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Sohn des «Rebhaus»-Wirts ausgewiesen

Die Kleinbasler Ehrengesellschaft unterstützt Vater Ömer Durmaz.

Fleissig, integriert, anerkannt. Gastronom Ömer Durmaz (im Bild) und sein Sohn Hasan werden von den Gästen hoch geschätzt.
Fleissig, integriert, anerkannt. Gastronom Ömer Durmaz (im Bild) und sein Sohn Hasan werden von den Gästen hoch geschätzt.
Florian Bärtschiger

Der «Rebhaus»-Wirt Ömer Durmaz ist verzweifelt. Sein Sohn, Hasan Basri Durmaz, der ihn in den letzten sechs Jahren bei der Arbeit unterstützt hat, musste die Schweiz verlassen. Zudem erhielt der 24-jährige Kurde für die nächsten vier Jahre ein Einreiseverbot für den gesamten Schengen-Raum.

Ein Entscheid, der bei der Ehrengesellschaft zum Rebhaus für Kopfschütteln sorgt. Die Gesellschaftsbrüder haben sogar eine Arbeitsgruppe gebildet, mit dem Ziel, erneut eine Aufenthaltsbewilligung für Durmaz’ Sohn zu erlangen. Ohne Erfolg allerdings. «Hasan hat es verdient, in der Schweiz leben zu dürfen. Er ist integriert, spricht mittlerweile sehr gut Deutsch, hat anständige Umgangsformen und arbeitete», sagt Rebhaus-Meister Peter Stalder.

Ömer Durmaz, der neben dem «Rebhaus» auch die «Riehentorhalle» führt, braucht seinen Sohn nicht nur in seinen beiden Betrieben, er fürchtet auch um dessen Sicherheit, wenn er zurück in die Türkei muss: «Er hat in der Heimat das Militär verweigert. Geht er zurück, wird er eingezogen. Bei den aktuellen Konflikten ist das sehr gefährlich. Er ist mein einziger Sohn; ich will nicht, dass er im Krieg stirbt.» Dass sein Sohn Kurde ist, mache die Lage für ihn in der Türkei noch verzwickter.

Die falsche Nationalität

Doch weshalb musste Hasan Durmaz, Sohn des eingebürgerten Ömer Durmaz, die Schweiz verlassen? Als Hasan sich in der Türkei dem militärdienstpflichtigen Alter näherte, zog er nach Schweden, wo er eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Als sein Vater Ömer 2008 in Basel sein zweites Restaurant, das «Rebhaus», übernahm, wollte er seinen Sohn zur Unterstützung zu sich nach Basel holen. 2011 stellte Hasan, der mittlerweile bei einem Cousin des Vaters in Weil am Rhein wohnte, ein Gesuch für eine Grenzgängerbewilligung. «Weil mein Sohn damals noch nicht gut Deutsch sprach, hat ihm ein Schweizer Freund geholfen, das Formular auszufüllen», erzählt der Vater. Dabei sei es zu einem fatalen Fehler gekommen. «Weil Hasan eine aus Schweden stammende ‹Identitetskort› hatte, dachte der Freund, dass er Schwede ist, und hat das so auf das Formular geschrieben», sagt Durmaz. Bei der «Identitetskort» habe es sich aber um jene Identifikationskarte gehandelt, die auch Ausländer beantragen können.

Der besagte Schweizer Freund ist Werner Blatter, seines Zeichens Journalist und Rebhaus-Bruder. Er bestätigt, dass er Hasan bei der Erlangung der Grenzgängerbewilligung geholfen und auch das Formular ausgefüllt hat. «Ich habe Schweden hingeschrieben, weil er eine schwedische ID hatte», so Blatter.

Fehler wurde gemeldet

Als die Bewilligung eintraf, stellte Ömer Durmaz den Fehler fest und sandte das Dokument mit dem Vermerk, dass Hasan Türke und nicht Schwede sei, zurück. Diese Intervention wird auch in einem späteren Gerichtsurteil bestätigt. «Ich habe vom Amt seither nichts mehr gehört und dachte, die Sache sei erledigt», so Durmaz.

