Raucher hebeln das Rauchverbot aus

Basler Party-Veranstalter können bei grossen Besucherzahlen die Vorschrift nicht durchsetzen.

Ansteckend: Wenn eine Raucherin in einem Club ihrem Laster fröhnt, ziehen andere Besucher rasch mit.

Ansteckend: Wenn eine Raucherin in einem Club ihrem Laster fröhnt, ziehen andere Besucher rasch mit.

(Bild: Keystone)

Martin Regenass

Kraftvoll drücken die Bässe während der Show von Reggae-Sänger Phenomden und den Scrucialists auf die Magengegend der Zuhörer. Die Stimmung im Rossstall der Kaserne ist ausgelassen. Im hinteren Bereich des Publikums steckt sich einer eine Zigarette an. Weitere folgen seinem Beispiel. Mit der Zeit hängt eine leichte Rauchfahne in der Luft. Eigentlich gilt hier seit dem 1. April 2010 ein Rauchverbot.

Diana stört sich am Qualm: «Ich habe Mühe zu atmen. Die Luft ist schlecht.» Weniger schlimm ist es für Rachel. Die Konzertbesucherin sagt, die Luft sei viel besser als vor der Einführung des Rauchverbots. Ein bisschen befürwortet sie den Duft der Zigaretten auch. «Er übertüncht andere menschliche Gerüche wie Schweiss», so die junge Frau.

«Wir weisen auf das Verbot hin»

Keine Mühe mit dem Rauch hat Dani. Er hat während des Konzerts selbst die eine oder andere Zigarette geraucht. Seine Begründung: «Andere tun es auch.» Dem Geschäftsführer der Kaserne Basel, welcher der Rossstall angehört, ist der Sachverhalt bekannt. «Es ist ein Problem», sagt Thomas Keller. Zwar versuche die Security, das Rauchverbot gezielt durchzusetzen, wenn sich jedoch 600 Leute im Publikum befinden wie beim Phenomden-Konzert, werde es schwierig, die Raucher herauszupicken. «Dann entwickelt sich ein Flächenbrand», sagt Keller. Es komme allerdings stark auf das Publikum und das Konzert an, wie viel geraucht werde. Das Phänomen ist auch im Sommercasino bekannt, wo in den Innenräumen Rauchverbot herrscht.

Rund zehn Prozent der Besucher versuchten dennoch zu rauchen, sagt der Co-Leiter der Veranstaltungen, Lukas Schweizer. «Wir haben ein Auge darauf und weisen die Leute bei Möglichkeit auf das Verbot hin. In der Regel zeigen sie Verständnis.» Aber auch hier kann der Veranstalter von Konzerten und Partys nicht ganz verhindern, dass geraucht wird. Auch in der Hinterhof Bar wird teilweise geraucht. «Bei gut besuchten Veranstaltungen ist es schwierig, das Rauchen zu hundert Prozent einzudämmen», sagt Geschäftsführer Lukas Riesen. Der Hinterhof versucht, den Rauchern mit Verbotsschildern sowie Verweisen des Sicherheitspersonals entgegenzutreten. Wenn Riesen dem Rauchen ganz den Garaus machen wollte, dann müsste er mehr Personal aufbieten. Eine Kostenfrage.

Fümoar verwischt Rauchverbot

Ein Grund dafür, dass in zahlreichen Lokalen illegal geraucht wird, liegt wohl in der Gruppendynamik, welche die Hemmungen, eine Zigarette anzuzünden, herabsetzt. Einen weiteren Grund für das Problem mit den Rauchern sehen die Veranstalter in der speziellen Raucherregelung, die der Verein Fümoar in Basel herbeiführt. Dieser erlaubt das Rauchen für Inhaber einer Mitgliedschaft in verschiedenen Restaurants, Clubs und Bars. «Die aktuelle Situation in Basel gaukelt den Leuten vor, dass gar kein Nichtraucher-Gesetz besteht», sagt Riesen vom Hinterhof. Und Keller von der Kaserne doppelt nach: «Der Verein Fümoar sensibilisiert die Leute nicht dahingehend, dass sie eigentlich draussen rauchen sollten. So verschwimmt das Rauchverbot in den Köpfen der Leute.»

Thierry Julliard, Präsident des Vereins Fümoar, reagiert gereizt auf diese Anschuldigungen: «Eine Frechheit, andere verantwortlich zu machen für die eigene Unfähigkeit, das Rauchverbot durchzusetzten.» Wenn sie das Problem nicht im Griff hätten, dann sollten sie dem Verein beitreten. Die Betreiber des «Hinterhofs» haben diesen Versuch einmal unternommen. Allerdings waren der Erklärungsbedarf beim Publikum zu gross und die Rauchbelastung für das Personal unangenehm, so Riesen. Teilweise bitten auch andere Besucher die Raucher, das Qualmen zu unterlassen. Das hat während des Phenomden-Konzerts beispielsweise Jeanne erlebt. «Einer hat mich angemotzt, ich solle meine Zigarette ausmachen. Ich habe ihm gesagt, dass ich das erst tun werde, wenn sie runtergebrannt ist.» Es sei logisch, dass Raucher in Clubs trotz Rauchverbot rauchten, wenn es dunkel sei und der Alkohol enthemmend wirke, sagt Gastrounternehmer Simon Lutz von der Kuppel: «Der Gehorsam hat gewisse Grenzen.»

Basler Zeitung

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