«Von uns gab es keine Drohungen und Druckversuche»

Selim Karatekin, Präsident der Basler Muslimkommission, nimmt zu den vielen Vorwürfen Stellung.

Selim Karatekin vertritt die Fetih-Moschee und präsidiert die Basler Muslimkommission.

Selim Karatekin vertritt die Fetih-Moschee und präsidiert die Basler Muslimkommission.

Serkan Abrecht

Personen aus der Hicret-­Moschee berichten, dass Sie sie bedroht hätten, weil sie aus der Basler Muslimkommission (BMK) austreten wollten. Ihr Vater habe gedroht, den Hicret-Präsidenten beim Abendgebet als «Abtrünnigen» zu denunzieren. Auch das Schreiben an die Presse soll von der BMK selbst und nicht von der Hicret-Moschee verfasst worden sein. Was sagen Sie dazu?
Das sind übertriebene Gerüchte. Mein Vater hatte keinen Kontakt zum Präsidenten der Hicret-Moschee. Das Schreiben stammt vielleicht nicht vom Moschee-Präsidenten selbst, aber wir haben das nicht geschrieben. Ich kann auch nicht sagen, wer es geschrieben hat. Zu den angeblichen Druckversuchen: Das eine Vorstandsmitglied hat ohne Rücksprache mit dem Rest des Vorstands ein Austrittsschreiben an uns verfasst …

… gemäss dem Stadtentwickler Lukas Ott wurde er dort gemeinsam von Mitgliedern der Moschee vor Ort über ihren geplanten Austritt informiert.
Das kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich war dort nicht anwesend. Was ich weiss, ist, dass das Austrittsschreiben ohne Absprache mit dem Vorstand an uns gesendet wurde. Unser Standpunkt ist: Wer austreten will, darf das, muss aber ein formelles Austrittsschreiben einreichen – und nicht einfach eine E-Mail.

Aber wie kommt der Stadtentwickler dazu, zu sagen, dass Sie Druck auf die Moschee ausgeübt haben? Ein Vorwurf, den Mitglieder uns auch zugetragen haben.
Ich glaube, dass der Druck vielmehr in der Moschee selbst stattgefunden hat. Von uns gab es keine Drohungen und Druckversuche.

Aber wieso konstatiert der Stadtentwickler dies?
Das müssen Sie ihn fragen.

Auf die Kritik hat die BMK sehr heftig reagiert. Ihr Mitglied, Yavuz Tasoglu, hat ihm die Kompetenz als Stadtentwickler abgesprochen. Getroffene Hunde bellen. Und Sie bellen momentan sehr laut.
Unsere offizielle Stellungnahme war sachlich. Herr Tasoglu war über die Worte von Ott derart enttäuscht, dass er via Facebook seinem Unmut Luft machte. Im Nachhinein hat er eingesehen, dass es nicht die richtige Art war, wie wir es sonst pflegen.

Aber das war ja nicht der erste Ausfall. Ihr Bruder und ehemaliger Sprecher, Serhad Karatekin, hat in der Vergangenheit auch bereits Kritikern und Journalisten gedroht.
Leider habe ich diese Aussagen von damals nicht nochmals gelesen. Das eine ist: Diese Facebook-Posts wurden auf Türkisch geschrieben. Beim Übersetzen kann es sein, dass Wörter, die im türkischen Sprachgebrauch als normal gelten, auf Deutsch ein wenig brachial klingen. Aber wir haben uns besprochen und uns geeinigt, dass das nicht das richtige Vorgehen sein kann. Sie müssen aber auch sehen, dass die muslimische Community sehr unter Druck steht. Das macht die Situation sehr angespannt. Dennoch: Wir müssen sachlich bleiben.

Die BMK stand auch in der Kritik, weil sie Graue Wölfe, türkische Rechtsextremisten, in ihren Reihen duldet und sich nicht von ihnen distanziert. Wo ziehen Sie die rote Line?
Sie sprechen hier konkret die Mevlana-Moschee an, die es seit 20 Jahren gibt. Die BMK hat sich den liberalen Werten der Schweiz verschrieben. Wenn wir klare rechtsextreme Propaganda wahrnehmen, würden wir uns natürlich dazu äussern und Massnahmen ergreifen. Aber dem ist nicht so.

Aber da mussten Sie schon beide Ohren und Augen ­zudrücken, um die Propaganda der Mevlana zu übersehen.
Meine persönliche Erfahrung zeigt eine andere Wahrnehmung. Das sind ganz normale Basler Bürger, die arbeiten und auch nicht straffällig sind. Die BMK ist dazu da, um den Dialog zu führen. Da ist es doch erst recht richtig, dass wir zu allen Moscheen einen guten Zugang haben.

Der BMK wurde in der Ver­gangenheit oftmals Nähe zur türkischen AKP nachgesagt. Sie waren einst Mitglied der SP, wo man Ihnen auch AKP-Nähe vorwarf. Wo stehen Sie ­politisch?
Es ist sehr schwierig, dies einfach auszudrücken. Grundsätzlich komme ich aus einem apolitischen Haushalt. Wir waren nie in der türkischen oder schweizerischen Politik engagiert. Politisiert wurde ich durch die Geschichte mit der Kasernen-Moschee. Die SP war damals sehr engagiert, weshalb ich mich entschloss, beizutreten. Aber es ist schwierig, mich politisch in ein Links-rechts-Schema einzuordnen. Ich habe viele politische Schnittmengen. Die Vorwürfe, dass ich AKP-nahe bin, stimmen nicht. Ich bin weder Parteimitglied, noch wähle ich in der Türkei. Türkische Politik ist mir zu aggressiv.

Was sagen Sie zu den Vor­würfen von Basler Moscheen, dass Sie zu radikal seien? Ihre Moschee, die Fetih-Moschee, wird vom türkischen Staat unterstützt.
Die Imame kommen aus der Türkei – korrekt. Aber ich kenne ihre politische Ausrichtung nicht. In der Moschee geht es um Religionsvermittlung. Doch ich verstehe, dass wir deshalb unter Verdacht stehen. Aber in der BMK sind 18 Moschee-Vereinigungen vertreten. Die haben alle unterschiedliche politische Meinungen. Die BMK ist neutral.

Stichwort Dialog: Wie geht es weiter mit Lukas Ott?
Unsere Türen stehen offen, und wir sind immer zu Gesprächen bereit, wenn Herr Ott das wünscht.

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