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Senioren kämpfen gegen Parkplätze im Grünen

Pro Senectute möchte bei einer Alterssiedlung Bäume fällen, um dort 17 Geschäftswagen parkieren zu können.

Unter den Bäumen treffen sich die Seniorinnen und Senioren an schönen Tagen.
Unter den Bäumen treffen sich die Seniorinnen und Senioren an schönen Tagen.
Nicole Pont

Der Aufruhr in der Alterssiedlung Rankhof ist gross. Seit einigen Tagen steht bei den Hausein­gängen eine Baupublikation. Die Aufschrift: Erstellung eines Aussenparkplatzes für 17 Personenwagen, mit Baumfällungen. Die Parkplätze sind für Firmenwagen von Pro Senectute beider Basel geplant. «Ich denke, in der Nacht, nachdem die Baupublikation aufgehängt worden war, haben nur wenige geschlafen», sagt Bewohnerin Sioux Hediger.

Die Alterssiedlung liegt idyllisch neben dem Rhein in einer parkähnlichen Anlage. Der Baumbestand stammt teilweise noch aus einer Zeit, als hier eine Villa, das Gut Rankhof, stand. Im Fällgesuch sind acht Bäume vermerkt: Ein Walnussbaum, drei Eiben, eine Winterlinde, ein Japanischer Ahorn und zwei weitere Ahornbäume. Auf einem Plan des Architekturbüros, der im Bau- und Gastgewerbeinspektorat eingesehen werden kann, käme der Parkplatz direkt bis an den lauschigen Teich im Garten zu liegen.

Treffpunkt im Sommer

Hier treffen sich die Senioren und Seniorinnen an schönen ­Tagen, spielen Brettspiele oder trinken einen Kaffee zusammen. «Es hat eine ganze Weile gedauert, bis es die Bewohnerinnen Susi Müller und Heidi Rösti geschafft haben, die Leute aus ihren Zimmern zu locken», sagt Hediger und gibt zu bedenken: «Wer will das mit den Parkplätzen noch? Die Leute werden in ihren Zimmern bleiben und vereinsamen.» Auch der Lärm, den die zusätzlichen Fahrzeuge verursachen werden, bereitet ihr Sorgen.

Ein Besuch der BaZ am Montagmorgen hat gezeigt, wie beunruhigt die Bewohner sind. ­Gedacht war ein Augenschein vor Ort mit drei, vier Leuten. Gekommen sind nach einem Aufruf ­Hedigers fast 40. «Das ist eine Wohnzone, wir wollen keinen Gewerbeparkplatz», sagt Anwohner Paul Thüring. Auch Maria Schwarz findet den Parkplatz überdimensioniert. Sie befürchtet, dass mehr hinter dem Plan steckt: «Das ist Salamitaktik. Zwei, drei Parkplätze für Pro-­Senectute-Fahrzeuge würde ich ja verstehen, aber 17? Wofür ­werden die genau gebraucht?» Zudem sei der Platz zwischen den vier Wohnhäusern ein gefangener Platz. Und Bäume, die das CO2 aus der Luft filtern, seien dann auch weniger da, so Hediger: «Wir haben einige Lungenkranke hier. Die werden den Unterschied merken.» Peter Sprüngli würde von seinem Wohnzimmer aus sehr viel weniger Bäume und viel mehr Autos sehen. Doch er hat auch praktische Bedenken: «Wo soll das Fussweglein hin, dass das Haus mit der Busstation verbindet? Ohne diesen Weg müssen die alten Leute mitten auf der Strasse gehen.»

Auch Susi Müller, die immer ein Witzchen auf den Lippen hat, wird bei dem Thema ernst: «Ich bin robust. Deshalb lese ich hier ständig ältere Leute auf, die umgefallen sind. Wenn dort Autos stehen, sehe ich sie nicht mehr.» Sogar eine Pro-Senectute-Mitarbeiterin ist aufgetaucht. «Ich wohne selber auch hier und habe mitgeholfen, dass die Anlage so grün ist, wie sie jetzt ist», begründet Heidi Rösti ihre Anwesenheit. Dass sie sich damit gegen ihren Arbeitgeber stellt, sei ihr egal: «Ich stehe zu meinen Leuten hier.»

Ökonomischer Gedanke

Michael Harr, Geschäftsführer von Pro Senectute beider Basel, ist etwas enttäuscht von den Bewohnern: «Pro Senectute ist hier, um die Leute zu unterstützen, nicht um ihnen zu schaden. Eigentlich könnten sie uns schon ein bisschen vertrauen.» Weshalb auf dem Fällgesuch acht Bäume verzeichnet seien, wisse er nicht. Er versichert aber, es sei nie geplant gewesen, die drei grossen Bäume am Teich zu fällen. Die Pläne seien auch jetzt noch alles andere als definitiv.

Vom Gewerbe- und Bauinspektorat hat er einen Vorschlag erhalten, wie dieses die Park­plätze anordnen würde. Anstatt in einem rechteckigen Block lägen die Parkplätze der Strasse entlang. Auch hier müssten laut Plan wohl vier bis fünf Bäume gefällt und Rasenfläche geopfert werden, optisch würden die Parkplätze aber etwas weniger ins ­Gewicht fallen. Zudem wären sie weniger nah am Teich. «Diese Variante ist für uns zwar schlechter, denn wir möchten die Parkplätze gerne absperren, damit keine Privatautos darauf abgestellt werden, doch wir würden darauf eingehen», sagt Harr.

Sehr viel Emotionen und sehr viel Polemik

Die Abstellplätze seien aus ökonomischen Gründen nötig. Einerseits erhalte man immer wieder Bussen für Servicefahrzeuge, die nicht korrekt parkiert werden könnten, da es nicht genügend blaue Parkfelder gebe, andererseits «wollen wir den ­gesamten Reinigungs- und ­Gartenservice dort zusammennehmen, da ein Teil davon bereits vor Ort ist», sagt Harr. In ­Zürich sei der Reinigungsservice abgeschafft worden, weil er nicht rentiere. Das wolle er in Basel vermeiden. «Ich verstehe, dass die Bewohner keine Freude daran haben, wenn Grünfläche verschwindet. Doch der Ort bleibt eine Oase. Es ist eine Güterabwägung. Es geht um Dienstleistungen, von denen auch einige der Bewohner profitieren. Deshalb ist es erträglich.»

Mit den neuen Plänen ging er am Dienstag an einen Informationsanlass – in der Hoffnung, die Bewohner möchten der neuen Idee gewogener sein. Das Treffen fand ohne Anwesenheit der Medien statt. «Es gab sehr viel Emotionen und sehr viel Polemik, doch in Einzelgesprächen wurde uns auch Verständnis entgegengebracht», sagt Harr. Alles in allem sei es jedoch gelungen, aufzuzeigen, dass die grossen Bäume und der Fels beim Teich nicht gefährdet seien: «Der neue Vorschlag ist sicher besser an­gekommen. Auch der Quartierverein findet ihn gut», sagt Harr. Man werde von den Architekten nun einen genauen Plan zeichnen lassen und die Bewohner danach erneut ­informieren.

Heidi Rösti, Sioux Hediger und Susi Müller konnte Michael Harr jedoch nicht überzeugen. «Als eine Bewohnerin sagte, alle sollten die Hand heben, die gegen die Parkplätze sind, gingen fast alle Hände hoch», erzählt Hediger. Und Heidi Rösti fügt an: «Zwei Leute haben bereits Einsprache erhoben. Und ich werde es auch noch tun.»

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