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Schienbeintritte zum Abschied

Sportamtchef Howald attackierte öffentlich seine Vorgesetzten – die SP hilft mit.

Krach mit dem Chef. Sportamtchef Peter Howald (l.) mit Erziehungsdirektor Conradin Cramer bei der Neueröffnung des Hallenbads Eglisee.
Krach mit dem Chef. Sportamtchef Peter Howald (l.) mit Erziehungsdirektor Conradin Cramer bei der Neueröffnung des Hallenbads Eglisee.
Covino Pino

Sportamtchef Peter Howald hat Mühe mit seinem neuen Vorgesetzten Thomas Mächler. Mächler, seit einem Jahr Chef der Abteilung Jugend, Familie und Sport, würde seine Mitarbeiter «drangsalieren», so der Sportamtchef. 10 der 570 Angestellten aus seiner Abteilung berichteten gegenüber der TagesWoche von einem «Klima des Misstrauens». Anonym werfen sie Mächler vor, ein Choleriker zu sein.

Die BaZ hat in den vergangenen Tagen mit mehreren Mitarbeitern des Erziehungsdepartements (ED), mit Direktunterstellten von Mächler und Mitgliedern der SP gesprochen. Howald ist selbst Mitglied der SP. Alle Befragten, die aufgrund möglicher beruflicher Konsequenzen ungenannt bleiben möchten, zeigen ein anderes Bild auf als die Mitarbeiter, die sich in der Presse äusserten. So handle es sich bei dem Protest gegen Thomas Mächler nicht um eine Mitarbeiterinitiative, sondern um einen inszenierten Angriff von Howald auf seinen Chef. Im ED kriselt es nicht wie vorgeworfen zwischen den Angestellten und Thomas Mächler, sondern einzig zwischen ihm und Howald. Der Sportamtchef geht in fünf Monaten in Rente.

Cramer, der Streitschlichter

Der Sportamtchef ist unzufrieden mit Thomas Mächler, weil dieser als Schnittstelle zwischen ihm und Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) fungiert und ihn bei seiner Arbeit stärker kontrolliert als noch dessen Vorgänger Hansjörg Lüking. «Hier haben sich zwei Kaderleute zerstritten und einer von ihnen trägt seine Befindlichkeiten nun an die Öffentlichkeit», so ein ED-Mitarbeiter. Hielt der abgetretene Lüking den Sportamtchef damals noch an der langen Leine, ist Mächler anders. Er wird von seinen Mitarbeitern als «hoch korrekter Mensch» beschrieben, der seine Arbeit gewissenhaft und regelgetreu erledigt. Für Howald offenbar zu regelgetreu.

Howald hat bereits vom ehemaligen Erziehungsdirektor Christoph Eymann verlangt, dass er ihm direkt unterstellt wird. Unter Mächler ist ihm nun der Zugang zum Departementsvorsteher erschwert worden. «Howald muss sich plötzlich an die Regeln halten, und das gefällt ihm nicht», sagt ein Mitarbeiter der Abteilung Jugend, Familie und Sport. Eskaliert sei der Streit, als Howald im 12-köpfigen Sportbeirat über Mächlers Führungsstil herzog. Dass ein Kaderbeamter in einem beratenden Organ für politische Geschäfte über einen anderen Mitarbeiter herfiel, sei Regierungsrat Cramer, so die Berichte von Mitarbeitern aus dem ED, sauer aufgestossen und er habe Howald danach zu sich zitiert.

Wie die BaZ weiss, hat der Erziehungsdirektor Howald und Mächler bereits mehrmals zu einer Aussprache eingeladen. Cramer mahnte die zwei, ihre Querelen beizulegen und sich wieder zu vertragen. «Nicht gerade die feine Art», nennen ED-Mitarbeiter den Einmannkrieg des Sportchefs gegen seine Vorgesetzten.

Gang an die Medien

Der Basellandschaftlichen Zeitung wurde fast zeitgleich zum «Mitarbeiteraufstand» gegen Mächler ein Konzeptpapier zugespielt, das vermeintliche desaströse Zustände bei den Basler Sportanlagen aufzeigen soll. «Ein bislang unveröffentlichter Bericht aus der Verwaltung dokumentiert den Zustand der Basler Sportstätten sehr genau», schrieb die Zeitung. So herrsche bei 13 Sportanlagen in Basel-Stadt «ein grosser Sanierungsbedarf». Wenig später meldete sich Peter Howald zu Wort und bedauerte gegenüber den Medien den Zustand der Sportanlagen und gab die Schuld dafür Thomas Mächler und Regierungsrat Conradin Cramer. Mächler, weil er versuche, jeden Bereich zu genau zu kontrollieren und dabei ungenügend priorisiere. Cramer, weil er im Allgemeinen weniger Affinität zum Sport zeige als dessen Amtsvorgänger Christoph Eymann. Ein Kaderangestellter, der öffentlich gegen seine Vorgesetzten zündelt – ein seltenes Phänomen in der Basler Verwaltung.

