Wegen Handy einen Mann tot geprügelt

Ein Slowene und ein Spanier sollen im Juli 2018 am Rheinbord einen Portugiesen mit Schlägen und Fusstritten getötet haben. Nun müssen sie sich vor Gericht verantworten.

Am Rheinufer hinter der Kaserne wurde das Opfer im letzten Sommer tot geprügelt.

Am Rheinufer hinter der Kaserne wurde das Opfer im letzten Sommer tot geprügelt.

(Bild: Dominik Plüss)

Die Meldung erreichte die Polizei am 28. Juli 2018, eine Viertelstunde vor ein Uhr morgens. Vor Ort, auf der Höhe des Kleinen Klingentals, liege ein Mann reglos an der Rheinberme. Die Sanität brachte den Mann in die Notfallstation, wo er keine Stunde später seinen schweren Verletzungen erlag. Die Basler Rechtsmedizin stellte als Todesursache ein Schädel-Hirn-Trauma fest, das so heftig gewesen war, dass das Gehirn die Körperfunktionen nicht mehr hatte steuern können. Zudem stellten die Gerichtsmediziner «zahlreiche Blutungen, Riss-Quetsch-Wunden und Hautabschürfungen im Gesicht und am Kopf» fest. Dies schreibt die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt in ihrer Anklageschrift. Beim Toten handelt es sich um einen 41-jährigen Portugiesen.

Zeugen hatten gesehen, wie das Opfer von zwei Männern verprügelt wurde. Die Polizei leitete gleich nach der Tat eine Fahndung ein. «Kurze Zeit später konnte die Polizei drei Männer festnehmen, die verdächtigt werden, sich an der Auseinandersetzung beteiligt zu haben», schrieb die Staatsanwaltschaft am Morgen des 28. Juli. «Es handelt sich um drei Portugiesen im Alter von 18, 24 und 36 Jahren.»

Der damals 18- und heute 19-Jährige steht ab Dienstag vor dem Strafgericht Basel-Stadt, zusammen mit einem 29-jährigen Slowenen, der erst später, im Zuge von weiteren Ermittlungen, festgenommen werden konnte. Den beiden Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft vorsätzliche Tötung vor.

Den Falschen erwischt?

In der Anklageschrift wird die rohe Gewalt dieser Attacke detailliert beschrieben. Der Slowene wie der Portugiese hielten sich unabhängig voneinander mit Kollegen in der Nähe der Münsterfähre am Rheinufer auf und tranken Bier. Plötzlich setzte sich das spätere Opfer neben den 29-Jährigen und fragte nach Geld. Der Slowene wollte nichts geben, dennoch zog das spätere Opfer erst nach kurzer Zeit weiter. Wenig später bemerkte der 29-Jährige, dass ihm das Handy fehlte – sofort verdächtigte er den 41-Jährigen, der zuvor neben ihm gesessen war. Dieser befand sich zu dieser Zeit bei der Gruppe des 19-jährigen Spaniers, die er vage kannte.

Nachdem der Slowene den mutmasslichen Handydieb eine Weile vergebens gesucht hatte, fand er ihn schliesslich irgendwann zwischen halb eins und viertel vor eins am Unteren Rheinweg 24 auf der Treppe sitzend. Sofort ging der 29-Jährige auf den Portugiesen zu, brüllte ihn an, beschuldigte ihn, ihm sein Handy gestohlen zu haben. «Unvermittelt schlug der korpulent gebaute und dem schmächtigen Opfer körperlich deutlich überlegene Beschuldigte mit der Faust heftig gegen den Kopf» des Opfers, das immer noch auf der Treppe sass. Der Slowene soll das Opfer am Nacken gepackt und es aufgefordert haben, ihm das Handy herauszugeben. «Als das Opfer erneut beteuerte, das Telefon nicht gestohlen zu haben, schlug der Beschuldigte abermals mehrfach und wechselseitig mit der rechten und linken Faust mit massiver Kraft gegen den Kopf.» Das Opfer habe sich nicht wehren können, heisst es.

Komplett wehrloses Opfer

Der damals 18-jährige Spanier, der den Slowenen flüchtig kannte, kam herbeigelaufen und fragte, warum er auf den Portugiesen einschlage. Gemäss Anklageschrift brauchte es wenig, um den Jugendlichen zu überzeugen, dass der Portugiese tatsächlich der Dieb war, jedenfalls schlugen danach beide auf den 41-Jährigen ein. Der Spanier stoppte mit den Prügelattacken auch dann nicht, als der Portugiese reglos auf einer der oberen Treppenstufen lag und der Kopf bereits herunterhing. Nun folgte noch eine Tirade mit Fusstritten.

Die beiden Schläger durchsuchten schliesslich das Opfer und fanden zwei Handys – da das gestohlene aber nicht dabei war, warfen sie die Mobiltelefone achtlos weg.

Für die Staatsanwaltschaft steht ausser Frage: «Mit ihren gezielten, sehr kraftvollen und äusserst brutalen Faustschlägen gegen den hochsensiblen Kopf des sitzenden und komplett wehrlosen» Portugiesen haben der Slowene und der Spanier zumindest in Kauf genommen – sofern sie es nicht absichtlich wollten –, dass das Opfer stirbt.

«Brutale und sinnlose Tat»

Vor Gericht dürfte auch das Verhalten nach der Tat ein Thema sein. Die Staatsanwaltschaft sagt, beide Schläger seien zu ihrer Kollegengruppe zurückgekehrt. Man habe Bier getrunken, sei weiter durch die Strassen gezogen, als wäre nichts gewesen. Der Spanier konnte zwar dann wegen Zeugenaussagen bereits am frühen Morgen festgenommen werden, beim Slowenen dauerte es länger, bis er ermittelt und von der Polizei festgenommen werden konnte.

Offenbar war der 29-Jährige Kokainkonsument. Das Gericht dürfte sich dafür interessieren, wie sehr die Kombination aus Alkohol und Drogen bei dieser «rücksichtslosen, brutalen und komplett sinnlosen Tat» eine Rolle spielte.

Das Urteil ist auf Donnerstag angekündigt. Den Beschuldigten drohen mehrjährige Haftstrafen, besonders dem Slowenen, da er als treibende Kraft hinter dem Gewaltexzess gilt und mehrfach vorbestraft ist. Aber auch dem Spanier droht eine längere unbedingte Haftstrafe.

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