Sauber, aber nicht einladend

Am Samstag wurde die Kontakt- und Anlaufstelle für Suchtkranke am Riehenring eröffnet.

In diesem Zimmer steht alles bereit, um sich unter hygienischen Umständen eine Spritze setzen zu können.

In diesem Zimmer steht alles bereit, um sich unter hygienischen Umständen eine Spritze setzen zu können.

(Bild: Dominik Plüss)

Horst Bühlmann nickt zufrieden. Seit 25 Jahren arbeitet er schon bei der Suchthilfe der Region Basel und hat als Leiter Kontaktund Anlaufstellen den direkten Vorher-nachher-Vergleich: «Der alte Containerbau war abgenutzt, es gab bauliche Mängel. Insbesondere in den Konsumzimmern ging es zeitweise her wie in einem wilden Ameisenhaufen, sie waren klein und oft komplett überlastet.» So boten sie kaum Raum für Intimität. Dabei sei insbesondere derintravenöse Konsum von Drogen etwas Persönliches und Intimes.

Die neuen Konsumräume wurden nun besser eingeteilt in drei separate Zimmer: in ein Rauchzimmer mit 14 Plätzen, ein Sniff-Zimmer mit vier Plätzen und ein Zimmer zum intravenösen Konsum mit zehn Plätzen.

Warten in der Cafeteria

Der Anblick ist beklemmend, die Räume sind klinisch, Hygiene hat oberste Priorität. Desinfektionsmittel steht bereit, Vitamin C, frische Spritzen. Zwischen den Konsumplätzen hat es jeweils eine Glaswand, die für etwas «Privatsphäre» sorgt. «Es soll hier nicht einladend sein. Die Besucher können mitgebrachte Drogen konsumieren unter hygienischen Bedingungen. Ausserdem ist immer eine Betreuungsperson anwesend, die Erste Hilfe leisten kann.» In der Cafeteria und im Aussenbereich ist es gemütlicher, dort können die Besucher «töggele», bis sie an der Reihe sind, etwas trinken oder eine Suppe essen. Durchaus gebe es immer wieder kleine Glücksmomente in dem sonst so schweren Alltag eines Süchtigen. «Wenn der FC Basel gewonnen hat zum Beispiel oder jemand einen Witz erzählt, dann können sie sich herzhaft freuen.»

Bühlmann hat über die Jahre gelernt, sich von den vielen Einzelschicksalen abzugrenzen. Ihm ist es wichtig, für die drogenabhängigen Menschen da zu sein, sie respektvoll und mit Würde zu behandeln und sie nicht einfach durch die Maschen fallen zu lassen, nur weil sie nicht in die perfekte Gesellschaft passen. Ihnen mit dem Neubau einen Aufenthaltsort, hygienische Bedingungen, ein offenes Ohr und auch weitere Dienstleistungen wie Arztsprechstunden, eine Cafeteria sowie Beratungsangebote bieten zu können, sei wichtig.

Kein Fixerstübli mehr

Dass Horst Bühlmann und sein Team eine wertvolle und bestimmt nicht einfache Arbeit leisten, ist auch Regierungsrat Lukas Engelberger bewusst. Er nahm an der Führung durch den Neubau teil und stellte interessiert Fragen. In der offiziellen Rede blickte er noch einmal auf die nun drei Jahrzehnte zurück, welche die Suchthilfe bereits tätig ist. «Seit den 90er-Jahren konnten wir viel bewegen und zumindest die Wahrnehmung in der Bevölkerung verändern. Während man früher noch von Fixerstüblis und Gassenzimmern redete, empfinde ich eine Kontakt- und Anlaufstelle als viel passender.» In einem professionellen Umfeld würde den Menschen das geboten, was Anfang der 90er-Jahre von der Politik festgelegt wurde: Schadenbegrenzung und eine Übernahme der Verantwortung für Suchtkranke.

Weil während dem Umbau seit September die Anlaufstelle am Riehenring geschlossen war, war jene im Dreispitz umso mehr gefordert. «Nun hoffen wir, dass sich die Situation wieder entspannt. Wir haben bewusst andere Öffnungszeiten der beiden Standorte, damit auch die Nachbarschaft etwas entlastet wird.» Lukas Engelberger gab dem Betreuungsteam noch einen festen Glauben an ihre Arbeit und eine grosse Portion Menschlichkeit mit auf den Weg. Oder um den persischen Mystiker Rumi zu zitieren: «Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort. Dort treffen wir uns.»

Basler Zeitung

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