Vorwurf der Homophobie

Die Basler Gay-Szene fordert die Absage des Konzerts des Reggae-Sängers Capleton. Dieser rief in früheren Texten zum Mord an Schwulen auf.

Axel Schubert, Sprecher der «habs», erklärt, warum er gegen den Capleton-Auftritt ist.

Am 6. November tritt der jamaikanische Reggae- und Dancehall- Sänger Capleton in der Kaserne auf. Derselbe veröffentlichte bis vor wenigen Jahren Tracks, die hiessen: «Bun Out Di Chi Chi» oder «Hang Dem Up». Sogenannte «Battyman Tunes», in denen Gewalt gegen Homosexuelle (Chi Chi Man oder Battyman im jamaikanischen Patois) gefeiert wurde.

Mit latenter bis offensiver Homophobie in jamaikanischen Reggae-Songs haben Europas Konzertveranstalter ein Problem. Kommen Sänger wie Capleton, Elephant Man, Bounty Killer oder Beenie Man nach Europa, laufen homosexuelle Oganisationen Sturm. Mehrere Konzerte wurden schon abgesagt, ein Sänger – Sizzla – erhielt wegen Volksverhetzung Einreiseverbot in den Schengen- Raum.

Seither lassen Veranstalter nur noch Sänger auftreten, die den sogenannten «Reggae Compassionate Act» unterzeichnet haben – ein Dokument verschiedener homosexueller Organisationen, dessen Unterzeichner sich dem Verzicht auf homophobe Songs verpflichten. Capleton, der seine früheren Aufrufe zur Schwulenverbrennung «metaphorisch», als spirituelle Reinigung, verstanden haben will, hat den Act unterzeichnet. Und hält sich erfahrungsgemäss auch daran.

Dialog

Dennoch fordert Axel Schubert, Sprecher der homosexuellen Arbeitsgruppe Basel (Habs), in einem offenen Brief an die Kaserne die Absage des Konzertes. Schubert begrüsst, dass Capleton seine homophoben Tracks nicht mehr spielt. Aber: «Er hat als Star in Jamaika mit seinen Texten zum homophoben Klima beigetragen. Nun wäre es angebracht, seinen Ruhm für die Verurteilung von Homophobie zu nutzen.» Weil die Habs trotz ihrer Forderung nicht an eine Konzertabsage seitens der Kaserne glaubt, überlegt sie sich nun mit einer Kundgebung aktiv zu sein.

Kaserne-Musikchefin Laurence Desarzens kennt die homophoben Zwischentöne jamaikanischer Sänger schon aus der Zeit, als sie noch in der Roten Fabrik in Zürich Konzerte veranstaltete. «Soll man diese Konzerte veranstalten, oder soll man nicht? Es gibt keine eindeutige Antwort. Ich finde: Ja. Aber nur, wenn man neben dem Konzert auch die Kontroverse aufgreift.» Einen Tag nach dem Konzert wird in der Kaserne eine Podiumsdiskussion zum Thema «Popculture breaking the rules » stattfinden, an dem auch Capleton ein Thema sein wird. «Mit der lokalen Gay-Szene bin ich im Gespräch, um sie am Podium dabei zu haben.»

Rassismus

Nach dem Konzert von Capleton legt der Basler DJ Lukee Lava seine Platten auf. Wyniger, seit 15 Jahren als Reggae- DJ aktiv und mehrmals durch Jamaika gereist, verteidigt die Haltung der Kaserne. «Man muss den Kontext betrachten. Wir gebildeten Mittelklasse-Europäer verstehen die Umstände in einem Drittweltland wie Jamaika nicht.» Dort grassiere leider Homophobie, das sei richtig, aber deswegen einem jamaikanischen Musiker die Einreise zu verweigern «grenzt an Rassismus», sagt Wyniger. «Es bringt mehr, die Sänger einzuladen und ihnen zu demonstrieren, dass Gesellschaften gerade auch mit der Integration von Homosexuellen lebensfähig sind.»

Für Axel Schubert von der Habs sind dies Scheinargumente. «Fakt ist, dass es sich um Sänger mit homophoben Texten handelt. Damit habe ich ein Problem.»

Basler Zeitung

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