Wie soll es nach dem Brand in der Rheingasse weitergehen?

Nach dem «Desaster» verlangt die IG Rheingasse eine klare Informationspolitik der Behörden.

Der Geruch von verbranntem Holz sticht noch immer in die Nase. Foto: Kostas Maros

Der Geruch von verbranntem Holz sticht noch immer in die Nase. Foto: Kostas Maros

«Es ist ein Desaster», brachte es Tino Krattiger, Anwohner der Rheingasse, Floss-Betreiber und IG-Rheingasse-Mitglied, auf den Punkt. Passiert man die geschützte Passage im Schafgässlein, so sticht einem noch immer der Geruch von verbranntem Holz in die Nase. Kein Wunder. Erst am Dienstag wurden die letzten Brandherde gelöscht.

Krattiger meint mit seinem Statement aber nicht nur den Brand und die «Hausleiche», die jetzt in der Rheingasse liege, ­sondern vor allem auch den Verlust der überaus beliebten Bar Grenzwert, Kern des Boulevards, zu dem noch verschiedene andere Restaurationsbetriebe gehören. Ein harter Schlag für die Begegnungszone, die derzeit ein tristes Bild bietet. Das Gebäude ist wegen Einsturzgefahr abgesperrt. Immerhin: Die beiden Barbetriebe Consum und 8-Bar haben seit Donnerstagabend wieder geöffnet.

Flächenbrand vermieden

Die IG Rheingasse, eine Vereinigung von Anwohnern und Gewerblern, hat die Medien eingeladen, um über «die aktuelle Situation und die Zukunft der Gasse» zu berichten. Zunächst jedoch erhielt der Einsatz der verschiedenen Feuerwehren und der anderen Einsatzkräfte ein dickes Lob. Ihrem Einsatz sei es zu verdanken, dass die Feuersbrunst nur minimal auf die anliegenden Gebäude übersprang. «Um ein Haar wäre es zu einem Flächenbrand gekommen», so Krattiger. Das Schafgässlein sei akut bedroht gewesen.

Die Anwohnerin Heike Zenker muss mit ihrer Familie die Dachwohnung in der Rheingasse 15 für vier bis fünf Monate verlassen. In dieser Zeit wird sie renoviert: Sowohl der Wasserschaden als auch der emotionale Schaden sei gross. Die Feuerwehr hatte die Wände in ihrer Wohnung «aufgemacht», um den Brand von hier aus im Nebengebäude zu bekämpfen. Die Familie wurde im Hotel Krafft vis-à-vis untergebracht. Ein Akt der Solidarität unter Nachbarn. Jetzt sucht die Familie, die in der Rheingasse bleiben möchte, eine neue Bleibe. Solidarität erlebt auch Cécile Grieder, Wirtin des Grenzwert, in hohem Masse. Wie und ob es mit ihrer Bar weitergeht, ist unklar: «Ich schwebe in einem luftleeren Raum, erhalte keine Informationen. Ich fühle mich alleingelassen von den ­Behörden.» Sie hofft darauf, dass es im jetzigen Lokal weitergeht.

Vom Brand hart getroffen

Die Bar Grenzwert habe immer einen speziellen Stellenwert gehabt in der Rheingasse, sagte Krattiger. Das Zentrum des Boulevards sei mit dem Brand hart getroffen worden. «Wir wollen dort wieder Leben haben und Begegnung und wären froh über behördliche Auskünfte darüber, was die nächsten Schritte sind.»

Thema waren auch die ­Zustände im Rheinhof, der einst eine einfache Pension war, in der zuletzt Sozialbezüger und Ab­gehängte lebten. In Zimmern von acht Quadratmetern, wie Cécile Grieder erwähnte. Hierfür verlangte Besitzer Beat Vix um die 900 Franken, bezahlt von der ­Sozialhilfebehörde. Dies in einer Liegenschaft, die seit langem schon mangelhaft unterhalten ist.

Eine Absage erhalten

Hierbei sollte auch über Verantwortung nachgedacht werden, so Franz-Xaver Leonhardt, Gastgeber im Hotel Krafft und im Consum. Das Sicherheitsgefühl werde bei so einer Liegenschaft in unmittelbarer Nachbarschaft angekratzt.

Die Rheingasse sei eine der ­ältesten Gassen, sagte Franz-Xaver Leonhardt. «Sie hat immer wieder eine Zukunft vor sich.» Und: «Wir sind bestrebt, diese Zukunft aktiv mitzugestalten. Wir übernehmen Verantwortung, wenn man uns diese gibt.» Über einen Kauf des Rheinhofs, der historisch mit dem Hotel Krafft eng verknüpft ist, habe er mit dem Besitzer schon vor ­längerem ­gesprochen, erhielt jedoch eine Absage. Vielleicht führt die neue Lage zu einem ­anderen Ergebnis.

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