Telebasel löscht sexy Werbespot

Darf man mit Brüsten für Abstimmungen werben? Experten und Politikerinnen haben Zweifel.

Moderatorin Adela Smajic wirbt in einem hautfarbenen Sport-BH mit ganzem Körpereinsatz für die Politik.

Moderatorin Adela Smajic wirbt in einem hautfarbenen Sport-BH mit ganzem Körpereinsatz für die Politik.

Nina Jecker

Sie mögen Brüste? Dann werden Sie Abstimmungen lieben! So ähnlich könnte man den Werbespot von Telebasel zu den Abstimmungen vom Sonntag interpretieren. Im Facebook-Clip ist Adela Smajic zu sehen, Moderatorin und Wetterfee des Senders, vielen auch bekannt als ehemalige Bachelorette, die auf dem Privatsender 3plus unter vielen den richtigen Mann finden wollte.

Die hübsche Frau ist im aktuellen Clip zuerst von hinten zu sehen, steht da in hautfarbenem Sport-BH und hellen Leggins. «Egal, ob Sie gerade Poweryoga oder Fitness machen …», beginnt sie einen Satz. Dann biegt sie sich mit einer raschen Bewegung gekonnt nach hinten in die Yogaposition Brücke und fährt fort: «... Sie können alles zu den Abstimmungen am Sonntag bei uns auf Telebasel erfahren.» Es folgen Informationen dazu, wie und wo die Resultate abrufbar sind.

«Nicht Sexismus, nur Schrott»

Spätestens nach Smajics Positionswechsel haben einige User der jungen Frau wohl nicht mehr so aufmerksam zugehört – ob aus Entzücken oder aus Ärger über das zur Schau gestellte Decolleté. Kritische Stimmen fragten sich in den Sozialen Medien, ob es hier tatsächlich noch um Zersiedelungs-Initiative, Spitalfusion und Steuervorlage gehe. Und verloren dabei ein wenig die Zurückhaltung: «Sexistischekackscheisse», schimpfte eine Watson-Redakteurin auf Twitter. Und bekam von vielen Recht. «Das hat nicht mal mehr was mit Sexismus zu tun, das ist einfach nur Schrott», schrieb ein weiterer User. «Telebasel, ist das wirklich euer Ernst?», «geschmacklos» und «unglaublich», lauteten weitere Tweets

Nackte Haut generiert Aufmerksamkeit, Brüste sowieso. In welchen Fällen sie zu Werbezwecken eingesetzt werden dürfen, ist aber umstritten. Bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission, dem Selbstkontrollorgan der Werbebranche, gehen immer wieder Meldungen wegen Sexismus ein; sie machen rund ein Zehntel aller Beschwerden aus. Bislang hat sich bei der Stelle niemand über den Telebasel-Spot beschwert. Kommissionssprecher Thomas Meier darf denn auch keine Beurteilung desselben vornehmen. Er nennt aber Punkte, die heikel sein könnten. «Der abgebildete Körper sollte nicht nur Blickfang sein, sondern einen Bezug zum beworbenen Produkt haben. Ob das erfüllt ist, könnte man hier sicher diskutieren.» Der Dress an sich sei zwar nicht wahnsinnig freizügig, sagt Meier. Man könne sich aber fragen, ob die Brücken-Pose nicht «too much» sei.

Solche Fragen stellt sich auch Leila Straumann immer wieder. Sie leitet die Abteilung für Gleichstellung des Kantons Basel-Stadt. Im vorliegenden Fall sieht Straumann wenig Zusammenhang zwischen der Botschaft und ihrer Darstellung. «Insofern finde ich sie nicht sehr gehaltvoll.» Der Spot sei aber gemäss der kantonalen Plakatverordnung nicht geschlechterdiskriminierend oder sexistisch, urteilt Straumann.

Smajic nimmts mit Humor

In Basel gibt es ein Verbot sexistischer Werbung, welches auf einen Vorstoss der ehemaligen SP-Präsidentin Brigitte Hollinger zurückgeht. Es verbietet frauen- oder auch männerfeindliche Plakate im öffentlichen Raum. SP-Grossrätin Barbara Heer ist froh um die Regelung. «Werbung auf öffentlichem Grund wird immer von allen gesehen, das gibt ihr mehr Gewicht.» Heer findet Smajics Clip grenzwertig. «Ich fände es sinnvoll, wenn jemand eine Beschwerde bei der Lauterkeitskommission einreichen würde, damit der Fall geprüft wird», sagt sie. Solche Werbung sei nämlich nicht ganz harmlos, sondern verfestige Geschlechterstereotypen. «Die führen dazu, dass Essstörungen immer noch weit verbreitet sind, Schönheitschirurgen sogar Minderjährige operieren und selbst Politikerinnen nach ihrem Aussehen, Häufigkeit des Lachens und ihrem Kleiderstil beurteilt werden.

Ob man das Basler Verbot noch ausdehnen sollte oder gar eine nationale Regelung anzustreben sei, hängt für Heer davon ab, ob Unternehmen aus der öffentlichen Kritik Konsequenzen ziehen. Telebasel hat den Clip noch am Sonntag wieder von Facebook gelöscht. Auch deshalb, weil die Abstimmungen vorbei sind, wie Chefredaktorin Karin Müller auf Anfrage der BaZ schreibt. Damit sei die Sache für Telebasel abgeschlossen.

Smajic selber findet den Clip «absolut gar nicht sexistisch», wie sie gegenüber Nau.ch sagte. Das sei eine normale Yoga-Pose und es gehe darum, zu zeigen, dass Wählen Spass mache. Egal, was man gerade tue. Und die Angegriffene zeigt Humor. Auf die Frage, ob sie denn ihr Outfit nicht dem Anlass hätte anpassen können, meint die oft sehr freizügige Moderatorin: «Kreativer Input. Ein Blazer wär’ mal was Neues für mich.»

Basler Zeitung

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