Saint-Louis ist für Autopendler attraktiv

Wer sein Fahrzeug beim Bahnhof abstellt, bezahlt 14 Stunden lang keine Gebühren.

350'000 bis 400'000 zusätzliche Fahrgäste. Am 12. September letzten Jahres ist die Tramverlängerung nach Saint-Louis feierlich eröffnet worden. Die Nutzerzahlen entsprechen bis heute den Erwartungen der BVB.

350'000 bis 400'000 zusätzliche Fahrgäste. Am 12. September letzten Jahres ist die Tramverlängerung nach Saint-Louis feierlich eröffnet worden. Die Nutzerzahlen entsprechen bis heute den Erwartungen der BVB.

(Bild: Nicole Pont)

Mischa Hauswirth

Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) war in der Bauphase der Tramlinienverlängerung nach Saint-Louis nicht müde geworden zu betonen, welchen Nutzen der Ausbau des Basler Streckennetzes für die Verkehrsberuhigung von Basel bringen wird. Deshalb wollte er auch unbedingt die Park-and-Ride-Anlage in der Nähe des Bahnhofs in der Elsässer Nachbargemeinde. 882'000 Franken bezahlte die Schweiz an dieses neue Parkhaus. Zusätzlich zur Million, die ohne politischen Auftrag gesprochen und erst nachträglich legitimiert wurde.

Nachdem die Linienerweiterung nach Frankreich im Dezember 2017 eröffnet worden war, dauerte es noch bis vergangenen April, bis das Parking in Betrieb genommen werden konnte. Zuerst hiess es, bis im Juni sei es gratis, nun bleibt es definitiv so: Die Elsässer Pendler bezahlen nichts, wenn sie vor den Toren Basels ihr Auto abstellen. «Bis zu 14 Stunden ist das Parking gratis», sagt Hubert Vaxelaire, Verantwortlicher für Service und Transport bei der Communauté d’agglomération des Trois Frontières in Saint-Louis. «So können Pendler von hier aus per Bahn, Bus oder Tram an ihren Arbeitsplatz reisen und wieder zurückkommen, ohne dass Parkkosten anfallen.»

Mit dieser Regelung soll ein Missbrauch von Langzeitparking verhindert werden, sagt Vaxelaire. «Wer das Auto hier stehen lässt, um an den Flughafen zu fahren und zu verreisen, bezahlt ab 14 Stunden Parking eine normale Gebühr.» Von den 740 Plätzen, die zur Verfügung stehen, seien 300 täglich besetzt, so Vaxelaire.

Teure Park-and-Ride-Angebote

In der Nordwestschweiz gibt es keine vergleichbaren Pendlerlösungen, die für Autofahrer attraktiv sind. Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) und die Baselland Transport AG (BLT) werben zwar mit Kombiangeboten für ihre Park-and-Ride-Varianten, doch gratis gibt es hier nichts. In Basel ist lediglich eine Stunde gratis für den, der ein Park-and-Ride-Ticket löst. Danach fallen für zehn Stunden Parkdauer bis zu zehn Franken an, hinzu kommen noch die Fahrticketkosten. Auch die Baselland Transport AG (BLT), die im Leimental zwei Park-and-Ride-Parkhäuser betreibt, verlangt für das Abstellen des Autos Geld.

In Weil am Rhein gilt grundsätzlich eine Parkraumbewirtschaftung, will heissen, auf öffentlichen Parkplätzen oder in Parkhäusern gelten die entsprechenden Tarif- und Parkdauerregelungen. Einzig beim Dreiländergarten gibt es noch eine kleine Zahl von kostenlosen Pendlerparkplätzen. Dort werde zurzeit noch keine Gebühr erhoben, heisst es bei der Stadt Weil am Rhein auf Anfrage. Doch das werde sich ändern. Und in der Gemeinde Riehen gibt es seit der Einführung der Parkkarten-Regelung für Pendler ebenfalls keine Möglichkeit mehr, das Auto abzustellen und mit dem ÖV zur Arbeit nach Basel zu fahren.

Zug beliebter als Tram

Bei der Communauté d’agglomération des Trois Frontières in Saint-Louis wird beobachtet, wer das Parkhaus nutzt. Es seien Pendler aus den Departementen Haut- und Bas-Rhin, aus Mulhouse und Strassburg oder aus dem Grenzgebiet zwischen Mulhouse und Basel. «Es gibt solche, die nehmen von hier aus das Tram, andere den Bus oder Zug», sagt Vaxelaire.

Er rechnet damit, dass die Zahl der Pendler, welche das Parkhaus nutzen, weiter ansteigen wird. «Zurzeit haben wir noch viele Pendler, die ihr Auto beim Schwimmbad von Saint-Louis in der Nähe vom Pfaffenholz abstellen, da dieser Parkplatz kostenlos genutzt werden kann. Demnächst führen wir dort aber ein Bezahlsystem ein, sodass dieses Parking für die Pendler nicht mehr attraktiv sein wird», sagt Vaxelaire.

Auch der freie Parkplatz vor dem Eingang des neuen Parkhauses beim Bahnhof wird verschwinden. Noch können dort rund 100 Fahrzeuge ohne zeitliche Einschränkung abgestellt werden. Ende Jahr wird die Fläche aber für einen Hotelneubau beansprucht.

Ein Augenschein der BaZ an zwei verschiedenen Wochentagen um 7 Uhr morgens ergab: Fast alle Pendler, die das Parkhaus benützen, gingen auf den Zug. Auf das Tram wartete kaum jemand. Für die BVB ist diese Beobachtung nicht repräsentativ. «Die Fahrgastzahlen entsprechen den Erwartungen, die im ersten Jahr einer neuen Linie wie dieser gestellt werden können», sagt BVB-Sprecher Benjamin Schmid. «Rechnet man die Zahlen der ersten Monate hoch, dürften es pro Jahr rund 200'000 zusätzliche Fahrgäste innerhalb Frankreichs sein und rund 350'000 bis 400'000 zusätzliche Fahrgäste, welche mit dem Tram über die Grenze fahren», sagt Schmid.

Diese Zahlen würden den Erwartungen der BVB entsprechen, die von rund 600'000 Fahrgästen zusätzlich pro Jahr ausgingen, heisst es. Die BVB rechnen damit, dass es ein bis zwei Jahre dauert, bis eine neue Verbindung oder ein neues Angebot von den Fahrgästen vollständig angenommen wird. «Dies trifft bei der Linie 3 besonders zu, da sie durch ein Gebiet führt, welches sich in den nächsten Jahren noch stark entwickeln soll und vor allem Pendlerinnen und Pendler anspricht, die ihre Gewohnheiten nicht von heute auf morgen ändern», so Schmid.

Der basel-städtische Pendlerfonds unterstützt noch drei weitere Projekte im grenznahen Ausland. Im elsässischen Bartenheim sowie in Südbaden in Schopfheim und Grenzach-Wyhlen sollen ÖV-Haltestellen sowie Auto- und Veloparkplätze entstehen. Bewilligt wurden dafür über 410'000 Franken.

Basler Zeitung

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