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Vom Leben und der Fasnacht

An der Vorfasnachtsveranstaltung Ridicule gelingt Helmut Förnbacher der Spagat zwischen Humor und Besinnung. Wie es sich gehört, kam auch die BaZ unter die Räder.

Verstohlene Tränen bereits vor dem Morgenstreich: Die Premiere des 16. Ridicule sorgte am Mittwoch für Gänsehaut.
Verstohlene Tränen bereits vor dem Morgenstreich: Die Premiere des 16. Ridicule sorgte am Mittwoch für Gänsehaut.
zvg

So manch einer würde die Basler wohl für verrückt halten – mitten in der Nacht verschlafen einem Brauch zu verfallen, der fast so alt ist wie die Stadt selbst. Doch wer die monatelange Vorfreude auf die drey scheenschte Dääg kennt, der weiss um die Magie der Fasnacht. Die sorgt dank der Helmut Förnbacher Theater Company bereits einen Monat vor dem Morgenstreich für Herz- und Schenkelklopfer und so manch verstohlene Träne. In einem Medley aus pointierter Kritik am Zeitgeschehen, raffinierten Rahmenstücken, bekannten Märschen und Improvisationen findet das Leben an der Premiere des 16. Ridicule vom vergangenen Mittwoch in all seinen Facetten Platz.

«Die Zeit rast – und du weisst, ein viertes Mal wirst du das Pferdekarussell an der Herbstmesse nicht sehen», sagt Helmut Förnbacher in der zweiten Hälfte einer Vorfasnachtsveranstaltung, die neben musikalischen Höhepunkten von szenischen Programmpunkten lebt. Der Rückblick des Regisseurs auf den Lauf des Lebens sorgt für Gänsehaut. Und das ist nur einer der vielen Momente, in denen das Ensemble den Spagat zwischen Humor und Besinnung meistert. Förnbacher selbst sinniert kurz zuvor als lästernde Balkondame über Skandale in der Region.

Auch die BaZ kommt dran

Tragisches wird komisch und umgekehrt. So werden einem Pärchen beim Grenzübertritt die Abstimmungen der letzten Monate zum Verhängnis. Als Nicht-EU-Bürger können sie sich vor Gebühren kaum retten und schaffen es dann trotz oder gerade wegen ihrer zugeklebten Windschutzscheibe nicht am schadenfreudigen Zollbeamten vorbei – trotz Anti-Rassismus-Kleber. Klischees werden geschickt ausgespielt. Auch die BaZ wird von der Kritik nicht verschont und die Seitenhiebe auf die Basler Politiklandschaft verlaufen mitunter glimpflich.

Dafür kippen andere etwas ins Gegenteil. Über Raser oder Jihadisten lässt sich in diesen Tagen nicht schmunzeln. Dafür umso mehr über den Dialekt des wohl grössten Basler Veloliebhabers und der ÖV-­Ikone, den verregneten Sommer und die Stadtentwicklung samt umstrittenem Roche-Turm. Dabei werden die hitzigen Themen neben der traditionellen Form des Schnitzelbangg vom Comité-Bangg Hanslimaa von Sandra Förnbacher, Viktor Behounek und Hanspeter Stoll durch geschickte Dialoge in Szene gesetzt.

Jazz-Keller ohne Pfeifenkönigin

Auf ein spassiges Wortspiel haben sich auch die Improvisanten eingelassen, und die Gugge gibt eine ihrer Proben zum Besten. Dass dabei nicht nur zimperlich miteinander umgegangen wird, wundert niemanden. Einige schiefe Klänge später geben die gekonnten Solos dem gut besuchten Saal für kurze Zeit den Touch eines Jazz-Kellers. Die Schweizer-Meister-Trommelcrew Pianoforte verwandelt die Bühne zuvor kurzum in ein schottisches Pub und erntet dafür viel Beifall. Auch die kleine Formation an Pfeifern gibt sich nicht mit Gewöhnlichem zufrieden und spielt mal als Wandervögel, mal mit Sturmhaube und stets auf hohem Niveau auf – jedoch ohne die Pfeiferkönigin Carmen von Allmen, wie die BaZ in ihrer Vorschau fälschlicherweise berichtete.

In einem ergreifenden Monolog begibt sich schliesslich auch Ensemble- Mitglied Gisèle Rastberger am Sonntag vor dem Morgenstreich in die gespenstisch leeren Strassen Basels, durchlebt eine hektische Nacht und die wackligen Beine vor dem Morgenstreich. Denn spätestens dann hält niemand mehr die Stadt am Rheinknie für verrückt.

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