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Tödliche Havarie wegen Nachlässigkeit des Lotsen

Die Kollision eines Güterschiffs mit einem Messboot wird ab Mittwoch das Strafgericht beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft sieht die Schuld beim Rhein-Lotsen und einem Hafen-Mitarbeiter.

Dieses Messboot wurde von einem Güterschiff gerammt. Zwei Menschen starben bei diesem Unfall.
Dieses Messboot wurde von einem Güterschiff gerammt. Zwei Menschen starben bei diesem Unfall.
Mischa Christen

Wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung müssen sich ein Rhein-Lotse und ein Hafen-Kadermann ab Mittwoch vor dem Basler Strafgericht verantworten. Ihre Nachlässigkeit soll 2012 dazu geführt haben, dass ein Güterschiff ein Messboot überfuhr, wobei zwei Menschen starben.

Das unbeladene belgische Frachtschiff war an einem Freitagmorgen in Basel rheinaufwärts unterwegs, als es um zehn Uhr auf der Höhe der Birs-Mündung das Messboot überfuhr. Der 86-Meter-Frachter drückte das kleine Boot bis an den Rheingrund. Der Bootsführer und der Vermessungsleiter starben; zwei weitere Personen konnten sich retten.

Da man Grossschiffe in Basel wegen nautisch heikler Stellen nur mit Hochrheinpatent steuern darf, war ein Lotse an Bord des Frachters. Laut der Anklageschrift verzichtete der damals 64-jährige Lotse auf einen Aufpasser am Schiffsbug, obwohl vom Steuerhaus aus der hohe Bug bis rund 400 Meter davor die Sicht verdeckte.

Boot vorher gesehen

Der Lotse sah zudem zwar das mit gelbem Blinklicht ausgestattete Messboot von der Wettsteinbrücke aus, rund 1,5 km vor der Unfallstelle. Er hielt es aber bloss für ein kleines Rheintaxi, das normalerweise die Grossschifffahrtsrinne nicht tangiert. So blieb auch die Schiffshupe stumm und unterblieb eine Funk-Warnung.

Der Lotse sei unvorsichtig und unaufmerksam gewesen und habe die Gefahr verkannt, steht in der Anklage. Der Ausguck am Bug wäre hier vorgeschrieben gewesen. Als einen Grund für die Unterlassungen nennt sie, dass der Lotse nichts gewusst habe von den Messungen, die das Hamburger Boot im Auftrag des Basler Tiefbauamtes dort vornahm.

Zweiter Angeklagter ist der damals 60-jährige Bereichsleiter Schifffahrt und Hafen der Schweizerischen Rheinhäfen, der auch nautisch verantwortlich war für jenes Vermessungsprojekt. Er habe weder die Revierzentrale noch die Schleuse noch die Lotsen vorab über die Messfahrten informiert, die auch über die Schifffahrtsrinne führten.

Vorab-Information ausgeblieben

Hätten alle Revier- und Schiffsleute von der möglichen Gefahr gewusst, hätte der Lotse wohl besser aufgepasst, heisst es weiter. Zudem wusste auch die Messboot-Besatzung laut Anklage nichts von der ausgebliebenen Information der Grossschifffahrt. Sonst hätte auch sie besser Acht gegeben und mehr auf den Funk geachtet.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Lotsen in der Anklage «grob pflichtwidrige Unvorsichtigkeit» vor, dem Hafen-Kadermann «pflichtwidrig unvorsichtiges Verhalten». Beide Angeklagten hätten den Tod des 47-jährigen Hamburger Vermessungsexperten und seines 79-jährigen Bootsführers «adäquat kausal verursacht».

Der Bootsführer trieb nach der Kollision bewusstlos im Rhein, bevor er versank und ertrank; seine Leiche wurde Tage später beim Kraftwerk Kembs (F) geborgen. Der Vermessungsexperte wurde im gekenterten Boot eingeklemmt und erst von Polizisten geborgen; er starb tags darauf im Spital.

Der einschlägige Artikel 117 des Strafgesetzbuches nennt als möglichen Strafrahmen für fahrlässige Tötung eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Zu den Privatklägern im Prozess zählen Familien der Verstorbenen sowie die Schiffseigner. Bei einem Schuldspruch ist mit Entschädigungsforderungen zu rechnen.

Verteidiger wollen Freisprüche

Die beiden Verteidiger wollen indes auf Freispruch plädieren, wie sie zur Nachrichtenagentur sda sagten. Der Verteidiger des Lotsen sieht das Verschulden bei der Rheinschifffahrts-Behörde, da diese nicht informiert und dem Kleinboot keine Auflagen gemacht habe. Die Anklage berücksichtige die damalige konkrete Situation zu wenig.

Mitte 2012 herrschte auf dem Rhein Einbahnverkehr wegen des Baus der neuen Eisenbahnbrücke; nur die Schleuse habe dort jeweils Schiffen grünes Licht gegeben. Grundsätzlich müssen gemäss Lotsen-Verteidiger kleine Schiffe grossen ausweichen, da grosse weit weniger beweglich sind, zumal in einer Rinne wie hier und bei Hochwasser wie damals.

Für den Verteidiger des Hafen-Kadermanns steht die Anklage auf wackligen Füssen, da es keine konkrete Rechtsgrundlage gebe, gegen die sein Mandant mit der ihm vorgeworfenen Unterlassung verstossen haben könnte. Eine allgemeine Begründung reiche nicht für einen Schuldspruch. Es gehe nicht um die weitgehend durchreglementierte Grossschifffahrt; das getroffene Schiff sei ein Kleinboot gewesen.

SDA/amu

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