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Reklame für Bettfedern

Anstelle eines Reklamebildes für einen Bettfedernproduzenten wurde ein aufwendiges Wandbild gemalt.

Anstelle eines Reklamebildes für einen Bettfedernproduzenten malte Samuel Buri ein Gänseliesel mit Trompe-l’Œil-Effekt. Fotos: Dominik Heitz
Anstelle eines Reklamebildes für einen Bettfedernproduzenten malte Samuel Buri ein Gänseliesel mit Trompe-l’Œil-Effekt. Fotos: Dominik Heitz

Kein einziger Nagel, keine einzige Schraube, keine einzige Kupplung. Die Einzelteile des Gerüsts, das an dieser Wand steht, sind ausschliesslich mit Seilen kunstfertig zusammengebunden.

Es ist ein Gerüst alter Schule: aus Holzstangen und Holz­brettern – und für den Maler nur über eine Leiter erreichbar, um das hinter dem Gerüst sich befindende Wandgemälde fertig zu malen. Vom Maler fehlt allerdings jede Spur. Er macht wohl gerade Pause, denn auf dem unteren Bretterboden hat er Farbkessel, Pinsel, ­Wasserkrug und Entwurftafel stehen gelassen.

Das Gerüst mit seinen Schlagschatten ist allerdings nicht echt. Es ist gemalt. Das Gemalte täuscht dem Auge also etwas vor. In der Fachsprache nennt man das Trompe-l’Œil.

Zu verdanken ist das imposante Wandbild am Rheinsprung dem Kunstmaler Samuel Buri. Er hat es im Jahr 1978 gemalt. Dabei stand er allerdings nicht auf einem Holzgerüst, wie das Wandbild vorgibt, sondern auf einem metallenen. Das Bild mit dem Gänseliesel aber ist ­tatsächlich nachgemalt. Denn einst war an genau dieser Stelle genau dieses Bild in genau dieser Grösse zu sehen. Alfred Peter (1877–1959) war dessen Urheber.

Warum aber ausgerechnet das Gänseliesel? Das Haus zum Kranichstreit am Rheinsprung 9 gehörte einst dem Bettfedernproduzenten Paul Richter. Dieser liess das Haus seitlich erweitern und gab Alfred Peter den Auftrag, an der rheinsprungseitigen Wand dieses Anbaus ein grosses, plakatives Reklamebild zu malen – mit dem dazugehörigen, werbewirksamen Motto «Wenn wir keine Gänse hätten, gäb es nicht so gute Betten».

Fleiss vor dem Genie

Die Zeit zog ins Land. Das Wandbild war nicht mehr von Interesse und wurde übermalt. Als der Kunstkredit einen Wettbewerb für die Neugestaltung der Wand ausschrieb, verriet eines der Kunstkredit-Jurymitglieder dem Maler Buri, er sei eingeladen, und fragte ihn zum Spass: «Moolsch s wider aane?» Doch die Suche nach einer Abbildung des überstrichenen Bildes war ergebnislos. Erst ein Aufruf in der «Basler Zeitung» brachte eine alte Fotografie des Gänseliesels zutage. Buri konnte dadurch seinen Wettbewerbsentwurf rechtzeitig aktualisieren. Und gewann. In einem Artikel im Stadtbuch schrieb er später: «Dass mein Entwurf ausgeführt werden soll, ­verdanke ich wohl dem schwer schlagbaren Sujet und der sorgfältigen Ausführung. Fleiss wurde dem Genie vorgezogen.»

Buris Glück sollte auch die Kleinbasler Flachmalerdynastie Rudin in die Hände spielen. Diese hatte inzwischen die Dispersionsfarbe über dem Gänseliesel-Bild entfernt, was es Buri ermöglichte, eine Pause von den Konturen des Bildes zu machen.

Nachdem der ganze Verputz heruntergeschlagen, die Wand ausgeglichen und ein neuer Verputz angelegt worden war, konnte Buri mit seinem Wandbild loslegen. Die Reaktionen der Passanten waren unterschiedlich. Einer sagte kopfschüttelnd: «Haben Sie da extra das Bild in der Zeitung gesucht und jetzt malen Sie doch etwas anderes.» Und ein anderer: «Eine Flasche Wein müsst ihr noch hinmalen.»

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