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Während mutmasslich rechte Band aufspielt, prügeln Linke drein

Nach einem Eklat distanziert sich der Basler Kulturbetrieb Parterre One vom Konzertveranstalter. Dieser wehrt sich, dass «Nachtmahr» in die rechte Ecke gestellt wird.

Wehrt sich gegen die Vorwürfe: Nachtmahr Sänger Thomas Rainer.
Wehrt sich gegen die Vorwürfe: Nachtmahr Sänger Thomas Rainer.

Letzten Samstagabend ereigneten sich im Parterre One an der Klybeckstrasse bei der Kaserne wüste Szenen. Laut einer Mitteilung des Parterre One hätten rund 15 Demonstranten der antifaschistischen Bewegung vier Besucher des Konzerts Nachtmahr verprügelt.

Die Polizei bestätigt, dass am Samstagabend im Parterre One kurz vor acht Uhr ein Einsatz stattgefunden habe. «Wir bekamen einen Angriff von mehreren Personen gemeldet. Vor Ort konnten wir allerdings keine Angreifer feststellen und niemanden kontrollieren», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Da die Sanität nicht aufgeboten worden sei, könne davon ausgegangen werden, dass es keine Verletzten gab. Eine Anzeige habe niemand machen wollen, sagt Yerguz.

Bekennerschreiben im Internet

Auf einer einschlägigen linksextremen Webseite ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Dort heisst es, dass die Band Nachtmahr als «umstritten» gelte und der Leadsänger Thomas Rainer eine Nähe zum Rechtsextremismus verleugne. Diese Verleugnung sei aber auf Grund der Songtexte, der Albumcovers und der Konzertauftritte völlig absurd.

Es sei die Rede von «Blut, Stahl, Vaterland, Parasiten und so weiter». Weiter steht auf dem Internetportal, dass die Bandmitglieder am frühen Nachmittag im Kleinbasel unterwegs gewesen und aufgefallen seien. Der Sänger habe ein T-Shirt mit der Aufschrift «Weltmacht oder Niedergang» getragen.

Dieser Slogan sei eines der bekanntesten Alben im sogenannten nationalsozialistischen Blackmetal der Band Totenburg. Ein anderes Bandmitglied habe eine Armbinde getragen, die eindeutig an eine Hakenkreuz-Armbinde erinnere. Die Band Nachtmahr verherrliche Krieg und Gewalt.

Gegen jeglichen Extremismus

Die Verantwortlichen beim Parterre One haben nun reagiert. Wie Marketingleiter Silvan Meyer in der Mitteilung schreibt, distanziere sich das Parterre One «klar und vehement von jeglichen Extremen an beiden Enden des politischen Spektrums». Meyer kritisiert die Verherrlichung von Gewalt und Krieg sowie jegliche Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung.

Organisiert hat das Parterre One das Konzert mit dem Label «Schwarz.Ton». Bisher seien mit diesem Veranstalter aus dem Gothic-Genre sieben Konzertabende im Parterre One organisiert worden. Begleitet worden seien sie vom Verein Förderkreis Kultur- und Sozialprojekte Parterre Basel. Offenbar gab es bis zum letzten Samstag keine Beanstandungen mit «Schwarz.Ton».

Nach Zusatzinformationen während dieser Woche zu der Band Nachtmahr, überprüfe Parterre One allerdings eine weitere Zusammenarbeit mit dem Label. Für die Durchfürung der kommenden und bereits geplanten Veranstaltungen mit «Schwarz.Ton» bestehe momentan keine Garantie.

Label und Sänger widersprechen

Das Label Schwarz.Ton reagiert seinerseits mit einer Medienmitteilung auf den Vorfall. Der für das Konzert verantwortliche Booker, Chris Fuchs, sagt: «Wir als Veranstalter kennen unser Publikum, das sich klar in einer linksorientierten Gesinnung sieht.» Vorfälle von rechten Äusserungen oder Propaganda in Bezug auf die Band Nachtmahr seien ihm nicht bekannt. «Wir würden sie im Keim ersticken und definitiv rechtliche Schritte einleiten», sagt Fuchs. Seit weit mehr als 20-jähriger Arbeit sei ihm ein solcher Vorfall nicht bekannt und nie vorgefallen.

Auch der Sänger der Band, Thomas Rainer, wird in der Mitteilung von «Schwarz.Ton» zitiert. Er sei schockiert von dem Angriff auf die Fans. «Politischer Extremismus ist etwas was wir von woher er auch immer kommt, zutiefst verachten», sagt Rainer. In diversen Songs finde sich ein Standpunkt gegen rechts. So in: «I hate Berlin» oder «Fahnen unserer Väter». Das Lied handle von den österreichischen Fahnen gegen die Nazis.

Nachtmahr präsentieren sich in Sowjetuniform.
Nachtmahr präsentieren sich in Sowjetuniform.

Ein zentrales Thema der Musik von Nachmahr sei der Uniformfetischismus, der in Bühnenoutfits verschiedener Länder und Epochen Niederschlag fände. Die aktuelle Kleidung bestehe aus Stücken, die an die Sowjetarmee angelehnt seien. Das mache den aktuellen Vorwurf noch weniger nachvollziehbar. Rainer: «Antifaschismus ist nur solange gut, wie er sich nicht faschistischer Methoden bedient.»

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