Reicher Spender will, dass Basler Synagoge nach ihm benannt wird

Mit 1,5 Millionen Franken will ein anonymer Mäzen der Israelitischen Gemeinde finanziell unter die Arme greifen. Dafür verlangt er eine Gegenleistung: die Bezeichnung «Beth Joseph».

Seit über 150 Jahren gehört die Synagoge zu Basel.

Seit über 150 Jahren gehört die Synagoge zu Basel.

(Bild: Tamedia-Archiv)

Mischa Hauswirth

Die Debatte war kontrovers. Die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) musste sich am Mittwochabend entscheiden: Wollen wir das Geld annehmen und auf die Forderung eintreten oder nicht? Provoziert hat die Frage ein anonymer Grossspender, dessen Identität nur dem IGB-Vorstand bekannt ist. Er will der IGB 1,5 Millionen Franken verteilt auf 15 Jahre zukommen lassen, wenn sie dafür ist, die Synagoge umzubenennen. Das 1866 erbaute und 1892 mit einer zweiten Kuppel versehene Gotteshaus soll neu «Beth Joseph», zu Deutsch «Haus des Joseph», heissen. Bisher war der Bau als «Grosse ­Synagoge» oder «Basler Synagoge» bekannt. Obwohl sich die finanzielle Situation der IGB dank der Hilfe des Kantons in Sachen Sicherheit, eine Neuorganisation des Steuersystems und mehreren Zuwendungen merklich ­entspannt hat, haben die anwesenden Mitglieder an der GV der Umbenennung mit grosser Mehrheit zugestimmt und so den IGB-Vorstand ermächtigt, auf weitere Verhandlungen mit dem Spender einzutreten.

Manuel Battegay, der ehemalige IGB-Präsident, begrüsst die Unterstützung. «Nachdem der Kanton Basel-Stadt die Sicherheitskosten weitgehend übernommen hat, sind wir bei angespannter Finanzsituation der IGB intensiv auf Sponsorensuche ­gegangen und froh um diesen grossen Beitrag», sagt er auf Anfrage. «Der Spender will aber keine Diskussion um seine Person, später aber aus der ­Anonymität heraustreten.» Der Vor­name des Spenders ist ­Joseph, wer aber genau dahintersteckt, ist unklar; erste Spekulationen um Namen werden bereits herumgeboten.

Die Frage nach der Integrität

Die hohen Sicherheitskosten sind aber nur ein Teil der Geschichte, warum der IGB in eine finanzielle Notlage geriet. Eine weitere Ursache für die finanziellen Probleme ist der Mitgliederschwund, der verminderte Steuereinnahmen zur Folge hat. Vor allem wegen Überalterung und Auswanderung ist die Zahl der IGB-Mitglieder in den letzten 15 Jahren von 1400 auf unter 900 gesunken. Dazu kamen in der letzten Zeit strukturelle Probleme in der IGB-Verwaltung.

Battegay verweist darauf, dass eine solche Umbenennung keineswegs ungewöhlich sei. «Es gibt auch andere Synagogen, die nach Personen oder biblischen Figuren benannt sind. Vorgesehen ist die heutige Bezeichnung mit Zusatz», sagt Battegay.

Auch wenn die Umbenennung von Synagogen und Gemeindezentren nach Spendern in den USA und Israel sowie im orientalisch-jüdischen Kulturkreis üblich ist, so sind solche Namensgebungen in der in Basel vorherrschenden elsässisch-süddeutschen ­jüdischen Tradition eher ungewohnt. So waren an der Versammlung auch kritische Stimmen zu hören. «Wenn man sich für so etwas entschliesst, dann muss die Integrität dieses Spenders vollumfänglich gewähr­leistet sein», sagt Gabriel Heim, IGB-Gemeindemitglied und ­Basler Publizist. «Wir haben als Gemeinde ja keinen Einblick in die Motivation dieses Spenders.»

Namen sind nicht geschützt

Einer offiziellen Namensänderung dürften keine behörd­lichen Auflagen in die Quere kommen. Auch wenn die Basler Synagoge ein Kulturgut von nationaler Bedeutung ist und in der Liste der A-Objekte im Kanton Basel-Stadt aufgeführt wird, so seien nicht Namen geschützt, «sondern die Objekte an sich». Der Gattungsbegriff Synagoge jedenfalls bleibe bestehen, so das Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt.

An der IGB-Versammlung war auch die Suche nach einem neuen Präsidenten ein Thema, da Manuel Battegay per Mittwoch zurückgetreten ist. Als Ersatz für Battegay hat sich Emmanuel Ullmann beworben, Vizepräsident und Kassier der Grünliberalen Partei Basel-Stadt. Die Wahl findet am 19. Januar 2020 statt.

Basler Zeitung

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