Zum Hauptinhalt springen

So kühlen Sie sich politisch inkorrekt

Die Hitze ist drückend und Abkühlung gewünscht. Die BaZ hat einige, nicht ganz ernst zu nehmende, Tipps bereit – eine Glosse

MeinungMartin Regenass und Serkan Abrecht
Bieten optimale Abkühlung: Kühlregale in Supermärkten.
Bieten optimale Abkühlung: Kühlregale in Supermärkten.
Keystone

Das Quecksilber in den Thermometern erzielt dieser Tage Höchstwerte. Wegen der vielen Betonbauten und Strassen klettern die Temperaturen in der Stadt noch höher als auf dem Land. Durch den fehlenden Wind sind auch tropische Nächte an der Tagesordnung. Abkühlung ist angesagt, und anstatt auf die alltäglichen Tipps wie den Kauf eines Ventilators, ein Fussbad oder einen Schwumm im Rhein hinzuweisen, folgen an dieser Stelle ein paar unkonventionelle, politisch gar inkorrekte Tipps zur Kühlung.

Grosser Beliebtheit erfreuen sich Klimaanlagen. Sie sind heute in vielen Autos Standard, und daher lohnt es sich, nach Feierabend ins Auto zu steigen und ein paar Runden im Quartier zu drehen. Da es sich nicht um ein planloses Herumfahren handelt, das grundsätzlich strafbar ist, sondern die Tour der Körperkühlung dient, dürfte die Polizei nicht einschreiten. Sollte man trotzdem des ziellosen Herumfahrens verdächtigt werden, kann man dem Beamten immer noch erzählen, einen der raren Parkplätze zu suchen.

Um beim Individualverkehr zu bleiben: Wer ein Motorrad besitzt, kann sich auf die deutsche Autobahn begeben. Nach einigen Kilometern Fahrt in Richtung Karlsruhe ist die Tempobeschränkung aufgehoben. Da beschleunigte Luft kühlend wirkt, wie die geniale Erfindung des Fächers im Kleinen schön aufzeigt, führt auch das hohe Tempo auf der Autobahn zu einem Kühleffekt.

Zurück zu stromfressenden Airconditions: Falls man trotz Gluthitze am Abend auf dem Balkon gemütlich bei einem Glas Wein verweilen möchte, ist die Anschaffung einer Klimaanlage eine gute Investition. Voll aufgedreht, kühlt das Gerät die heisse Luft ab. Da derartiges Heizen und Kühlen in Basel per Energiegesetz verboten ist, könnte des Umweltgedankens wegen der Wirkungsgrad des Kühlgeräts erhöht werden, indem man ein Partyzelt mit Seiten- und Rückwänden um das Mobiliar herum aufbaut. Das schafft etwas Dämmung und lässt die gekühlte Luft nicht gleich in sämtliche Richtungen entweichen.

Zur körperlichen Abkühlung eignen sich hervorragend auch Geschäfte in der Innenstadt, die klimatisiert sind. Mit einem Liegestuhl ausgerüstet, lässt man sich in der Nähe der Tiefkühlanlage mit den Fertiggerichten oder bei den unverschlossenen Theken mit den Milchprodukten nieder. Die Erfrischung ist garantiert, und zudem lassen sich die Konsumgewohnheiten der Mitmenschen bestens studieren. Wie wirkt sich die unterschwellig abgespielte Musik auf das Kaufverhalten aus? Locken die roten Punkte mit den Aktionen besonders viele Kunden ans Regal? Auf solche Fragen lässt sich möglicherweise eine Antwort finden, am besten bei einem erfrischenden Getränk. Alternativ bietet sich auch an, in der Küche den Kühlschrank zu öffnen und offen zu lassen. Der Effekt ist ähnlich.

Erquickend für Geist und Seele wirken auch dicke, alte Mauern, weil es länger dauert, bis die Hitze sie durchdringt. Dieser Effekt lässt sich etwa in der Münsterkirche bestens feststellen. Kältebedürftige könnten sich in den 1000 Jahre alten Sakralbau begeben, sich bekreuzigen und auf der Kirchenbank ein Nickerchen machen. Gott vergelts.

Zur Abkühlung geeignet ist auch die Badewanne. Da sich kaltes Wasser mit der Zeit etwas erwärmt, sollte das Bad unter ständigem Einlaufen mit Frischwasser kühl gehalten werden. Auf diese Weise kann man in der Badewanne auch die Nacht verbringen. Aber Achtung: Falls der Überlauf verstopft ist, kann dies eine Überschwemmung nach sich ziehen. Eine weitere Methode, das Badezimmer kühl zu halten, ist das Füllen der Badewanne mit Eiswürfeln vom Supermarkt oder von der Tankstelle.

Die Spitze der politisch inkorrekten Abkühlung bildet wohl ein Guacamolebad. Bekannt als Partydip, ist die Sauce vielseitig einsetzbar. Guacamole, also mehr deren Hauptingredienz, die Avocado, ist auch beliebt als Feuchtigkeitsspender für die Haut. Denn: Über 60 Prozent des Fruchtfleisches einer Avocado besteht aus Ölsäure. Was gibt es also Erfrischenderes, Gesünderes und zudem Appetitlicheres als ein Bad in Guacamole? Nur: Die Ökobilanz der Frucht ist ziemlich schlecht. Durchschnittlich braucht es 1000 Liter Wasser für ein Kilo Avocado. Für eine handelsübliche Badewanne mit dem Volumen von 150 Litern benötigt man also 150000 Milliliter Guacamole. Grob berechnet, braucht es dazu600 Avocados, was bei einem Durchschnittsgewicht von 160 Gramm ziemlich genau 96 Kilogramm sind. Also verbraucht man für ein Bad in Guacamole 96000 Liter Wasser. Somit füllt man eine Badewanne um das 640-Fache ihres Volumens – zur Abkühlung. Grossartig!

Falls Sie unter den oben genannten und energiepolitisch unkorrekten Tipps nichts Passendes gefunden haben sollten: Steigen Sie in das nächste klimatisierte Flugzeug, und fliegen Sie in den hohen Norden. Das wird Ihre Wallungen lindern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch