Staatsanwaltschaft stellt Untersuchungen ein

Der Verdacht auf illegale Organentnahme im Basler Universitätsspital hat sich nicht erhärtet.

Die Abklärungen im Rahmen eines Strafverfahrens sowie das forensische Abschlussgutachten des Instituts für Rechtsmedizin Basel-Stadt haben keine Hinweise auf eine Organentnahme ergeben.

Die Abklärungen im Rahmen eines Strafverfahrens sowie das forensische Abschlussgutachten des Instituts für Rechtsmedizin Basel-Stadt haben keine Hinweise auf eine Organentnahme ergeben.

(Bild: Keystone)

Mischa Hauswirth

Am 6. August 2017 lieferte ein deutscher Rettungswagen einen 20-jährigen Deutschen in die Notfallstation des Universitätsspitals Basel (USB) ein, wo ein Arzt den Tod des Mannes feststellte. Eine deutsche Notärztin hatte den 20-Jährigen zuvor in Deutschland massiv verletzt vorgefunden und reanimiert; die Polizei untersuchte den Hintergrund der Verletzungen und ging von einem Gewaltdelikt aus.

Aufgrund eines Eintrages der Kriminalpolizei in Bad Säckingen vom 7. August 2017 äusserte die Mutter des Verstorbenen den Verdacht, es könnte zu einer nicht erlaubten Organentnahme gekommen sein. In Polizeiprotokollen hiess es über den 20-Jährigen: «Mit dem Rettungswagen sei er in die Uniklinik Basel verbracht worden, da dort eine Organentnahme geplant gewesen sei.» Und: «Eine zunächst geplante Organentnahme konnte nicht mehr durchgeführt werden, da der Kreislauf des Patienten zu lange stillgestanden hatte. Die Beschlagnahme des Leichnams wurde nach Kenntnisnahme der geplanten Organentnahme zeitnah ausgesprochen.»

Strafanzeige wegen Störung des Totenfriedens

Im Raum stand der Verdacht, jemand könnte dem jungen Mann Organe entnommen haben, obwohl die Familie keine Einwilligung gegeben und der Verstorbene keinen Organspenderausweis hatte. Der Anwalt der Mutter reichte darauf eine Strafanzeige wegen Störung des Totenfriedens ein und die deutschen Ermittlungsbehörden ersuchten um Rechtshilfe. «Da die Todesursache nicht geklärt war, ersuchte die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen/D am 07.08.2017 die Staatsanwaltschaft in Basel, die Todesursache abzuklären. In der Folge wurde durch die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt eine Obduktion angeordnet und durch das Institut für Rechtsmedizin durchgeführt», so die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.

Die BaZ hat das USB im Vorfeld der Berichterstattung, kurz vor Weihnachten 2017, vom Stand der Recherche und den erhobenen Vorwürfen unterrichtet und um eine Einschätzung gebeten – es war zu diesem Zeitpunkt völlig offen, ob das USB überhaupt von den Vorwürfen wusste und ob es möglicherweise selber Opfer einer Person geworden ist, die sich nicht an die Unternehmensregeln bezüglich Organentnahme gehalten hatte. Das USB hat über Sprecher Martin Jordan damals geantwortet: «Das Universitätsspital Basel hat keine Kenntnis von einer Untersuchung der Basler Staatsanwaltschaft im von Ihnen geschilderten Fall.»

Ermittlungsverfahren lief bereits

Die Staatsanwaltschaft hatte aber zu diesem Zeitpunkt bereits bestätigt, dass «seit längerem» ein Ermittlungsverfahren laufe. Ausserdem schrieb das USB in einer Medienmitteilung, die Vorwürfe der Basler Zeitung seien aus der Luft gegriffen und als Grundlage hätten dem Journalisten einzig Vermutungen und Anschuldigungen der Mutter des Verstorbenen gedient.

Am vergangenen Mittwoch nun hat die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt bekannt gegeben, dass die Abklärungen im Rahmen eines Strafverfahrens sowie das forensische Abschlussgutachten des Instituts für Rechtsmedizin Basel-Stadt keine Hinweise auf eine Organentnahme ergeben hätten und somit der der Totenfrieden nie gestört gewesen sei. Deshalb haben die Untersuchungsbehörden den Fall eingestellt.

Basler Zeitung

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