Howald kämpft allein auf weiter Flur gegen den «Zerfall» der Basler Sportstätten und seine Vorgesetzten. Doch es scheint nur warme Luft zu sein: Das Konzept, dass das ED so lange unter «Verschluss» gehalten haben soll, ist kein Konzept, sondern eine Bestandesaufnahme von Basler Sportstätten. Howald gab diesen Bericht 2009 bei der heutigen SRF-Sportjournalistin Jeannine Borer in Auftrag, den diese 2012 einreichte. Durch den Bericht wurden die Bestände der Basler Sportstätten aktualisiert, die dort aufgeführten Mängel jedoch nicht als dermassen gravierend angesehen, wie sie die Autorin beschrieben hat. Christoph Socin, Mitglied des Sportbeirats: «Man kann nicht von gravierenden Mängeln bei den Sportstätten sprechen.» Es gebe vielleicht Turnhallen, die nicht mehr «à jour» seien, dies deshalb, weil sich der Schulsport gewandelt hat. Doch seien das noch keine alarmierenden Zustände. Handelt es sich in der ganzen Angelegenheit also nur um Befindlichkeiten zwischen zwei zerstrittenen Beamten? «Das kann man so formulieren», sagt Socin.

Segesser nimmt Howald in Schutz

Bernhard Segesser, ebenfalls Mitglied des Sportbeirats, will nicht von desolaten Zuständen bei den Sportstätten sprechen. Er nimmt Howald jedoch in Schutz. «Seit Mächler die Leitung übernommen hat, hat der Enthusiasmus im ED für den Sport im Generellen spürbar abgenommen.» Der Stellenwert des Sports sei nicht mehr so hoch wie zu Eymanns Zeiten. «Ich kann Howalds Frustration deshalb nachvollziehen», so Segesser.

Auch eine Person, die sich mit Borers Bericht befasste, relativiert die Zustände der Sportstätten: «Bei den gravierenden Mängeln handelte es sich lediglich um Türfallen, die auf der falschen Seite eingesetzt wurden, Spielfeldkreise, die abgenutzt, oder Reckstangen, die nicht mehr auf dem aktuellsten Stand waren.» Zudem fasste der Bericht mehrere Beschwerden von Sportvereinen zusammen, die sich über die Zustände der jeweiligen Sportstätten enervierten. Borers Arbeit sei von Regierungsrat Eymann als «ungenügend» abgelehnt worden.

SP-Schützenhilfe

Neun Jahre später scheint sie plötzlich wieder hervorgekramt worden zu sein. Und, um nebst dem publizistischen Druck, Mächler und Cramer auch politisch in die Enge zu treiben, habe der Sportamtchef seine Beziehungen zur SP genutzt. Das berichten Parteimitglieder der BaZ. Peter Howald war selbst Parteisekretär der SP und amtete von 2006 bis 2008 als Grossrat. Zudem ist er mit SP-Grossrätin und VPOD-Sekretärin Kerstin Wenk verheiratet. Sein Einfluss hat anscheinend Früchte getragen: Die SP kündigte eine Motion an, in der sie das ED auffordert, ein umfassendes Sportkonzept zu verabschieden. Dies aufgrund der geäusserten Unzufriedenheit von Vereinssportlern in einem Bericht vor neun Jahren.

«Tatsächlich ist es so, dass einige Sportstätten nicht mehr dem neusten Stand der Technik entsprechen, dies wird von Sportvereinen dann schnell als ‹gravierend› bezeichnet. Das ED und das Baudepartement renovieren die Sportstätten deshalb kontinuierlich», sagt Thomas Mächler auf Anfrage.

«In einem DDR-Zustand», wie Howald die Sportstätten beschreibt, «befinden sich diese aber ganz sicher nicht.» Zu den internen Streitigkeiten wollte Thomas Mächler keine Stellung nehmen. Auch Peter Howald hat gestern bis Redaktionsschluss keine Stellung genommen.

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