Sind Sie für oder gegen Pferde an der Fasnacht?

Die Debatte läuft auch nach der Fasnacht heiss: Sollen Pferde weiterhin am Cortège mitmachen dürfen oder ist das Tierquälerei? Hier die Meinung von den BaZ-Redaktoren Alexander Müller (Contra) und Thomas Gubler (Pro).

An der Basler Fasnacht 2019 stürzten zwei Mal Pferde am Steinenberg. Grund waren nicht oder ungenügend abgedeckte Metallplatten bei Baustellen. Als die mit Metall beschlagenen Hufe auf das Eisen kamen, rutschten die Tiere aus.

An der Basler Fasnacht 2019 stürzten zwei Mal Pferde am Steinenberg. Grund waren nicht oder ungenügend abgedeckte Metallplatten bei Baustellen. Als die mit Metall beschlagenen Hufe auf das Eisen kamen, rutschten die Tiere aus.

«Ein Verbot wäre nur eine weitere fragwürdige Einschränkung – Pferde gehören zum Cortège»

Von Thomas Gubler

Kein Zweifel. Die Stürze je eines Pferdes an den Cortèges vom Montag und Mittwoch sind bedauerliche Ereignisse. Und dass es zwei Mal am selben Ort passierte, weist erst noch auf mögliche Versäumnisse hin. Zum Glück ist niemand dabei zu Schaden gekommen. Beide Pferde sind wohlauf. Die beiden Fälle sollten aber unbedingt zum Anlass genommen werden, die Route des Cortèges künftig pferdesicher zu machen. Es besteht aber kein Anlass, den Einsatz von Pferden und Chaisen zu verbieten. Denn Pferde gehören nun mal zum Cortège.

Ein Verbot wäre nicht nur eine weitere fragwürdige Einschränkung, sondern auch ein Verlust für die Basler Fasnacht. Es ist nun einmal so, dass Umzüge jeder Art ein minimales, kalkulierbares Risiko für Mensch und Tier bergen. Das gilt nicht nur für den Cortège. Untersucht man jedoch die Umzüge der letzten Jahre mit Pferdeeinsatz – Cortège, Sechseläuten etc. –, dann wird man feststellen, dass dabei sehr wenig passiert ist. Ein Pferdeverbot am Cortège wäre daher eine komplett unverhältnismässige Massnahme ohne jede Rechtfertigung. Es sei denn, man lehnt den Einsatz von Pferden – und überhaupt von Tieren – für Arbeiten, die nicht hundertprozentig ihrer Natur entsprechen, generell ab.

Dann wären wir allerdings schnell mit Situationen konfrontiert, an denen so mancher Pferdefreund keine Freude haben könnte.

So müsste man sich beispielsweise fragen, ob unter diesen Umständen Pferderennen und Springkonkurrenzen noch vertretbar sind. Möglicherweise verunfallen dort nämlich mehr Pferde als an einem Fasnachts-Cortège. Oder wie steht es mit dem Einsatz von Pferden in der Land- und Forstwirtschaft? Darf man Pferde noch zum Wagenziehen oder zum Schleppen von Holz einsetzen?

Selbst die Schweizer Armee mit ihren Trainkolonnen müsste über die Bücher, werden doch die Trainpferde zu Transporten in unwegsamen Gebirgsgegenden und zum Holzrücken eingesetzt. Und schliesslich müsste man sich sogar die Frage stellen, ob das Zureiten eines Pferdes letztlich nicht auch eine Form von Tierquälerei ist.

Am Cortège mit einem Pferdeverbot ein Exempel zu statuieren, wäre jedenfalls nicht nur eine Überreaktion auf die letztlich glimpflich ausgegangenen Ereignisse. Es wäre auch eine mehr als schreiende Rechtsungleichheit.

«Pferde sind Fluchttiere – Es ist Zeit, endlich umzudenken»

Von Alexander Müller

Haben Sie schon einmal gesehen, wie ein Pferd erschrickt? Das passiert ziemlich häufig und mitunter aus geringem Anlass. Auch in ihrer gewohnten Umgebung sind Pferde schreckhaft und immer auf der Hut vor Fressfeinden. Das liegt im Wesen dieser Tiere. Wenn ein Pferd, das rund eine halbe Tonne Gewicht auf die Waage bringt, richtig verängstigt ist, ist es nicht so leicht zu bremsen. Eines unserer Pferde hat sich vor Jahren so erschrocken, dass es in Panik davongerannt ist. Dabei ist es gestürzt und hat sich ein Bein gebrochen. Es musste eingeschläfert werden. Im Januar dieses Jahres haben sich im Kanton Graubünden drei einer Kutsche vorgespannte Pferde wegen einer Dachlawine erschrocken. Der Kutscher geriet unter sein Gefährt, wurde 300 Meter mitgeschleift und mittelschwer verletzt. Ähnliches passierte vor zwei Wochen im österreichischen Nussbach in einer Reithalle, dort wurde ein Mann verletzt, oder vor zwei Monaten in Reigoldswil, wo sich zwei Kutschenpferde verletzten. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen, beispielsweise mit dem Unfall am Rosenmontagszug in Köln vom letzten Jahr, als Pferde durchgingen und drei Menschen verletzten.

Pferde sind Fluchttiere. Für sie ist eine Umgebung mit vielen unbekannten Geräuschen und Bewegungen vor allem eines: purer Stress. Wer Pferde an die Fasnacht bringt, tut den Tieren keinen Gefallen. Vielmehr schafft er eine Gefahr. Einerseits für die Tiere selbst, vor allem aber auch für die Aktiven und die Zuschauer. Für Tiere auf dem Weg zum Schlachthof gibt es Bestimmungen, um sie vor Stress zu bewahren. Um dies richtig zu finden, muss man kein Vegetarier sein. Es gibt schlicht keinen guten Grund, ein Tier unnötigem Stress auszusetzen.

Erstaunlicherweise sind es zum Teil sogenannte Pferdefreunde, die nichts Schlimmes dabei sehen, ein grosses Herdentier, das über viel Bewegungsdrang verfügt, den ganzen Tag in einer drei auf drei Meter grossen Box in Einzelhaft zu halten, ihm in den meisten Fällen unnötigerweise Metall an die Hufe zu nageln und ihm beim Reiten mit einem Metallgeschirr brutal im Maul herumzureissen, um es kontrollieren zu können, obwohl es auch schonender gehen würde. Von diesen «Pferdefreunden» ist wenig Einsicht zu erwarten, dass Tiere kein Fasnachtsrequisit sind. Für die Basler Fasnacht wäre ein Verzicht auf Chaisen jedoch wirklich kein Verlust.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt