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Baselworld beschliesst drastische Massnahmen

Die Baselworld halbiert 2018 die Ausstellerzahl. Die Zukunft der grössten Uhren- und Schmuckmesse ist ungewiss.

Christian Keller
Die fetten Jahre sind vorbei. Die Umwälzungen innerhalb des Sektors sind schneller eingetroffen als erwartet.
Die fetten Jahre sind vorbei. Die Umwälzungen innerhalb des Sektors sind schneller eingetroffen als erwartet.
Keystone

Bei der Baselworld kommt es 2018 zu einem massiven Umbruch – in negativer Hinsicht. Die fetten Jahre sind eindeutig vorbei. Via das SRF-«Regional­journal» gab die börsenkotierte MCH Group gestern Abend bekannt, wie sich der seit Langem angedeutete Abbau konkret gestalten wird. Harte Kürzungen waren zwar erwartet worden. Dennoch ist das Ausmass überraschend wie erschreckend zugleich.

Zählte die grösste Uhren- und Schmuckmesse der Welt bereits in diesem Jahr 200 Aussteller weniger, soll deren Zahl 2018 nochmals deutlich sinken, nämlich um die Hälfte. Vorgesehen sind laut Messeleitung noch 600 bis maximal 700 Aussteller (2016: 1300). Die Messe wird neu noch sechs statt acht Tage dauern. Die bisherige Ausstellungsfläche wird um einen Drittel reduziert. Keine Verwendung mehr finden der oberste Stock des Neubaus, die Halle 4 und 5 sowie die Rundhofhalle. Bei der Standmiete – oft Gegenstand von Kritik – kommt es zu einer Senkung von zehn Prozent.

Branche stark im Umbruch

Gründe für die beschlossenen Re­strukturierungen gebe es zwei, gab das Unternehmen im «Regionaljournal» an. Einerseits befinde sich die Uhrenbranche weltweit in einer schwierigen Situation, die Umsätze seien stark zurückgegangen. Andererseits wirke sich die fortschreitende Digitalisierung negativ auf das Messegeschäft aus. So verkauften die Hersteller ihre Produkte zunehmend über das Internet direkt an die Kunden. Die Entwicklung sei schwer abzuschätzen, die Krise sei noch lange nicht ausgestanden. Und: Die Messeführung mache sich Gedanken, das Konzept grundlegend anzupassen.

Wie stark sich der einstige Goldesel der MCH Group in ein Sorgenkind verwandelt hat, offenbaren in aller Deutlichkeit die Aussagen von Messesprecher Christian Jecker, welcher im «Regionaljournal» die eingeleiteten Massnahmen begründete. Der Kommunikationsprofi strich im Radiointerview zwar zuerst die positiven Aspekte heraus, was sich aber wie Durchhalteparolen anhörte: «Es ist richtig, dass wir uns wesentlich verkleinern, aber wir sind noch immer die grösste Uhren- und Schmuckmesse der Welt. Alle Topaussteller der letzten Jahre in den Segmenten Uhren, Schmuck und Edelsteine werden 2018 wieder nach Basel kommen.»

Bei den Marken, die Basel den Rücken gekehrt hätten – besonders die Abkehr von Dior hatte für Aufsehen gesorgt –, handle es sich nicht um klassische Uhrenhersteller, sondern mehrheitlich um sogenannte «Fashion Brands», die sich anders ausrichten würden.

Jecker machte kein Geheimnis daraus, dass das Management nicht genau weiss respektive abschätzen kann, wie auf die Veränderungen am Markt reagiert werden soll. Ein gewaltiger Umbruch sei im Gang – man sehe sich mit neuen Technologien, geändertem Kundenverhalten und anderen Vertriebsstrukturen konfrontiert. Auf die Frage, ob man diesen Wandel nicht früher hätte erkennen müssen, sagte der Messesprecher: «Im Nachhinein ist man immer klüger. Wir haben im Sommer/Herbst 2015 festgestellt, dass vieles in Bewegung kommt. Seither haben wir uns überlegt, wie es weitergehen könnte. Solche Prozesse, in die auch grosse Firmen involviert sind, gehen aber nicht so schnell voran.» Die Umwälzungen seien schneller und radikaler eingetroffen als erwartet.

Den Entscheid, die Baselworld in ihrer Dimension massiv zu reduzieren, sei abgesprochen, sagte Jecker weiter. Man richte sich auf die Qualität aus. «Dies geschieht auf ausdrücklichen Wunsch der führenden Aussteller. Die Alternative wäre gewesen, auf die breite Masse zu setzen. Dann aber hätten wir die Ansprüche der wichtigsten Kunden nicht zufriedenstellen können.»

Keine Erfolgsgarantie

Ob die angeschlagene Messe mit der Neuausrichtung zurück auf die Erfolgsspur findet, ist nicht garantiert. «Wir wissen im Moment nicht genau, wie die Zukunft aussieht, die Veränderungen am Markt sind noch im Gange. Es ist schwierig zu sagen, wo wir in drei oder fünf Jahren stehen werden.»

Immerhin, wobei auch dies angesichts der erfolgreichen Vergangenheit unfassbar klingt: Jecker geht davon aus, dass die Baselworld in fünf Jahren noch existiert. «Davon bin ich überzeugt, dass es sie dann noch gibt. Oder eine Nachfolgerin der Baselworld, die in einem völlig anderen Konzept daherkommt.»

Ein harter Schlag ist die gestrige Nachricht insbesondere auch für das Gewerbe und die Hotellerie, welche den Ausstellerschwund mit herben Umsatzeinbussen zu spüren bekommen werden. Gewerbeverband wie Regierung waren gestern Abend nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die MCH Group gehört zu 49 Prozent der öffentlichen Hand. 2008 hatten die Basler und Baselbieter Steuerzahler an der Urne eingewilligt, den 430 Millionen Franken teuren Neubau mit 90 Millionen Franken zu unterstützen. Die gesicherte Zukunft der Baselworld war im damaligen Abstimmungskampf einer der Hauptargumente der Kreditbefürworter sowie der Messeleitung gewesen.

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