Tägliches Spiel mit dem Unglaublichen

Armand Kurath bringt Studium und Zauberei erfolgreich unter einen Hut. Seit mehr als acht Jahren steht er auf der Bühne – dabei ist er erst 20 Jahre alt.

Der Französischlehrer war nicht begeistert: Armand Kurath übte seine Tricks auch mal heimlich unter dem Tisch.

Der Französischlehrer war nicht begeistert: Armand Kurath übte seine Tricks auch mal heimlich unter dem Tisch.

(Bild: Pino Covino)

Wenn Karten fliegen und Bälle verschwinden, dann ist Zauberer und Illusionist Armand Kurath ganz in seinem Element. Mittlerweile verfügt er über acht Jahre Bühnenerfahrung, ist jedoch gerade mal 20 Jahre alt. Sein Alter tut seinem Können jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil, den Jugend­bonus braucht er definitiv nicht mehr. Mit seinem Charme verkauft er mehr als nur Kartentricks. Mit Worten und guten Fingerfertigkeiten lässt er Illusionen Wirklichkeit werden.

«Wenn ich die Leute fesseln kann und sehe, wie sie einen Moment alles um sich vergessen, finde ich das sehr faszinierend», erklärt Kurath. Dieses Gefühl mache fast ein wenig süchtig. Er gebe den Leuten etwas, das nicht einfach mit Worten beschrieben werden kann. «Mit jedem Trick lade ich die Zuschauer zum Träumen ein.»

Vom Zauberlehrling zum Berater

Dass hinter solchen Träumen aber viel Arbeit und Zeit steckt, versteht sich von selbst. Die Fingerfertigkeiten für komplizierte Kartentricks wollen gelernt sein, immerhin sollen ja nicht mitten im Trick die Karten aus der Hand fallen. «In der Schule war mein Französischlehrer gar nicht begeistert darüber, wenn ich unter dem Tisch Kartentricks geübt habe», erzählt Kurath. Damals habe er seine Karten jeweils vor der Stunde abgeben müssen. Mittlerweile studiert er an der Universität Basel Jura und kann dank vollen, unüberschau­baren Hörsälen zwischendurch ungestört auch mal Kartentricks üben.

Trotz seiner Freude am Zaubern steht für Armand Kurath das Studium ganz klar im Mittelpunkt, und dort sieht er auch seine Zukunft. «Natürlich wäre es schön, mit der Zauberei regelmässig Geld zu verdienen. Aber ich sehe es mehr als Nebenbeschäftigung, die Spass macht.» Auch wenn sich sein fleissiges Visitenkartenverteilen langsam auszahlt, könne er sich nicht vorstellen, sein Leben ausschliesslich auf der Bühne zu verbringen. «Obwohl man mir schon im Schultheater gesagt hat, dass ich eine Rampensau sei», fügt Kurath an.

Um sich seine Zauberei zu finanzieren, arbeitet Kurath neben der Uni als Zauberberater im Zauberlädeli in der Spalenvorstadt. «Schon mit 15 habe ich im Zauberlädeli ausgeholfen und damals halt einfach einen Rabatt aufs Sortiment bekommen.» Mittlerweile unterstützt er die Kunden, wenn sie neue Tricks lernen.

Die Zauberei und die immer häufiger werdenden Aufträge sind Resultat eines unnachgiebig verfolgten Kindertraums. Wie viele hat auch er als Kind einen Zauberkasten besessen. Die wirkliche Faszination fürs Zaubern kam dann aber erst ein paar Jahre später. «Ich war etwa zwölf und habe einem Schulkollegen im Bus dabei zugesehen, wie er einen Kartentrick vorgeführt hat, und gedacht, das kann ich auch.» Und er konnte es noch besser. Gemeinsam mit seinem Vater, der früher selbst auch als Zauberer aufgetreten ist, hat er sich hinter dessen Zauberbücher gesetzt und sich so seine Tricks beigebracht.

Perfektion als Voraussetzung

Dank der Unterstützung seiner Patentante, die als professionelle Sängerin arbeitet, konnte er bald erste ­Auftritte geben und wird seither regelmässig für private Anlässe, Geburtstage und Weihnachtsfeiern gebucht. Sein Alter spiele dabei keine Rolle. «Ich komme ja immer im Anzug an einen Auftritt, das wirkt dann von Anfang an seriös. Die meisten sind eher fasziniert darüber, dass so ein Junger überhaupt ein solches Hobby hat.» Auch sein Umfeld nimmt ihn heute anders wahr als früher. «Als Zauberer bist du in der Schule automatisch der mit dem komischen Hobby.» Mittlerweile nehmen ihn jedoch die meisten ernst und finden seine Zauberei toll.

Auch wenn er neben der Uni nicht mehr ganz so viel Zeit zum Üben hat wie früher, hindert ihn das nicht daran, sein Repertoire stetig zu erweitern. «Wenn ich einen Trick sehe, der mir gefällt und den ich gut mit einer Geschichte verpacken kann, dann nehme ich ihn auf.» Bevor ein Trick jedoch bühnenreif ist, muss Kurath erst vor den kritischen Augen seines Vaters bestehen. «Sobald er den Trick nicht mehr sieht, bin ich bereit!», denn abliefern wolle er nur Perfektion.

Basler Zeitung

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