Team FDP – mehr als nur heisse Luft?

Die Basler Freisinnigen wollen hoch hinaus und haben dazu einen Heissluftballon am Start. Ihre Spitzenkandidaten, Thomas Kessler und Luca Urgese, könnten unterschiedlicher jedoch nicht sein.

Der lebensfrohe Querulant Thomas Kessler blickt den Wahlen gelassen entgegen. Foto: Pino Covino

Der lebensfrohe Querulant Thomas Kessler blickt den Wahlen gelassen entgegen. Foto: Pino Covino

Katrin Hauser

Der FDP ist es ernst. Sie will ihren Nationalratssitz zurückerobern. Dafür haben sich die Basler Freisinnigen nicht nur bereit erklärt, grüne Freigeister wie Thomas Kessler in ihren Reihen aufzunehmen.

Sie greifen mittlerweile auch zu unkonventionellen Medienkonferenzen: Am Donnerstag luden die Nationalratskandidaten ins Sportzentrum Schützenmatte, wo sie mit einem riesigen FDP-Heissluftballon im Hintergrund aufwarteten. So geeint sie vor dem Ballon posieren mögen, so klar werden die Unterschiede der Kandidaten bei der vorgängigen Medienorientierung. Parteipräsident Luca Urgese trifft gerade die letzten Vorbereitungen an den Pressemappen, als Kandidat Thomas Kessler mit ein paar Minuten Verspätung gemächlich herbeischlendert – als wäre er soeben zufällig vorbeigekommen.

Für Vaterschaftsurlaub

Urgese und Kessler: die Spitzenkandidaten, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Während der junge Parteipräsident in Porträts als gewissenhaft und professionell beschrieben wird, geniesst der gut fünfundzwanzig Jahre ältere Thomas Kessler den Ruf eines lebensfrohen Querulanten.

Die Gegensätze finden sich auch auf politischer Ebene wieder. Während Urgese so wenig Sozialstaat wie möglich haben will, ist Kessler da weitaus grosszügiger. Tatsächlich gleicht sein Smartspider eher dem eines sozialliberalen SP- als dem eines FDP-Politikers. Beispielsweise befürwortet Kessler den Vaterschaftsurlaub von vier Wochen, der von der FDP in Bundesbern bachab geschickt wurde. Ein Paradebeispiel dafür, dass der ehemals grüne Zürcher Kantonsrat gesellschaftliche Anliegen vor die Interessen der Wirtschaft stellt? «Nein», antwortet er. «Wohlstand und Gesellschaft gehören zwingend zusammen. Selbstverständlich ist die Gesellschaft jedoch die Grundlage des Menschen, während er die Wirtschaft zum Essen braucht.»

Luca Urgese derweil präsentiert sich wie gewohnt als Politiker im Dienste der freien Marktwirtschaft: Als «liberalster und gewerbefreundlichster Grossrat» liege ihm die Funktion von Basel als Wirtschaftsmotor besonders am Herzen, betont er. Die beiden Spitzenkandidaten scheinen das Wort «liberal» anders zu interpretieren.

Links der Smartspider des gesellschaftsliberalen Thomas Kessler (2019), rechts der des wirtschaftsliberalen Luca Urgese (2016).

Jeder kämpft für sich

Die Freisinnigen geben sich erfrischend ehrlich an diesem Donnerstag. Auf die Frage, ob sie sich gegenseitig als Konkurrenten wahrnehmen würden, antwortete Luca Urgese: «Wir treten zwar als Team an, aber natürlich versucht jeder von uns, seine eigenen Wählerkreise zu erschliessen.» Dies auch innerhalb der eigenen Partei.

Dominique Martin, die als einzige Frau kandidiert, wendet sich an die Jungen. Sie setzt auf das Thema Digitalisierung, warnt vor einer Überregulierung und spricht so nicht zuletzt das Klientel der halb-illegalen Online-Streamer an.

Alt-Grossrat Christian Egeler hat sich dem Dauerbrenner Verkehr angenommen. Er plädiert offen für eine Lenkungsabgabe auf Benzin. Diese neuen, klimafreundlichen Positionen, die teilweise auch mit Verboten einhergehen, seien bei der FDP-Basis breit abgestützt, sagt er.

Ebenfalls kandidieren hätte eigentlich Nadine Gautschi sollen, die nun jedoch für den frei werdenden Sitz von Regierungsrätin Eva Herzog ins Rennen steigt. An ihre Stelle rückt Grossrat Daniel Seiler nach. Als Kommissionspräsident der Gewerbeschule ist ihm insbesondere das duale Bildungssystem wichtig: «Junge Leute mit Berufsschulabschluss sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt.»

Budgettechnisch ist die FDP geradezu bescheiden in diesem Wahlsommer. Mit 120000 Franken liegt sie zwar leicht über dem Betrag der CVP mit 100000 Franken, dafür aber weit unter jenem der SP mit 306000 Franken.

FDP kann nicht abheben

Alle fünf Kandidaten wollen in den Nationalrat. Das diesjährige Motto der FDP ist dementsprechend fordernd: «Basel will.» Und doch wird es am Ende höchstens einer schaffen. So passt auch das Bild des Heissluftballons, der nebst Fahrer und Fotograf nur eine Person transportiert.

Die Luftballonfahrt am Ende der Medienkonferenz ist für alle Anwesenden gratis. Wer jedoch darauf hoffte, mit der FDP über Basel zu gleiten, irrte. Drei Seile sorgen dafür, dass die Freisinnigen nicht die Bodenhaftung verlieren und der Ballon nicht weiter als ein Dutzend Meter Höhe gewinnt. Will die FDP letztlich gar nicht so hoch hinaus, wie sie ankündete? «Doch, doch», versichert Nationalratskandidat Christian Egeler. «Aber wieder einmal sind uns die Regulierungen in die Quere gekommen.» Für einmal seien daran nicht die Linken, sondern die Flugrichtslinien des Euro-Airports schuld.

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