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Vom Rheinischen Hausfrieden und renitenten Hunden

Durch die Rheinterassen in Basel wird nicht das erste Projekt für einen schönen Raum in der Öffentlichkeit verwirklicht.

Den «Nörglern» gegen die Rheinterassen sollte keine Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Den «Nörglern» gegen die Rheinterassen sollte keine Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Dominik Plüss

Neulich bemerkte eine Dame mit Blick auf den maulenden Mr. Brown: «Ja, dafür liebe ich die Dackel, sie sind für alles zuständig.» Das bringt das Wesen dieser Rasse auf den Punkt. Ähnlich verhält es sich offenbar mit dem Mann am Ende der Leine, dem Floss-Kapitän, wie er auch genannt wird. Die BaZ vom 24. 1. 20 berichtete im Zuge des Projektes «Rheinterrassen» am Oberen Rheinweg von «undemokratischen Prozessen» und «Widerstand aus den Reihen der Anwohnerschaft». Den Nörglern, deren Einwände die Leserschaft ja mittlerweile gewohnt sein dürfte, wäre eigentlich keine Aufmerksamkeit zu schenken, wenn nicht am Schluss des Artikels der Kapitän dem Dackel alle Ehre machen und für «zuständig» für die Rheinterrassen erklärt würde. Zitat: «Das Projekt sei auf seinem Mist gewachsen.» Zu «Mist» sagt uns Wikipedia: mit Stroh, Streu vermischte Exkremente bestimmter Haustiere, die als Dünger verwendet werden.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Zuständigkeiten zu klären. Auf das Konto des Wiederholungstäters gehen folgende Projekte: das Floss, vor 20 Jahren am Oberen Rheinweg vertäut. Ein Kulturprojekt, das den schönen öffentlichen Raum der Öffentlichkeit kostenlos öffentlich machen wollte. Folge: die Gründung eines Anwohnervereins mit dem Namen «Rheinischer Hausfrieden», was implizit meinte, das Floss sei eigentlich Hausfriedensbruch. Man zog vor das Verwaltungsgericht, später gar vor das Bundesgericht.

Weiter haben wir ihm den parlamentarischen Anzug zu verdanken, der die Öffnung der Kaserne hin zum Rhein vorsieht. Folge: Verein «Hände weg von unserer Kaserne», endloses Hickhack und Einsprachen mit tatkräftiger Unterstützung der Kantonalen Denkmalpflege und einiger Dudelsäcke.

2015 der Boulevard Rheingasse. Im Zuge der verkehrsfreien Innenstadt ergab sich dadurch für 18 ortsansässige Gastronomiebetriebe die Möglichkeit, die ehemaligen Parkplätze für alle Alters- und Bildungsklassen zu bespielen und dadurch sozialrelevante Begegnungen zu fördern. Folge: keine einzige Einsprache, da die Publikation im Amtsblatt verschlafen wurde, dafür aber heftiger und gehässiger Widerstand mit allen Mitteln, um das Bewilligte doch noch verhindern zu können.

2015 dann die Geburt der «Adväntsgass im Glaibasel», ein etwas anderer Weihnachtsmarkt, mit richtigen Menschen, die lachen, essen und trinken und manchmal sogar singen – Kleinbasel eben. Befeuert wurde die «Adväntsgass» medial durch Feuerschalen, die dann amtlich gelöscht wurden. Begleitet wurde sie von Weihnachtsliedern aus der Anwohnerschaft mit dem Titel «Was, das soll Weihnachten sein?» und behördlichen Auflagen, dass Foodtrucks in Fahrtrichtung zu stehen haben, obwohl es keine Fahrtrichtung mehr gab, oder dass der Markt am Stadtlauf zu schliessen sei, weil die Athleten lieber ohne Publikum laufen.

An all diesen Projekten ist meines Wissens kein einziger Mensch in dieser Stadt gestorben, kein Anwohner hat Landflucht begangen. Im Gegenteil. Warum also dieses Sperrfeuer auf die Rheinterrassen? Die Dunkelmänner des «Rheinischen Hausfriedens» argumentierten in ihrer Staatsrechtsbeschwerde 2003, dass der Regierungsrat 1996 (!) in seinem Legislaturplan «versprochen» habe, zwei schöne Orte in dieser Stadt dem kommerziellen Zugriff, sprich Restaurants, Events und Menschenansammlungen, zu entziehen. Namentlich den Münsterplatz und den Oberen Rheinweg. «Von allen Bäumen dürft ihr essen! Aber nicht vom Baum der Erkenntnis.» Der Erkenntnis vielleicht, dass öffentlicher Raum so heisst, weil er öffentlich ist und allen gehört.

Weil Demokratie altgriechisch Herrschaft des Volkes meint und bedeutet, dass eben alle (!) gemeint sind und alle sich am Rhein aufhalten dürfen, auch wenn das Volk manchmal lästig ist.

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