Sebastian Frehner disqualifiziert sich selbst

Der SVP-Nationalrat gibt der Basler Zeitung ein Interview und zieht es danach zurück .

Der grosse Sieger. Sebastian Frehner (links) konnte sich durchsetzen – Joël Thüring ist politisch erledigt.

Der grosse Sieger. Sebastian Frehner (links) konnte sich durchsetzen – Joël Thüring ist politisch erledigt.

(Bild: Dominik Plüss)

Alessandra Paone

Nach der SVP-Parteiversammlung von Donnerstagabend stand eines fest: Nationalrat Sebastian Frehner konnte sich auf der ganzen Linie durchsetzen – einmal mehr. Grossrat Joël Thüring ist nach der E-Mail-Affäre, die medial hohe Wellen geworfen hat, politisch erledigt. Die Amtszeitbeschränkung, die Parteipräsident Lorenz Nägelin unbedingt hatte einführen wollen und die vor allem Frehner geschadet hätte, wurde klar abgelehnt. Und Frehner ist wieder Mitglied des Vorstands, nachdem er diesen vor knapp zwei Jahren unfreiwillig hatte verlassen müssen.

Die Basler Zeitung fragte ihn gestern Vormittag für ein Interview an. Die Themen waren von Anfang an klar: die Lage der SVP, Frehners Rolle im internen Streit, seine Zukunft und Joël Thüring. Er willigte ein und beantwortete auch sehr offen alle Fragen, das Gespräch wurde aufgenommen. Kurz nachdem er den Artikel wie vereinbart zum Gegenlesen erhalten hatte, zog er das Interview dann aber am späten Nachmittag zurück. Nicht wegen des Inhalts oder weil seine Antworten nicht richtig wiedergegeben worden wären. Er hatte ganz einfach «keine Lust» mehr. Von insgesamt 15 Fragen gab er lediglich drei frei.

Mitarbeiter vorgeschickt

Sebastian Frehner teilte seinen Entscheid der Redaktion nicht persönlich mit. Er lieferte auch keine schriftliche Begründung. Stattdessen meldete sich sein persönlicher Mitarbeiter, obwohl dieser beim Gespräch nicht dabei gewesen war. Frehner habe es satt, immer als Bösewicht dargestellt zu werden, sagte er. Bei der E-Mail-Affäre seien alle Medien von einer Intrige Frehners gegen Joël Thüring ausgegangen. Niemand habe sich wirklich für die Fakten interessiert. Richtig aber ist, dass die Basler Zeitung den Nationalrat damals um eine Stellungnahme gebeten hatte. Er lehnte jedoch mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren ab.

Joël Thüring, langjähriger Weggefährte und Mitarbeiter Frehners, steht im Verdacht, die E-Mails des Nationalrats heimlich mitgelesen zu haben. Und zwar auch lange nachdem das Arbeitsverhältnis zwischen den beiden Politikern beendet worden war. Die Basler Staatsanwaltschaft leitete deswegen ein Verfahren ein; grosse Spannungen innerhalb der Partei waren die Folge. Vor rund einer Woche zog Frehner die Anzeige zurück. Parteipräsident Lorenz Nägelin und er hätten sich einvernehmlich geeinigt, lautete die offizielle Begründung.

Die Interviewanfrage der Basler Zeitung sei ohne Zweifel der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, sagte Frehners persönlicher Mitarbeiter. Die Berichterstattungen und die Kommentare der letzten Tage seien «voll daneben» gewesen. So habe etwa die Basler Zeitung über Frehner geschrieben: «ein Nationalrat, der um sein Amt fürchtet und sich dafür rächen will, dass er aus dem Vorstand gedrängt wurde». Dazu der Mitarbeiter zur Schreibenden: «Du hast jetzt einfach Pech gehabt, dass du das ausbaden musst.»

Die Fragen der Basler Zeitung

Die Antworten auf die nachfolgenden Fragen blieb Sebastian Frehner aufgrund des zurückgezogenen Interviews der Basler Zeitung und damit der Öffentlichkeit schuldig:

Herr Frehner, haben Sie am Donnerstagabend nach der Parteiversammlung der SVP Basel-Stadt gefeiert?

Sie sind der grosse Sieger: Grossrat Joël Thüring ist nicht mehr Parteisekretär, von einer Amtszeitbeschränkung spricht niemand mehr, und Sie sind wieder Mitglied des Vorstandes.

Die E-Mail-Affäre hat vor allem Joël Thüring geschadet. Er dürfte politisch erledigt sein. Doch auch Sie stehen in keinem guten Licht. Ihnen werden Intrigen gegen Thüring vorgeworfen.

Es heisst, Sie hätten die E-Mail-Geschichte bewusst publik gemacht, um Ihr Nationalratsmandat zu sichern?

Alt Grossrat Bruno Jagher ist aus der Partei ausgetreten. Unter anderem Ihretwegen. In der BaZ sagte er, er würde Sie als Nationalratskandidaten nicht mehr unterstützen.

Offenbar denken noch weitere Personen über einen Parteiaustritt nach.

Kann dieser erneute interne Streit Ihre Wiederwahl als Nationalrat gefährden?

Die SVP Basel-Stadt ist seit Längerem ein Trauerspiel. Die Stimmung in der Basis scheint auch nicht die beste zu sein. Wieso sollten die Stimmbürger bei den kommenden Wahlen SVP wählen?

Wie wollen Sie das Vertrauen der Wähler wiedergewinnen?

Sie wünschen sich, dass wieder Ruhe in die Partei kehrt. Ist das überhaupt möglich, wenn mit Ausnahme von Joël Thüring immer noch dieselben Leute in Führungspositionen sind?

Eigentlich braucht die SVP Basel-Stadt einen Neuanfang mit neuen Köpfen. Wäre es für Sie eine Option, politisch kürzerzutreten und anderen Kräften Platz zu machen?

Mit Joël Thüring geht sehr viel Wissen und Fleiss verloren. Wie wird das kompensiert?

Wer wird sein Nachfolger?

Sind Sie zufrieden damit, wie Lorenz Nägelin die Partei führt?

Bedauern Sie es, dass Sie das Parteipräsidium abgegeben haben?

Basler Zeitung

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