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Schreinerei schafft Wohnungen

Die Firma Voellmy plant hinter dem Badischen Bahnhof einen Neubau. Dafür wird ein altes Landhaus aus dem 18. Jahrhundert abgebrochen.

Urs Rist
Hinter dem Landhaus befindet sich das alte Werkgebäude. Rechts im Bild sind der Showroom und die Büros der Firma Voellmy. Auch diese Gebäude sollen abgerissen werden.
Hinter dem Landhaus befindet sich das alte Werkgebäude. Rechts im Bild sind der Showroom und die Büros der Firma Voellmy. Auch diese Gebäude sollen abgerissen werden.
Mischa Hauswirth

Surinam ist der kleinste Staat in Südamerika zwischen Brasilien und Atlantik, aber die Basler Strasse Im Surinam liegt im Hirzbrunnen-Quartier hinter dem Badischen Bahnhof. An der Ecke zur Maulbeerstrasse ist die Firma Voellmy angesiedelt, deren Zweck die Ausführung von Schreinerarbeiten, der damit verbundene Innenausbau sowie die Herstellung von und der Handel mit Möbeln bildet. Deren Besitzer und Verwaltungsrat Beat Voellmy hat ein Baugesuch für den Abbruch der bestehenden Gebäude und den Neubau eines Wohn- und Gewerbegebäudes Im Surinam 73 eingereicht, das derzeit beim Bau- und Gastgewerbeinspektorat aufliegt.

In einer ersten Etappe wird das vor 60 Jahren erbaute Ausstellungs- und Bürogebäude der Firma Voellmy zurückgebaut und an dessen Stelle ein Neubau erstellt, wie aus dem Projektbeschrieb der ffbk Architekten hervorgeht. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss wird die Schreinerei eingerichtet, wofür um eine Mehrhöhe von 2,5 zu den erlaubten elf Metern ersucht wird. Im zweiten Obergeschoss und in der Attika entstehen 16 Wohnungen, die zweigeschossig als Maisonette konzipiert sind. «Die Grundidee dieser Wohnungen ist ein räumlich attraktives, durchstechendes Layout, das die unterschiedlichen Seiten Bahndamm und Lange Erlen erlebbar macht», heisst es im Beschrieb.

Nicht schutzwürdig

Voellmy hatte sich seit fünf Jahren über die Zukunft seiner 124-jährigen Firma Gedanken gemacht, wie er der BaZ im Februar dieses Jahres sagte. Er wollte an seinem Areal festhalten, weil die Firma hier einen weit tieferen Mietzins zahle als anderswo, und entschied sich für eine Kombination von Wohn- und Gewerbebau: Denn bei einem Neubau in Etappen kann die Schreinerei ohne Unterbruch weiterbetrieben werden, und die Wohnungen würden eine finanzielle Absicherung für das Alter darstellen. Aber zum Areal gehört auch ein kleines Wohnhaus, das im ausgehenden 18. Jahrhundert als Teil des Landguts Schoren von Christoph Merian-Burckhardt errichtet wurde. Ein externer Gutachter hatte im Hinblick auf die Neubaupläne die Unterschutzstellung des Hauses empfohlen. Im Frühjahr 2017 erhielt Voellmy die Mitteilung der Denkmalpflege, das Haus sei in das Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen worden. Dies hätte zur Folge, dass bei einem Abbruch die Denkmalpflege informiert werden muss.

Da in Gesprächen mit der Denkmalpflege keine Einigung erzielt werden konnte, schaltete Voellmy den Denkmalrat ein, der auch Anträge über die Eintragung von Denkmälern stellt. Dieser kam zum Schluss, dass das Haus «die hohen Anforderungen an ein Schutzobjekt nicht mehr zu erfüllen vermag», da sein Inneres mehrfach verändert wurde und praktisch keine originale Ausstattung mehr enthalte. Deshalb entliess Regierungsrat Hans-Peter Wessels das Haus Im Surinam 65 am 21. Dezember 2017 aus dem Inventar der schutzwürdigen Bauten.

Die meisten Wohnungen erhalten zweieinhalb Zimmer auf immerhin rund 75 Quadratmetern Fläche, einige grössere Wohnungen mit vier Zimmern werden etwa 105 Quadratmeter gross. Im oberen Geschoss gehört zu den Wohnungen auch eine Loggia. Der vorgeschriebene Rücksprung in der Attika wird zwar eingehalten, er soll aber mit einer leichten Pergola überspielt werden. Dies habe die Stadtbildkommission gefordert, damit der Neubau auch städtebaulich ein Teil der benachbarten Industriebauten der Firma Sauter bleibt.

Viel mehr Wohnfläche

In einer zweiten Etappe, wenn der Neubau erstellt ist, wird die bestehende Werkhalle unmittelbar am Bahndamm voraussichtlich ab Sommer 2021 abgebrochen, worauf dort die Autoeinstellhalle mit 37 Plätzen, die Anlieferung und eine Grünanlage erstellt werden.

Als Begründung für die Zulässigkeit des Abbruchs heisst es im Baubegehren, dass die Hauptnutzfläche des Neubaus mit 1256 Quadratmetern die Gesamtfläche der bestehenden Wohnungen von 285 Quadratmetern deutlich, nämlich um mehr als das Vierfache übersteigt, dementsprechend werde mehr Wohnraum geschaffen. Der Neubau wird aus Stahlbeton erstellt und erhält eine hinterlüftete Holzfassade, die mit horizontalen Gurten strukturiert wird. Die Baukosten werden mit 16,67 Millionen Franken angegeben.

Der Abbruch des alten Wohnhauses ist von einer Architektur-Zeitschrift heftig kritisiert worden. Voellmy kann sich vorstellen, dass es an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden könnte. Die Denkmalpflege schreibt, sie habe mit dem Planungsamt wie auch mit dem Eigentümer Szenarien für eine Versetzung geprüft, «konnte aber keine Lösung finden».

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