Rassismusvorwürfe gegen Guggen wecken Widerstand

Sympathisanten der Guggen Negro Rhygass und Mohrekopf rufen für heute um 20 Uhr zu einem Solidaritätsmarsch auf.

Sogar die Facebook-Seiten der beiden Guggen sind vom Netz genommen worden.

Sogar die Facebook-Seiten der beiden Guggen sind vom Netz genommen worden.

(Bild: Keystone)

Wieder einmal kocht eine Rassismusdebatte. Dieses Mal geht es allerdings nicht um Fussballspieler oder um Migranten, sondern um ein urbaslerisches Thema: die Fasnacht.

Als letztes Wochenende ein Medizinstudent am alljährlich stattfindenden Fest der Guggenmusik Negro Rhygass auf das Logo der beliebten Traditionsgugge – schwarzer Mann mit Bastrock und einem Knochen in den Haaren – aufmerksam wurde, war er schockiert.

Der anschliessende Bericht in der Gratiszeitung 20minuten.ch, in der sich der empörte Student zitieren liess, löste eine breite Rassismusdebatte aus. Die sozialen Medien quollen vor Reaktionen und Kommentaren regelrecht über, und es kam sogar zur Sperrung der Facebook-Seite der Negro Rhygass. Diesen Schritt macht Facebook nur dann, wenn eine Seite von einer grösseren Anzahl von Personen gemeldet wird. Bis heute bleibt die Seite nicht aufrufbar, und der Obmann des Vereins erklärte, dass man über einen Namenswechsel nachdenke.

Debatte zieht weitere Kreise

Den Namen wechseln sollte die Gugge auf jeden Fall, wird auf der Internetseite onlinepetition.eu gefordert. Dort läuft eine Petition, welche «die Änderung der Clique Negro Rhygass und des Negro-Fescht!» fordert. Die Petition richtet sich an die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus, das Fasnachts-Comité und die Polizei Basel-Stadt. Gestern waren von den 2000 angestrebten Unterschriften etwas mehr als sechzig Prozent erreicht.

Auch die Gugge Mohrekopf konnte sich der Debatte nicht entziehen; ihre Facebook-Seite ist ebenfalls vom Netz genommen worden. Die Obmänner beider Guggen berichteten in der BaZ von gestern übereinstimmend, dass es zwar in der Vergangenheit Kritik gegeben habe, diese aber im Moment völlig neue Dimensionen annehme. Anders als die Negro Rhygass kündete die Gugge Mohrekopf allerdings an, ihren Namen behalten zu wollen.

Auf das Thema angesprochen, sagt Nicolas Eichenberger, Präsident der Juso Basel-Stadt: «Ich finde beide Namen klar rassistisch. Als Mitglied der Gugge würde ich mich für eine Namensänderung starkmachen.» Dass für die Rechtfertigung der Namen der Begriff der Tradition bemüht werde, zeige, dass andere Argumente fehlten, denn: «Nichts kann durch Tradition legitimiert werden», so Eichenberger.

Vorwürfe kommen nicht gut an

Heidi Mück, Co-Präsidentin der BastA!, tut sich mit einer Einschätzung schwerer: «Einerseits habe ich Verständnis dafür, dass es sich um eine Basler Tradition handelt und die Namen der Guggen schon seit Jahrzehnten existieren.» Gleichzeitig finde sie es verständlich, wenn sich Schwarze durch das Logo der Negro Rhygass seltsam wiedergegeben fühlten, so Mück.

Anders scheinen es die Menschen auf der Strasse zu sehen. Diesen Eindruck erhält jedenfalls, wer sich in der Basler Innenstadt umhört.

So haben Sofie (20) und Fiona (21) bis vor zwei Jahren gar nicht gewusst, dass das Wort «Mohrenkopf» von manchen Menschen als problematisch angesehen wird. Fiona ergänzt: «Letztlich ist wohl entscheidend, was die Gründer der Guggen mit dem Namen verbanden.»

Auch Vincenzo (31) kann der Kritik nicht viel abgewinnen: «Wenn man das zu Ende denkt, müsste man ja letztlich an der Fasnacht ein komplettes Diskriminierungsverbot einführen. Und was wären schon Schnitzelbänke ohne Witze über Deutsche und Zürcher?»

Sein Freund Roger (40) pflichtet ihm bei: «Dann dürfte man ja in Zukunft beispielsweise auch nicht mehr vom Schwarzfahren sprechen.»

Ähnlich sehen es Brigitte (77) und Hans-Peter (71). «Das kann es nicht sein», sagen sie. «Diese Debatte ist völlig ‹biirewaich› und masslos übertrieben.» Dieser Meinung schliesst sich auch Michel (33) an: «Ich sehe hier keinen Rassismus.»

Solidarität mit Guggen

Inzwischen hat sich sogar aktiver Widerstand gegen die Rassismusvorwürfe gebildet. Auf Facebook ist gestern zu einem Solidaritätsmarsch für die Guggenmusiken aufgerufen worden. Er soll heute um 20 Uhr bei der De Wette-Strasse. Einige Hundert Facebook-Nutzer haben inzwischen ihre Sympathien für die Veranstaltung bekundet.

Jessica Nagele, die zum Marsch aufgerufen hat, sagt zur BaZ, dass man ein Zeichen gegen die Rassismusvorwürfe setzen wolle. Inzwischen hätten bereits zwei Guggen aus Stadt und Land ihre Teilnahme bestätigt. Wer tatsächlich kommt, wird sich morgen zeigen.

Basler Zeitung

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