Streikt ihr lieben Frauen, aber bitte in der Freizeit!

Die Universität Basel fordert ihre Mitarbeiterinnen auf, am Frauenstreik teilzunehmen. Aber nur wenn sie nicht arbeiten müssen.

Früher streikten die Frauen nicht in ihrer Freizeit.

Früher streikten die Frauen nicht in ihrer Freizeit.

(Bild: Keystone Michael Kupferschmidt)

Dina Sambar

«Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter». Der Brief der Basler Universitätsleitung beginnt mit einer geschlechtergerechten Formulierung. Das war zu erwarten. Schliesslich hat die Uni ja auch eine eigene Diversity Abteilung, eine eigene Gleichstellungskommission und den Fachbereich Gender Studies.

Auf der Homepage können Unsichere sogar nach den richtigen Formulierungen suchen. Denn geschlechtergerechte Texte, so steht dort geschrieben, «stellen die Gleichstellung von Frau und Mann in der Sprache sicher und unterstützen somit Veränderungen zur tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen.»

«Grundversorgung» muss gewährleistet werden

Die Unileitung teilt ihren lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter also mit, dass am 14. Juni der Frauenstreik stattfindet. Sie informiert über die geplanten Aktionen und Aktivitäten an jenem Tag und erwähnt auch die Demo, für die die Frauen dazu aufgerufen werden, spätestens um ca. 15:30 Uhr die Arbeit zu beenden. Nach dem Motto: Wir hören 20 Prozent früher als sonst mit der Arbeit auf, weil Frauen im Durchschnitt immer noch 20 Prozent weniger Lohn bekommen.

Die Uni hat offensichtlich Sympathie für das Ansinnen, schreibt sie doch: «Aus Sicht des Rektorats der Universität Basel wird mit dem Frauenstreik der Fokus auf ein zentrales gesellschaftspolitisches Thema gelenkt.» Und weiter: «Den Mitarbeiterinnen soll daher – falls gewünscht – im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten eine Teilnahme ermöglicht werden, wobei die Grundversorgung stets aufrechtzuerhalten ist.» Man wende so die gleiche Regelung an wie der Kanton Basel-Stadt.

Dürfen die Männer auch streiken?

Ein entgegenkommendes Angebot – ausser für die Männer: Das männliche Wort «Mitarbeiter» ist nach der geschlechtergerechten Anrede plötzlich verschwunden. Wobei: Welcher Betrieb gibt seinen Angestellten nicht frei, wenn diese es wünschen und der Betrieb trotzdem gut funktioniert? Wir lassen es dennoch gelten.

Das Angebot ist ermunternd – wäre da nicht dieser eine, kurze Satz ganz am Ende des Schreibens: «Eine Teilnahme am ‹Frauenstreik 2019› hat ausserhalb der Arbeitszeit zu erfolgen.»

Wie soll das gehen, liebes Rektorat? Ein Streik ist eine kollektive Niederlegung der Arbeit. Um ein Ziel zu erreichen, wird bewusst die Arbeitspflicht verletzt. Das kann man schlicht und einfach nur während der Arbeitszeit. Ganz besonders in diesem Fall. Wie sollen die Frauen in ihrer Freizeit 20 Prozent früher mit der Arbeit aufhören, um auf die Lohnungleichheit aufmerksam zu machen? Es scheint, als habe die Uni das Konzept dieses Streiks nicht wirklich erfasst. Ein klarer Fall für die hauseigene Gleichstellungskommission. Oder doch lieber für die Diversity Abteilung?

Basler Zeitung

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