Schule senkt für Elternbriefe das Sprachniveau

Um besser verstanden zu werden, gibt es für Fremdsprachige nun jeweils einen Text in Deutsch light.

Viele Eltern wünschen sich für ihre behinderten Kinder eine eigene Schule.

Viele Eltern wünschen sich für ihre behinderten Kinder eine eigene Schule.

(Bild: Bettina Matthiessen)

Mischa Hauswirth

Jetzt kommt die Schule den Eltern von schulpflichtigen Kindern entgegen, die nur geringe Deutschkenntnisse haben: Das basel-städtische Erziehungsdepartement (ED) mit dem Vorsteher Conradin Cramer (LDP) tüftelt an einer neuen Elternbriefform. Stossrichtung: möglichst einfaches Deutsch.

Diese Idee für einen neuen Elternbrief nimmt an der Primarschule Hirzbrunnen bereits Gestalt an. Dort reden die Verantwortlichen von einem Text «in schwerer Sprache» und einem in «einfacher Sprache». Konkret klingt das bei der schwierigen Version so: «An einer Konferenz hat das Kollegium entschieden, als ersten Schritt die Kommunikation mit den Eltern zu verbessern.» Und in der Schmalspur-Version folgendermassen: «An einer Konferenz von allen Lehrpersonen gab es eine Abstimmung. Die meisten Lehrpersonen möchten, dass die Arbeitsgruppe Vorlagen für Briefe an Eltern macht.»

Die Punkte sind nicht etwa ein Versehen, sondern bewusst dort gesetzt, obwohl die deutsche Grammatik isoliert stehende Punkte bestenfalls in Form von Schlusspunkt oder Aufzählungszeichen kennt. Für Trennungen gäbe es schlicht und einfach den Trennungsstrich.

«Zusammengesetzte Wörter trennen wir mit einem Mediopunkt», heisst es in der von der Schulleitung erarbeiteten Wegleitung. Was genau die Funktion oder der Zweck eines solchen Mediopunktes ist, erklärt auch Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements, nicht näher. Hingegen bestätigt er, dass es sich um ein «bewilligtes Schulentwicklungsprojekt» handelt, für das Geld geflossen ist.

Die Schule hat ein externes Büro für die Ausarbeitung der neuen Kommunikationsform beauftragt. Wie viel dieses bekommen hat, sagt Thiriet nicht, nur, dass der finanzielle Aufwand sich im «üblichen Rahmen» befindet. «Das Geld für Schulentwicklungsprojekte wird unter anderem für externe Begleitungen, Weiterbildung und Dokumentation verwendet», so Thiriet.

Beim ED versteht man die Aufregung nicht. Es gehe um den Kontakt mit den Eltern und nicht darum, wie an der Schule unterrichtet werde, sagt Thiriet. «Einfache Sprache wirkt zwar manchmal für Personen mit Muttersprache Deutsch etwas einfach. Uns ist es aber lieber, wenn möglichst viele Eltern vor allem zu Beginn der Schullaufbahn ihres Kindes mit den Schreiben erreicht werden.»

Leicht bedeutet seicht

Für Bildungspolitikerin und Grossrätin Katja Christ (Grünliberale) wagt der Staat hier «eine Gratwanderung, trotz der achtenswerten Motive». Es gehe nämlich vergessen, dass damit eine Richtung eingeschlagen werde, die schwer aufzuhalten sein werde. «Für den Wiener Philosophie-Professor Konrad Paul Liessmann ist ‹leichte Sprache seichte Sprache›. Man trifft sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner und orientiert sich nach unten, was sich ohnehin an unserer Grundschule als Tendenz feststellen lässt», sagt Christ.

Deutsch müsse – gerade auch an der Volksschule – unbedingt wieder gestärkt werden, statt das Niveau permanent zu senken. Deutschkurse sollten für Fremdsprachige nicht nur angeboten, sondern grundsätzlich verpflichtend eingefordert werden, sagt Christ und verweist darauf, dass die Sprache der Schlüssel zur Welt sei.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt