Streikverbot für Schüler

Wer schwänzt, wird bestraft: Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer kündigt Sanktionen an für Schüler, die am Freitag am Klimastreik teilnehmen.

Schüler wollen am kommenden Freitag erneut demonstrieren und dafür die Schule schwänzen.

Schüler wollen am kommenden Freitag erneut demonstrieren und dafür die Schule schwänzen.

(Bild: Lucia Hunziker)

Die Whatsapp-Gruppe nennt sich «Menschen für Klima BS/BL» und hat schon vor Tagen einen digitalen Kettenbrief verschickt. In diesem wird aufgerufen, sich am 18. Januar mit den streikenden Schülern zu solidarisieren und ebenfalls an der Klima-Demo mitzumachen. «Viele Grosseltern, Eltern und Freunde wollen mit den Schülerinnen und Schülern für einen enkeltauglichen Planeten protestieren und so der Politik zeigen, dass die Menschen in der Schweiz eine greifende Klimapolitik fordern.» In der Nachricht wird sugeriert, es würden viele Schüler dem Aufruf folgen und an den Demonstrationen teilnehmen.

Wer alles diesen Aufruf gelesen hat, ist unklar. Ebensowenig, wer ihm alles folgen leisten wird. Die Whatsappgruppe zählt etwas über 220 Mitgliedern. In den Schulen und den Klassenchats wird unter den Schülern heftig diskutiert, ob sie an der Demonstration am Freitag mitmarschieren sollen. Viele würden gerne gehen – Klimaschutz ist bei den Jugendlichen ein wichtiges Thema. Zögern lässt sie hingegen die angedrohten Konsequenzen. Einige Lehrer sollen ihren Schülern unmissverständlich klar gemacht haben, dass ein Fehlbleiben zu einem Absenzeintrag führen wird.

Streik definiert sich über Widerstand

Erziehungsdirektor Conradin Cramer bestätigt auf Anfrage den Umgang mit Streikschülern. «Wir haben grosse Sympathien für das Anliegen und behandeln schon jetzt den Klimaschutz auf sämtlichen Schulstufen. Gleichzeitig werden wir die Absenzenverordnung nicht anpassen», sagt Cramer. «Wer während der Unterrichtszeit für seine Anliegen demonstriert, muss eine unbegründete Absenz in Kauf nehmen.»

Die Schule würde da alle gleich behandeln. «Wenn wir von dieser Linie abweichen, kommen das nächste Mal Gruppierungen auf uns zu, die uns nicht so sympathisch sind und fordern die gleiche Behandlung und das geht nicht.»

Ausserdem definiere sich ein Streik immer über Widerstand, sagt Cramer. Deshalb ist er der Meinung, dass es gar nicht im Interesse der Wirkung des «Streiks» wäre, wenn die Schule diesen offiziell genehmigen würde.

Greta Thunbergs Ruf

Zum Streiken aufgerufen hat auch die Gruppe «Klimastreik Schweiz», die bereits den Klimastreik im Dezember vor dem Ratshaus organisiert hat – damals kamen rund 1500 Schülerinnen und Schüler. Die Idee des Klimastreikes in den Schulen geht zurück auf einen Aufruf der 16-jährigen schwedischen Schülerin und Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie forderte ihre Generation auf, sich für das Klima einzusetzen. Denn was nützt Schule, wenn es keine Zukunft mehr gibt, so ihr Slogan.

Die Gruppe Klimastreik Schweiz erwartet morgen Freitag eine höhere Streikbeteiligung als noch im Dezember und geht von 6000 Teilnehmenden in 15 Schweizer Städten aus. «Die Politik handelt nicht, also handeln wir», heisst es.

Zitiert wird in dieser Mitteilung eine 18-jährige Severin aus Luzern, die angeblich zum ersten Mal an einem Streik teilnehmen möchte und deshalb werbewirksam erklärt, warum sie hingehen will. «Unsere Politik ist massgeblich mitverantwortlich an der Klimakatastrophe und das will ich ihr klar machen. Sie ist somit auch mitverantwortlich dafür, dass jetzt so viele junge Menschen für eine vertretbare Klimapolitik auf die Strasse gehen müssen.»

Basler Zeitung

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