Von England abgeschaut

Stadtjäger

Seit 1956 existiert im Kannenfeldpark ein Freilichttheater. Nun soll es etwas aufgefrischt werden.

Das Freilichttheater im westlichen Zipfel des Kannenfeldparks ist wenige Jahre nach der Aufhebung der letzten Gräber entstanden.

Das Freilichttheater im westlichen Zipfel des Kannenfeldparks ist wenige Jahre nach der Aufhebung der letzten Gräber entstanden.

(Bild: Dominik Heitz)

Dominik Heitz

Die Parkecke ist an diesem grau verhangenen Vormittag fast leer. Ab und zu kurvt ein Jogger um die Treppenanlage. Und zwei kleine Blondschöpfe sitzen gerade auf den Stufen, die zur Bühne führen. Sonst aber döst das Freilichttheater im Kannenfeldpark still vor sich hin. Es liegt ja auch etwas versteckt im Parkzipfel, der zum Felix-Platter-Spital weist. Ungenutzt ist diese Arena aber nicht. Immer wieder finden hier Veranstaltungen statt.

«Fast handstreichartig»

Seit 1956 existiert des Theater schon. Vier Jahre zuvor waren die letzten Grabrechte auf diesem ehemaligen Friedhof ausgelaufen, sodass man mit der Umgestaltung des Gottesackers zu einem Park beginnen konnte. Federführend war damals Basels Stadtgärtner Richard Arioli. «Fast handstreichartig» habe er die ­Umgestaltung vorgenommen, sagt Emanuel Trueb, der heutige Leiter der Stadtgärtnerei. «Vor allem sollte für Arioli der Park auch ein Ort der Bildung und Kultur sein; er hatte das in ­England gesehen.»

Eigentlicher Initiant der ­dortigen Freilichttheaterbühne war aber Egon Karter. Der damalige Direktor der Komödie hatte bereits öffentliche Orte wie den Münsterplatz, den Bischofshof und den Rosenfeldpark für sommerliche Freilichtaufführungen genutzt. Nun fragte er den Stadtgärtner, wo sich wohl eine ständige Freilichtbühne einrichten liesse. Arioli fand einen Ort: die westliche Ecke des Kannenfeldparks. Dessen Umgestaltung zum Volkspark war noch in vollem Gange, sodass die Theateranlage ins ordentliche Gartenbudget von 1955/56 aufgenommen werden konnte.

Bei Griechen und Römern abgeschaut

Der Ort war gut gewählt. Denn da das Gelände dort leicht ansteigt, musste nur wenig Erde bewegt werden, um halbkreisförmige, ansteigende Sitzreihen anzulegen, wie man es von antiken griechischen und römischen Theatern her kennt. Vor dieser Publikumsrampe, die 1200 bis 1400 Sitzplätze bietet, wurde eine 400 Quadratmeter grosse Bühne errichtet, die ein ­Orchestergraben vom Zu­schauerraum trennt.

Und links und rechts der Sitzreihen stellte man zur abendlichen Beleuchtung je drei elegante Kandelaber auf. Sie sehen aus wie stilisierte dreistänglige Glockenblumen. Ihre Lampenschirme waren damals in den Farben Rot, Gelb und Blau gehalten. Davon ist heute nichts mehr zu sehen; sie sind alle hellgrau und nicht mehr original.

Doch das soll wieder ändern: Die Stadtgärtnerei wird nach den Sommerferien die Kandelaber restaurieren, die Stangen mit Farbe auffrischen und die Lampenköpfe in den ursprünglichen Zustand versetzen. «Ob wir ­dieselben Lampenschirme noch bekommen wie vor 63 Jahren, kann ich im Moment nicht sagen», äussert sich Thomas Gerspach auf Anfrage der BaZ. «Wohl eher nicht», sagt er, «aber auf alle Fälle werden sie wieder gelb, rot und blau sein.»

«Prachtvoller Rahmen»

In der Woche vor der Eröffnung des neuen Freilichttheaters schrieb die «National-Zeitung» am 26. Juni 1956 über Stadtgärtner Richard Arioli: «Er denkt an Theateraufführungen und Konzerte, sei es von den ständigen Bühnen- und Konzert­institutionen der Stadt oder von Laien. Für Schulaufführungen, womöglich verbunden mit einem Gartenfest – ­warum auch nicht? –, fände sich hier ein prachtvoller Rahmen.»

Arioli dachte und hoffte richtig. Eröffnet wurde das Open-­Air-Theater im Kannenfeldpark mit einer Mozart-Aufführung. Seither ist die Nutzung dieser Bühne bis heute nie abgerissen. Es kam zu Ballett- und Theater­aufführungen, Jodel- und anderen Konzerten. Und die Kirche St. Anton hielt während Jahren Sonntagsgottesdienste ab, sogenannte Feldgottesdienste, an denen manchmal auch der Bischof teilnahm.

Und gerade übermorgen ist wieder ein musikalischer Anlass angekündigt: Die Band Flagstaff wird im Rahmen der «Summersprosse»-Konzert­reihe auf der Bühne rocken.

Basler Zeitung

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