Ein Jahr später beantragte Hasan eine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz. Wieder füllte er das Formular nicht selber aus, wieder legte er die schwedische «Identitetskort» bei und wieder stand darin fälschlicherweise, dass er Schwede sei. Er erhielt eine EU/Efta-Aufenthaltsbewilligung, auf die er als türkischer Staatsangehöriger kein Anrecht hätte. Hasan arbeitete weiter bei seinem Vater, machte den Führerschein, bezahlte Krankenkassen­prämien, AHV, Pensionskassenbeiträge und Steuern.

Allerdings stellte das Migrationsamt in der Folge fest, dass Hasan kein schwedischer Staatsbürger ist. Die Aufenthaltsbewilligung wurde widerrufen und Hasan ausgewiesen. Er habe sich den Aufenthalt in der Schweiz erschlichen. Falsche Angaben eines Vertreters habe er sich selber anzulasten. Ömer Durmaz kann das Urteil, das bis vor Bundesgericht gezogen und bestätigt wurde, nicht verstehen: «Wenn wir schwindeln wollten, hätten wir nicht das richtige Formular für Drittstaaten verwendet. Und vor allem hätte ich das Amt damals nicht über den Fehler informiert.»

Keine Hilfe fruchtet

Werner Blatter findet das Urteil unverhältnismässig. Zwar fühlt er sich schlecht, weil er in die ganze Sache verwickelt wurde, doch er würde Hasan, wenn er könnte, weiterhin helfen: «Der Junge war ein netter, loyaler und guter Gastgeber. Es ist schlimm, dass viele, die nicht arbeiten, hierbleiben dürfen, und er, der sich ordentlich verhielt und Steuern bezahlte, gehen musste.»

Ähnlich sieht es Rebhaus-Meister und Geschäftsführer der Gesellschaftshaus zum Rebhaus AG, Peter Stalder. «Das ist ein typisches Beispiel. Einer, der einen kleinen Fehler macht, kommt an die Kasse, obwohl er sich sonst tadellos integriert hat. Andere, die viel weniger zur Gesellschaft beitragen oder ihr sogar schaden, dürfen bleiben.» In einem Brief an das Migrationsamt hat Stalder die gute Integration des Jungen herausgestrichen, was allerdings nichts bewirkte.

Ömer Durmaz ist so beliebt, dass er ad hoc für die BaZ mehrere Gäste fand, die ein Papier mit Namen, Adresse und Telefonnummer unterschrieben, auf dem steht: «Ich stehe hinter Hasan.» Das war aufgrund seiner Nationalität nicht immer so. Als er die «Riehentorhalle» übernahm, gab es viele Gäste, die das Restaurant boykottierten. Und auch als die Ehrengesellschaft zum Rebhaus ihn ins «Rebhaus» holte, gab es anfangs viele kritische Stimmen. «Es hiess, wir wollen keinen Türken», erinnert sich Durmaz.

Doch das Blatt hat sich gewendet. «Fast alle haben ihre Meinung geändert. Auch bei den Rebhäuslern ist er sehr beliebt», sagt Blatter. Dazu habe auch Hasans sympathisches Wesen beigetragen. Bei einem Besuch im «Rebhaus» spricht ein weiblicher Stammgast von einer «himmeltraurigen» Situation. Hier werde ein Leben zerstört. Auch sie habe erfolglos versucht, der Familie Durmaz zu helfen.

Nachdem auch das Bundesgericht die Einreisesperre bestätigt hat, weiss Ömer Durmaz nicht mehr weiter: «Ich bin Schweizer, ich bezahle 60 000 Franken Steuern im Jahr und ich darf meinen Sohn nicht zu mir holen, damit er in Zukunft meine Geschäfte weiterführt?» Diese Ablehnung tue weh, zumal Hasan ihn nicht mal besuchen dürfe: «Zurzeit versteckt er sich irgendwo, damit er nicht in die Türkei zurückmuss. Doch es geht ihm dabei sehr schlecht», sagt Durmaz. Verzweifelt fügt er an: «Wenn irgendjemand weiss, was ich noch unternehmen kann, soll er sich bitte bei mir melden.»

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