Unispital eliminiert Fehlanreize

Das Unispital lockt zwei Orthopäden vom Kantonsspital Baselland nach Basel. Eine neue Struktur soll unnötige Operationen verhindern.

Das Unispital und das Bethesda setzen auf moderne Strukturen und auf die Beseitigung von Fehlanreizen.

Das Unispital und das Bethesda setzen auf moderne Strukturen und auf die Beseitigung von Fehlanreizen.

(Bild: Doris Fanconi)

Joël Hoffmann

Die Verträge waren bereits gekündigt, doch nach dem Nein der Basler zur Spitalfusion spannen das Unispital Basel und das Bethesda-Spital erneut zusammen und bauen gar ihre Kooperation aus. Das Nachsehen hat das Kantonsspital Baselland, dem das Unispital gleich zwei Orthopäden ausspannte.

Seit Jahren stagnieren am Unispital die Fallzahlen in der Orthopädie, während private Akteure zulegen. Tiefe Zahlen sind für die an sich lukrative Orthopädie finanziell betrachtet schlecht, zudem sollten für ein Ausbildungsspital genügend Fälle für die Studierenden und Assistenzärzte vorhanden sein.

Hinzu kommt, dass der Kanton die Schraube anziehen will. Zu viele Anbieter gibt es, und es wird zu viel operiert – statistisch betrachtet offensichtlich auch unnötig. Dem will der Kanton einen Riegel schieben. Will das Ausbildungsspital also seine Orthopädie stärken, dann muss es auf Kooperation setzen.

Was das Unispital und das Bethesda am Freitag bekannt gaben, ist eine Kooperation, die primär nicht auf mehr Fälle setzt, sondern auf moderne Strukturen und auf die Beseitigung von Fehlanreizen. Damit möchte man sich stark positionieren und dafür wappnen, wenn der Kanton strengere Qualitätsregeln einführt. «Wir setzen auf Qualität», verspricht Unispital-Direktor Werner Kübler.

Seit 2012 haben die beiden Häuser eine Kooperation bei der Rückenchirurgie. Nun setzen die beiden Partner das um, was bei der Spitalfusion im grossen Stil auf dem Bruderholz entstehen sollte: Ein Orthopädiezentrum für planbare und ambulante Eingriffe. Das Unispital trennt nun also dieses Geschäft räumlich vom Notfallgeschäft.

Konkret: Planbare und ambulante Eingriffe an Schulter, Ellbogen, Hüfte, Beinen, Fuss, Knie und Sportorthopädie werden künftig am Standort Bethesda durchgeführt.

Höhere Tarife eingeführt

Am Unispital selber bleibt die Traumatologie, also Notfallmedizin für untere und obere Extremitäten. Ferner werden dort Infektionen an den Implantaten behandelt. Hinzu kommen Orthogeriatrie, die klinische Forschung sowie Tumorbehandlungen am Bewegungsapparat.

Die Ärzteteams bleiben belassen wie heute, und anders als bei der Bauchchirurgie wird bei dieser Kooperation keine neue Firma gegründet. Das Bethesda stellt Pflegende und Material, das Unispital stellt die Ärzte. Sie teilen sich quasi die Fallpauschalen, also den Ertrag der Operation. Aufgeschlüsselt: Pflege geht ans Bethesda, das Geld für die Ärzte zum Unispital.

Daran ist pikant, dass bei der Berechnung der Kosten der teurere Tarif des Unispitals angewendet wird, der viel höher ist als der Tarif des Privatspitals. Das dürfte nicht lange so bleiben. Direktor Kübler ist sich dessen bewusst, und er sagt, man sei darauf vorbereitet, wenn der Kanton künftig pro Standort unterschiedliche Tarife verlangt.

Dass man nun mit dem Bethesda statt mit den Baselbietern eine Kooperation eingeht, ist das eine. Das andere ist, dass man dem angeschlagenen Kantonsspital Baselland gleich noch zwei Orthopäden wegschnappt; und zwar aus dem Bereich, in dem die Baselbieter einen guten Ruf haben. Der Knie- und Sportorthopäde Yves Acklin und der Hüftspezialist Karl Stoffel werden das Unispital stärken.

Dennoch betonte Spitaldirektor Kübler explizit, dass man offen sei für eine künftige Kooperation mit den Baselbietern. Das Kantonsspital Baselland wird kommende Woche seine neue Strategie präsentieren, die Baselbieter Regierung wird, je nach Ausgestaltung, im Herbst die neue Strategie verabschieden. Das Unispital will aber nicht so lange warten, sondern jetzt seine Strukturen modernisieren. Mit der neu-alten Kooperation bleibt das Unispital flexibel, es kann das planbare und ambulante Geschäft räumlich vom Notfall trennen und ist so fit für die Zukunft ohne einen neuen Bau. Die Kooperation beginnt Anfang 2020.

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