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«Transporttechnisch befinden wir uns noch immer im Mittelalter»

Der frühere Chef der SBB, Benedikt Weibel, tritt mit einem flammenden Appell für Gateway Basel Nord als Verwaltungsratspräsident von Port of Switzerland zurück.

Das letzte vergnügte «Mähli» mit Benedikt Weibel (l.) als Verwaltungsratspräsident. Foto: Kurt Tschan
Das letzte vergnügte «Mähli» mit Benedikt Weibel (l.) als Verwaltungsratspräsident. Foto: Kurt Tschan

Port of Switzerland hat das Dürrejahr 2018 hinter sich und das laufende gut begonnen. In den ersten sechs Monaten verbesserte sich das Umschlagsergebnis um 12,5 Prozent. Vor allem der Import von Mineralölprodukten mit einem Plus von mehr als einem Drittel lässt in einer Zeit aufhorchen, in der fossilen Energieträgern der Kampf angesagt wird. Einer, der sich über das gute Ergebnis freuen darf, ist Benedikt Weibel, Vater der Schweizerischen Rheinhäfen, der seit ihrer Gründung im Jahr 2008 Port of Switzerland in strategischer Hinsicht führt.

Jetzt aber verabschiedet sich der frühere Chef der SBB auf Ende Jahr aus Altersgründen, wie am gestrigen Hafemähli auf der Kraftwerkinsel Birsfelden bekannt wurde. Weibel habe die Schweizerischen Rheinhäfen «mit viel Umsicht, einem feinen Gespür und herausragender Kompetenz in der nationalen und internationalen Verkehrspolitik» geführt, heisst es.

Der 73-jährige Sozialdemokrat war bereits Ende Jahr als Präsident des IWB-Verwaltungsrats zurückgetreten. Aktiv ist er noch heute als Honorarprofessor an der Universität Bern. Auch als Publizist hat er sich einen Namen gemacht. Nicht nur Weibel verlässt Port of Switzerland, sondern auch der Direktor der Handelskammer beider Basel, Martin Dätwyler. Verwaltungsräte der kantonalen Beteiligungen können von Gesetzes wegen nicht dem kantonalen Parlament angehören. Zu gross wären die Interessenkonflikte. Noch ist unklar, wer Weibel an der Spitze der Häfen ablösen wird. Eine passable Lösung wäre Urs Steiner. Der frühere Chef der Elektra Baselland hat Anfang Jahr Weibel an der Spitze der IWB ersetzt und ist in den beiden Basel gut vernetzt.

Ausschreibung läuft

Wie es in der Mitteilung von Port of Switzerland heisst, werden die beiden vakanten Verwaltungsratsmandate öffentlich ausgeschrieben. Die Wahl der beiden neuen Verwaltungsräte erfolgt durch die Regierungen in Basel und Liestal. Am gestrigen Hafemähli bot sich Weibel die Möglichkeit, sich «vor einer illustren Gästeschar», wie er sagte, zu verabschieden. In seiner Begrüssungsansprache erinnerte sich Weibel an seine Anfänge. «Um Marge zu erzielen, braucht es maximal viele Container auf einem doppelstöckigen Zug», sagte er.

Zu Beginn seiner Tätigkeit bei den Schweizerischen Rheinhäfen habe er sich vor Ort in den USA ein Bild gemacht. Die Züge dort seien schon damals bis zu 5,5 Kilometer lang gewesen. Sie würden 1000 Container transportieren. Um einen bewachten Bahnübergang zu passieren, benötigten sie fünfeinhalb Minuten. In der Schweiz seien die Züge noch immer nicht länger als 750 Meter. «Transporttechnisch befinden wir uns noch immer im Mittelalter», sagte er.

Seit zehn Jahre arbeite man an einer Lösung. Gateway Basel Nord sei eine gute Lösung. Es grenze an ein Wunder, dass sich an der stark belasteten Nord-Süd-Achse ein Ort finde, wo Schiene, Wasser und Strasse sich derart optimal verbinden liessen. Der Preis dafür sei, Industriebrachen mit seltener Flora und Fauna zu ersetzen, sagte Weibel. «Das ist eine Güterabwägung. Der Entscheid ist sehr gut vertretbar», hielt er fest. Der Hafen gehöre zu Basel. Er habe aber nur eine Zukunft, wenn er ökonomische Imperative erfülle.

Schifffahrtsrinnen vertiefen

Der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber setzte sich mit der Digitalisierung der Häfen auseinander. Er verwies auf das elektronische Schiffs­anmeldesystem für den Con­tainerverkehr, das zusammen mit den Häfen des Oberrheins entwickelt wurde und in den europäischen Binnenhäfen Pioniercharakter geniesst. Um Niedrigwasser-Perioden wie 2018 zu begegnen, braucht es gemäss Weber Massnahmen. Dazu gehöre die Vertiefung von Schifffahrtsrinnen. In Basel ist die Fahrrinne bereits um 30 Zentimeter ausgebaggert worden. Es sei wichtig, die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Schweizerischen Rheinhäfen zu erhöhen und die Sicherheit der Binnenschifffahrt als «nachhaltigen Verkehrsträger zur Versorgung der Schweiz zu gewährleisten», sagte Weber.

Er verwies auch auf die neue Südanbindung, die zu einem Ringschluss mit dem Rangierbahnhof Muttenz führt. Zustellungen können so nicht nur über das Streckengleis in den Hafenbahnhof Birsfelden, sondern auch über die Gleisanlage des Konsortiums Schweizerhalle in den Auhafen erfolgen. Unterstützung signalisierte Weber für den Bau des Hafenbeckens 3. Er hoffe, dass der Basler Grosse Rat der Finanzierungsvorlage zur Stärkung der Rheinschifffahrt im schweizerischen Interesse zustimmen werden, sagte er.

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