Völlig losgelöst ...

Der etwas andere Blick auf die Nationalfeier der Baselstädter und die Feier auf dem Schiff Rhystärn.

Schon vor der Abfahrt ist die Stimmung auf dem Schiff Rhystärn ausgelassen. Foto: Kostas Maros

Schon vor der Abfahrt ist die Stimmung auf dem Schiff Rhystärn ausgelassen. Foto: Kostas Maros

Franziska Laur

Die Stadt brodelt schon den ganzen Tag, vibriert, feiert. Die Feuerlöschboote stehen bereit, die Bands bringen sich an allen Ecken und Enden in Formation, am Mühlenberg gleiten Eltern mit ihren Kids johlend die Rutschbahn hinunter, die Menschen sind friedlich, ausgelassen, fröhlich. Immerhin feiern sie ja, wenn auch einen Tag früher, in der Stadt den 728. Geburtstag der Schweiz.

Was ist denn da? Eine Gruppe steht beim Café Spitz, die Menschen lächeln, völlig losgelöst. Es erheben sich Klänge, stemmen sich gegen die brausende Geschäftigkeit des urbanen Lebens, wecken Sehnsüchte der Umstehenden nach den Urgestaden der einfachen Natur, den Bergen. Das Jodlerchörli Wildenstein Bubendorf verzaubert die Zuhörer. Weckt die Freude an diesen Urtönen, entstanden in den Berglandschaften, wo man sich noch durch Zurufe verständigen musste. Desgleichen die Klänge der Alphörner. Die dunklen, melancholischen Töne treffen den Nerv der Städter, sie scheinen im Trubel der beginnenden Feier einen Fels in der Brandung zu finden, bleiben stehen und geben sich hin.

Das Schiff ruft

Wir erheben uns und ziehen weiter. Das Schiff ruft. Schon haben sich auf dem Rhystärn viele Menschen eingefunden, picken aus kalten Apéroplatten und erheben ihr Glas. Mitten unter ihnen Peter Stalder, der Geschäftsführer der Basler Personenschifffahrt AG. Er ist im Element. Der Fluss ist sein Elixier, seine Lebensader, ohne das bewegte Wasser könne er nicht sein, erzählt der Hüne.

Langsam setzt sich das Schiff in Bewegung, taucht in den roten Abendhimmel mit den Schleierwölkchen, verabschiedet sich vom Jubel und Trubel des Ufers. Völlig losgelöst fährt es Richtung Kembs, vorbei am Gelage am Rhein, am dicht besetzten Ufer mit Menschen, die fröhlich winken, die in lichtergeschmückten Buvetten und Buden feiern und trinken, den Bands zuhören und in den Geburtstag der Schweiz hineintanzen.

Vorwärts Richtung Dreiländerbrücke. Auf dem Rundbogen sitzen Vögel. Sind es Möwen? Auch diese haben sich im Raum Basel ihren Platz erobert. Völlig losgelöst von der Erde zieren sie den Brückenbogen, heben sich schwarz ab vom abendsonnengefärbten Himmel im Hintergrund. Vorbei am Dreiländereck, vorbei an den Gestaden der Industrien, der Novartis, der BASF, vorbei am Kieswerk und den Restaurants direkt am Rhein, dem Piste du Rhin im Elsass und dem Jachthafen Weil.

Derweil ist Peter Stalder, gelernter Binnenschiffer, glücklich. Rund 450 Personen sind auf den Rhystärn gekommen, 300 Tickets gingen im Vorverkauf weg, weitere 150 an der Abendkasse.

Die Christoph Merian und auch das dritte Schiff der Personenschifffahrt, das Basler Dybli, sind in die Jahre gekommen. Eine Renovation wäre fällig, doch die dürfte in die Millionen gehen, und Sanierungen müssen mit privaten Geldern finanziert werden. Die Personenschifffahrt erhält zwar pro Jahr 470000 Franken an öffentlichen Geldern, doch diese müssen zwecks Leistungsvereinbarung eingesetzt werden.

Das grosse Finale

Auf die Binnenschiffer-Lehre hat Peter Stalder eine kaufmännische Ausbildung draufgesetzt. Seit einem Jahrzehnt leitet er die Basler Personenschifffahrt und kann so seiner Leidenschaft frönen. Bücherschiff, Weihnachtsschiff, neu auch, dass man des Abends für neun Franken ein Ticket lösen und so lange auf dem Schiff bleiben kann, wie man will: Die Angebote seien beliebt bei der Kundschaft, und er habe noch viel vor, sagt er.

Die Dämmerung hat sich über das Schiff gesenkt, als es vor der Schleuse Kembs kehrt und sich auf den Weg zurück macht. Links und rechts schweigen die Ufer, dicht stehen die Bäume. Langsam taucht es ins geschäftige Treiben ein, beim Hafen ist die Stimmung explosiv, beim St. Johannspark ebenso. Dann verharren die Schiffe, der Rhystärn und die Christoph Merian, schaukeln leise auf dem Wasser, als mit einem Lichterreigen das grosse Feuerwerk beginnt. Die Sterne funkeln, die Farben leuchten, auf dem Schiff ist es ruhig geworden, nur ein leises Ah und Oh entfährt dem einen oder anderen. Eine halbe Stunde dauert das Spektakel, es hätte gut auch etwas kürzer sein dürfen. Irgendwann wiederholt sich der Reigen.

Dann geht es wieder zur Schifflände, wo die Gäste entsteigen und auf dem Boden der Realität landen. Junge Leute sitzen am Boden, leere Bier- und Weinflaschen säumen die Strassen, die einen müssen andere stützen, fast als hätte eine Bombe eingeschlagen, so präsentiert sich das Bild in Basel um ein Uhr morgens.

Doch wie die Polizei meldet, ist die Bundesfeier am Rhein ohne grosse Probleme abgelaufen. Zwar hätten die Mitarbeiter der Polizei sowie von Sanität, Feuerwehr und Rettung mit zahlreichen Hilfeleistungen alle Hände voll zu tun gehabt. Doch dies sei bei Festen mit grossem Publikumsaufmarsch die Norm. Am Abend des 1. August musste die Feuerwehr auch nach Riehen ausrücken, da dort ein Gasgrill Feuer gefangen hatte. Dort war der Sarasinpark zur stimmungsvollen Kulisse für die Bundes­feier geworden.

Basler Zeitung

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