«Wessels hätte härter verhandeln müssen»

Die Basler Regierung sei beim Margarethenstich eingeknickt, sagt der VPOD-Sekretär Matthias Scheurer.

Weil die BLT den Margarethenstich befahren darf, kann die BVB nicht fünf weitere Mitarbeiter anstellen. Das Ärgert die Gewerkschaft.

Weil die BLT den Margarethenstich befahren darf, kann die BVB nicht fünf weitere Mitarbeiter anstellen. Das Ärgert die Gewerkschaft.

(Bild: Pino Covino)

Daniel Wahl

Matthias Scheurer, als Regionalsekretär der Gewerkschaft VPOD gefällt es Ihnen gar nicht, dass die BLT die Linie über den Margarethenstich betreibt. Haben Sie etwas gegen die gelbe Farbe?Ach nein, wir lieben alle Farben, ob Gelb, Grün, Rot oder Blau. Beim Margarethenstich ging es uns darum, dass die BLT die Strecke alleine fährt und nicht in Kooperation mit den BVB. Im Staatsvertrag heisst es, dass es keine Überhänge geben soll. Gemeint ist damit, dass die Fahrleistungen, die die BLT auf Basler Boden erbringt, so gross sind wie die Fahrleistungen, die die BVB im Baselbiet ausführen. Das nun vorliegende Konzept am Margarethenstich verschiebt dies weiter zuungunsten der BVB, was zum Beispiel dazu führt, dass das Basler Tramunternehmen auf fünf Vollzeitstellen verzichten muss.

Genau, jetzt sprechen Sie von einem Verlust von fünf Vollzeitstellen. Finden Sie es fair, das zu monieren, wenn die BVB den wegfallenden 17er-Kurs durch die Innenstadt mit 2,5 Vollzeitstellen kompensieren müssen und in Allschwil eine Buslinie erhalten, die rund 5000 Arbeitsstunden generiert, was etwa sechs Vollzeitstellen entspricht?Man kann die Linien tatsächlich gegeneinander aufrechnen, und die beiden Regierungen schlagen nun auch einen solchen Aufrechnungsmodus vor. Bei der neuen Durchmesserlinie bleibt es aber dabei, dass die BVB fünf Vollstellen in Basel nicht erhält, während sich der Gesamtüberhang der BLT-Fahrleistung auf über vier Prozent verschiebt. Da wurde ein Lücke im Staatsvertrag ausgenutzt. Immerhin wird nun festgelegt, dass Fahrleistungsüberhänge nicht mehr als fünf Prozent betragen dürfen.

Sie betrachten das Abkommen zum Margarethenstich einfach separat. Wir stellen bei Ihnen einen Tunnelblick fest.Ich mache die Gesamtrechnung schon auch. Hier akzentuiert sich der Überhang aber zugunsten der BLT.

Die Rechnung sieht in der Gesamtbetrachtung doch anders aus. Was stört generell an einem Überhang?Erstens haben wir den Staatsvertrag, den es einzuhalten gilt. Zweitens habe ich als Gewerkschaftssekretär ein Interesse daran, dass die BVB gute und rentable Linien mitbetreiben können, wie sie die Durchmesserlinie vom Bahnhof SBB zum Badischen Bahnhof ist, die die BLT nun allein befahren soll. Das würde in Basel für Arbeitsplatzsicherheit sorgen, und drittens setze ich mich für die fünf Stellen ein.

Es ist ja nicht so, dass die BLT von einer rentablen Linie durch die Stadt profitiert. Es gilt das Territorialprinzip: Erträge, die die BLT in Basel erwirtschaftet, müssen abgeliefert werden.Das stimmt, es findet ein Finanzausgleich statt. Aber das Geld – es sind derzeit zwischen 2,5 und 3 Millionen Franken – geht ins Finanzdepartement zu Eva Herzog. Es fehlt in der Betriebsrechnung der BVB.

Stemmten sich die BVB noch vor Weihnachten gegen die Idee, dass der 17er über den Margarethenstich fahren soll, sprechen heute BVB und BLT von einer «zukunftsweisenden Lösung». Wie kam es zu diesem Meinungsumschwung?Die Regierungen haben nun gemeinsam im Rahmen einer Gesamtschau in die Zukunft geblickt. Und es sind Zugeständnisse gemacht worden: Immerhin darf jetzt die BVB die 38er-Linie in Allschwil befahren. Und besiegelt worden ist auch, dass der grüne 14er auf der Verlängerung nach Salina Raurica fahren darf.

Was Sie sagen, war schon vor den Verhandlungen zum Margarethenstich klar und ist keine Errungenschaft aus den Verhandlungen.Nein, ob die BVB den 14er auf der Verlängerung von Pratteln nach Salina Raurica bedienen dürfen, war umstritten. Es kommt weiter hinzu, dass die BLT während Grossanlässen nicht mit ihren alten Trams durch die Innenstadt fahren darf. Ihre längst abgeschriebenen Recyclingkompositionen wird sie sukzessive ausrangieren müssen, weil sie ab 2023 in Basel mit Niederflurkompositionen fahren muss.

Dennoch sagt der VPOD in der Medienmitteilung, die Basler Regierung sei eingeknickt. Liegt das daran, dass die Basler Regierung nach dem BVB-Skandal vor Weihnachten geschwächt in die Verhandlungen gestiegen ist?Das glaube ich nicht, denn die Verhandlungen um den Margarethenstich dauern nun schon rund zwei Jahre. Wichtig war offenbar den Regierungen, dass die Fahrgäste aus dem Leimental die beiden Bahnhöfe SBB und Badischer Bahnhof erreichen können, ohne umzusteigen. Aber unser Baudirektor hätte von Anfang an härter verhandeln müssen. Jetzt muss er sich mit dem Hinweis aus der Affäre ziehen, die BLT setze künftig auch Niederflurtrams ein.

In der neusten Medienmitteilung zum Margarethenstich stellt sich der VPOD als Beschützer seines Personals ins Zentrum. Als aber Frauen mit Sexbildli belästigt wurden und BVB-Mitarbeiter wegen Mobbings (offiziell Burn-out) kaltgestellt wurden, da blieb die Stimme des VPOD stumm. Warum eigentlich?Wir sind nie stumm geblieben.

Doch. Es gab kein Communiqué dazu.Wir sind auch nicht gefragt worden. Wir äussern uns primär nur zu Themen, die fürs Personal wichtig sind. So hat der VPOD alle personalrelevanten Dinge durchgefochten, wie den Kleiderstreit, den Lohnstreit, den Streit ums Radiohören in Bussen und so weiter. Darüber zu berichten, war für die Medien nicht so interessant.

Offenbar auch nicht für das BVB-­Personal, das Sie vertreten. Trotz Ihren Anstrengungen haben Sie den wichtigsten Mann eingebüsst: den Personalvertreter im Verwaltungsrat. Und einen Sitz in der Personalkommission.Wir haben den Sitz des Vertreters verloren, der 17 Jahre im Verwaltungsrat war und von daher einen schweren Stand hatte. Es gelang uns nicht, für dieses schwierige Amt einen jüngeren Nachfolger zu finden. Und der Sitz, den wir in der Personalkommission verloren haben, liegt im normalen Schwankungsbereich bei Wahlen. Wer leider verloren hat, ist der Personalverband Städtischer Verkehrsbetriebe, der bei den BVB notabene am meisten Mitglieder hat.

Basler Zeitung

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