen, denn er hätte sich damit selber konkurrenziert. Die Leute wären ins Ozeanium gegangen, aber nicht mehr in den Zolli.»

Ueberwasser befürchtet, dass das Ozenaium zudem dereinst vom Kanton hätte unterstützt werden müssen, wenn das Zuschauerinteresse abnimmt. «Die öffentliche Hand hätte da eingreifen müssen, weil die Anlage zu teuer ist.» GLP-Grossrätin und Ozeanium-Befürworterin Esther Keller spricht von einer «verpassten Chance». Dennoch könne sie die Leute verstehen, die dagegen gewesen seien. «Es ist schon fraglich, ob ein solches Grossaquarium noch zeitgemäss ist.»

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