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Von tiefen und hohen Tönen

Der Gewerbeverband Basel-Stadt lud zum Neujahrsempfang. Ein Sopranist sorgte für einen Höhepunkt.

Martin Regenass
Gabriel Barell ist nicht glücklich über die Verkehrspolitik in Basel. Foto: Florian Bärtschiger
Gabriel Barell ist nicht glücklich über die Verkehrspolitik in Basel. Foto: Florian Bärtschiger

Mit Gänsehaut lauschten die 1000 Gäste am Neujahrsempfang des Gewerbeverbands Basel-­Stadt den Tönen des Sängers Bruno de Sá. Schloss man die Augen, stiegen Bilder einer Sängerin hoch. Doch Sá ist ein Mann, ein Sopranist und Teil von «Le Nozze di Figaro» des Basler Theaters.

Die Opernproduktion feiert am 18. Januar Premiere im Theater. Direktor Pavel Jiracek erklärte, dass es weltweit nur eine «Handvoll» Männer gebe, welche diese höchste Tonlage derart professionell und rein singen könnten.

Verkehrspolitik im Fokus

Vor den femininen Tönen des Sängers bekamen die Gewerbetreibenden, Politiker und Leute aus der Wirtschaft jedoch die in tieferen Tönen gehaltene Ansprache von Gabriel Barell präsentiert. Der Gewerbedirektor machte – logischerweise – die beiden Initiativen «Zämme fahre mir besser!» und «Parkieren für alle Verkehrsteilnehmer» zum Thema und sprach über ­Mobilität und Antriebsformen der Zukunft.

Mit den beiden Begehren will der Gewerbeverband das Hickhack in der Verkehrspolitik versachlichen und dem nachweisbaren Abbau von Parkplätzen auf der Allmend einen Riegel vorschieben.

«Auch Basel-Stadt hat eine Mobilitätspolitik ohne ideologische Scheuklappen verdient. Es braucht dringend eine Entkrampfung der Verkehrsdiskussion», sagte Barell. Das gegenseitige Ausspielen der Verkehrs­träger Auto, Velo, Tram sei nicht zeitgemäss und verhindere fortschrittliche Lösungen. Mit diesen Worten schnitt Barell das Thema der künftigen Mobilität an und stellte autonom fahrende Autos, neue Batterietechnologien oder den Wasserstoff als Ersatz von fossilen Brennstoffen in den Mittelpunkt.

Die Lithium-Ionen-Batterien seien sicher nicht der «Weisheit letzter» Schluss, denke man an die Produktionsbedingungen, die Rohstoffknappheit oder die Entsorgung, sagte der Gewerbedirektor.

Auto hat Zukunft

Zu den in Basel-Stadt immer knapper werdenden oberirdischen Parkplätzen sagte Barell: «Gut möglich, dass es mit selbstfahrenden Autos dereinst weniger Parkplätze in den Quartieren braucht.» Heute sei ein ideologisch motivierter Abbau aber fehl am Platz. In einigen Quartieren betrage die Parkplatzauslastung bereits über 100 Prozent.

Die Folge davon: Suchverkehr, mehr Abgase und Gewerbetreibende in Nöten, einen Parkplatz zu finden. Barell zitierte aus der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» und sagte, dass das Zeitalter des Automobils noch nicht zu Ende sei, wie es die rot-grün dominierte Politik in Basel-Stadt gern voraussehen würde.

Eine Spitze von Gewerbeverbandspräsident Marcel Schweizer war gegen den bisherigen SP-Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels gerichtet – auch wenn Schweizer in seiner Rede keinen Namen nannte.

Wessels warf nach Bekanntgabe seines Rücktritts dem ­Gewerbeverband im Radio vor, «reaktionär und inkompetent» zu sein. Schweizer glättete die Wogen allerdings mit den Worten, dass der Gewerbeverband die Zusammenarbeit und den konstruktiven Austausch mit der Regierung sehr schätze. Auch wenn sich Wessels da in den ­Medien anders geäussert habe.

Neben Schweizer und Barell sprach auch Basil Heeb, Chef der Basler Kantonalbank, zum ­Thema Digitalisierung am Arbeitsplatz, bevor die Gäste zum Apéro ins prall gefüllte Theaterfoyer übergingen.

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