«Urteil hat eine löchrige innere Logik»

Ein Wachtmeister soll einen jugendlichen Eritreer geschlagen haben. Die Beweislage aber ist dünn.

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Mischa Hauswirth

Ein Polizist wurde wegen Gewalt verurteilt. Doch was war wirklich passiert während der Kontrolle? Das Gericht jedenfalls konnte nicht ausschliessen, dass es in den elf Stunden zwischen der Entlassung aus dem Polizeigewahrsam und der Spitalbehandlung zu einem anderen gewalttätigen Zwischenfall gekommen ist, und stellt das Urteil allein auf ein rechtsmedizinisches Gutachten ab. Dieses belegt zwar einen Faustschlag, kann aber nicht beweisen, dass dieser vom Polizisten stammt.

Besonders interessant ist, dass während des gesamten Verfahrens die Glaubwürdigkeit eines jungen Mannes, der als Asylsuchender in der Schweiz lebt, zu viel trinkt, durch aggressives Verhalten aufgefallen und mehrfach polizeilich registriert wurde, höher gewichtet wurde als die eines Polizisten, dessen Aussage in jedem anderen Verfahren reicht, um jemanden schwer zu belasten.

Der Wachtmeister leistet seit über 30 Jahren Dienst bei der Polizei, noch nie ist etwas vorgefallen, er gilt als jemand, der ruhig bleibt und einen kühlen Kopf bewahrt. Und nun plötzlich soll er zugeschlagen haben? Selten habe ich ein Verfahren mitverfolgt, bei dem die innere Logik so löchrig war. Das Gericht hätte auch anders entscheiden und den Polizisten in dubio pro reo freisprechen können. So aber macht es fast den Anschein, als ob die Angst vor einer öffentlichen Empörung hier grösser gewesen sei als die Sorge darum, einen Polizisten zu Unrecht zu verurteilen.

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