SVP-Grossrat will Schluss machen

Beat K. Schaller fordert Entfernung der Liebesschlösser am Käppelijoch.

I love you. Auf dem Wahrzeichen der Mittleren Brücke beschwören Paare ihren Liebesbund auf kleinen Schlössern, die sie am Käppelijoch anbringen.

I love you. Auf dem Wahrzeichen der Mittleren Brücke beschwören Paare ihren Liebesbund auf kleinen Schlössern, die sie am Käppelijoch anbringen.

(Bild: Nicole Pont)

«L+D. 4 EVER»: So lautet die mit schwarzem Filzstift aufgetragene und mit einem Herz umrandete Botschaft auf einem der unzähligen Liebesschlösser, die dicht gedrängt an den Gitterstäben des Käppelijochs hängen. Die ehemalige finstere Richtstätte auf der Mittleren Brücke, wo im Mittelalter verurteilte Straftäter gefesselt in den Rhein hinabgelassen und ertränkt wurden, hat sich zu einem warmen Ort für romantisch-kitschige Liebesbekenntnisse gewandelt. Das vor einigen Jahren in ganz Europa aufgekommene Verewigungsphänomen auf berühmten Brücken ist in Basel so beliebt, dass das Käppelijoch inzwischen mit Liebesschlössern komplett «ausgebucht» ist.

Ein Zustand, bei dem SVP-Grossrat Beat K. Schaller keinerlei Schmetterlinge im Bauch verspürt. Der Lokalpolitiker stört sich daran, wie ein häufig fotografiertes Wahrzeichen Basels so stark «verunstaltet» wird, dass man sein Inneres gar nicht mehr einsehen könne. In einem Vorstoss fordert er von der Regierung, die kleine Kapelle wieder «in alter Schönheit» erstrahlen zu lassen. Die Schlösser gehörten weg.

«In meinem Umfeld wurde ich immer wieder auf die unschöne Situation beim Käppelijoch angesprochen. Der Ärger ist gross. Ich kenne wirklich niemanden, dem der jetzige Anblick gefällt», sagt Schaller.

Bereits vor fünf Jahren, als der Trend seinen Anfang nahm, war Grossrat Eric Weber mit demselben Anliegen an den Regierungsrat herangetreten. Handlungsbedarf sah dieser damals nicht: «Die im Bereich des Käppelijochs angebrachten Schlösser wurden bislang toleriert, da es sich lediglich um wenige Schlösser handelt. Wir behalten uns vor, die Schlösser zu entfernen», hiess es 2013 im Antwortschreiben an Weber.

Für Schaller ist die Notwendigkeit einer behördlichen Intervention nun gegeben. Schliesslich sei das Gitter «bis auf den letzten möglichen Platz» mit einem Schloss verhängt. «Früher gab es beim Käppelijoch Blumengestecke. Zu dieser Tradition sollte die Stadt zurückkehren. Das scheint mir auch aus touristischer Sicht attraktiver.»

Andernorts, namentlich in der Stadt der Liebe, wurde bereits durchgegriffen. 2016 entschied die Pariser Verwaltung, sämtliche Liebesschlösser von ihren Brücken zu verbannen. Als Begründung nannten die Verantwortlichen die tonnenschwere Belastung, welche die Statik der alten Konstruktionen gefährdeten. Alleine die Fussgängerbrücke Ponts des Arts wurde von 45 Tonnen Schlössern «befreit.»

Einsturzgefahr wie in Paris dürfte bei der Mittleren Brücke zwar nicht bestehen. Schaller sieht aber ein anderes Problem: Die Schlüssel der Liebesschlösser würden häufig in den Rhein geworfen, «was aus ökologischer Sicht auch nicht gerade optimal ist».

Das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) verzichtete auf eine Stellungnahme, da man der Beantwortung des politischen Vorstosses «nicht vorgreifen» wolle. An der bisherigen toleranten Haltung dürfte sich aber kaum etwas geändert haben. Vor zwei Jahren erklärte das BVD auf eine entsprechende Journalisten-Anfrage, weder habe das Eisengitter Schaden genommen, noch bestünden Statikprobleme. Unaufgeregt fallen auch die Rückmeldungen von Heimatschutz und Tourismus Basel aus. Die Liebesschlösser würden weder stören noch schmerzhaft fehlen, sollten sie dereinst verschwinden.

Übrigens: Das Schloss als Symbol für die Festigkeit der Liebe wurzelt in einem mittelalterlichen Gedicht eines anonymen Verfassers. Es lautet so:

Du bist mein, ich bin dein,

dessen sollst du gewiss sein.

Du bist beschlossen

in meinem Herzen, verloren ist das

Schlüsselein:

du musst auch immer darinnen

sein.

Basler Zeitung

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