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Rassismusdebatte erreicht Fasnacht

Die Basler Traditionsgugge Negro Rhygass diskutiert im Verein über eine Namensänderung.

Alessandra Paone
«Wir verurteilen Rassismus aufs Schärfste.» Die Gugge Negro Rhygass am Basler Cortège vor vier Jahren.
«Wir verurteilen Rassismus aufs Schärfste.» Die Gugge Negro Rhygass am Basler Cortège vor vier Jahren.
Pierre Stoffel

Wer gestern die Webseite der Basler Gugge Negro Rhygass besuchen wollte, bekam die Meldung «Not found» – nicht gefunden. Die Seite war am Morgen vom Netz genommen und die Facebook-Seite deaktiviert worden. Der Grund dafür sind der Name und das Logo der Traditions-Guggemusig, ein schwarzes Männchen im Bastrock, die in den sozialen Medien eine Rassismusdebatte ausgelöst haben.

Am vergangenen Wochenende fand wie jedes Jahr das Fest der Gugge, «Es nätts Negro-Fescht», statt. Als ein Medizinstudent zufällig das entsprechende Plakat sah, war er schockiert und meldete sich bei 20minuten.ch. «Wie ist es möglich, dass ein solches Logo an einem Volksfest verwendet werden darf?», liess sich der junge Mann in einem gestern am frühen Morgen veröffentlichten Artikel zitieren. Es zeige eine schwarze Person, die die Trommel schlägt. «Das stellt ganz klar einen Sklaven aus der Kolonialzeit dar.»

Niggi Schmieder, Obmann der Negro Rhygass, nimmt die Debatte sehr ernst. Rassismus, Sexismus und alle Formen von Diskriminierung würden heute glücklicherweise offen diskutiert. «Insofern nehme ich das nicht als Hysterie wahr; es sind zurecht äusserst sensible Themen», sagt er. Der Fasnächtler ist seit vier Jahren Obmann, seit 21 Jahren gehört er dem Verein an und sagt deshalb dezidiert: «Negro Rhygass verurteilt Rassismus aufs Schärfste und distanziert sich in aller Form davon.»

Name wird diskutiert

In den vergangenen Jahren habe es nur ganz wenige Reklamationen wegen des Logos und des Namens gegeben. Umso zahlreicher seien aber die Reaktionen in den letzten Tagen gewesen – nicht nur von Kritikern, sondern auch von vielen Unterstützern wie Cliquen, Guggen und sonstigen befreundeten Vereinen. Ob Negro Rhygass an ihrem Namen festhalten wird, kann Niggi Schmieder als Obmann nicht entscheiden. «Wir werden im Verein darüber diskutieren», sagt er.

Ein besorgter Bürger, vielleicht derselbe, der sich bei 20minuten.ch meldete, kontaktierte auch den Kanton, wie die Sprecherin des Präsidialdepartements, Melanie Imhof, auf Anfrage der BaZ bestätigt. «Wir nehmen Bürgeranfragen sehr ernst», sagt sie. Solche Hinweise würden in der Regel an die Nordwestschweizer Beratungsstelle gegen Diskriminierung und Rassismus weitergeleitet. Imhof geht nicht davon aus, dass der Name und das Logo strafrechtlich relevant seien – «auch wenn sie aus heutiger Sicht nicht mehr adäquat sind».

Bei der Beratungsstelle «Stopp Rassismus» gingen laut 20minuten.ch neben jener des Kantons weitere Hinweise ein. Die Fachstelle wollte gestern auf Anfrage aber keine Stellungnahme abgeben. Der zuständige Leiter Johann Göttl habe ein Arbeitspensum von nur 30 Prozent und sei derzeit nicht im Haus, hiess es.

Von der aktuellen Rassismusdebatte ist auch die Gugge Mohrekopf nicht verschont worden. Ihre Facebookseite wurde ebenfalls vorübergehend deaktiviert, funktioniert aber inzwischen wieder. «Wir haben sofort interveniert, als wir die Nachricht von Facebook erhalten haben», sagt Daniel Bachmann. Er ist seit 18 Jahren Obmann der Gugge Mohrekopf. In den letzten fünf Jahren habe es immer wieder Leute gegeben, die sich am Namen gestört haben. «Doch jetzt artet die Diskussion total aus. Sie wird offensichtlich von Leuten geführt, die sich über Rassismusthemen profilieren wollen», sagt er. Als Nächstes müssten wahrscheinlich die Wappen mancher Schweizer Gemeinden geändert werden, die Motive von Mohren zeigen.

Kein Verständnis für Hysterie

Für Daniel Bachmann steht fest: Die Gugge wird an Mohrekopf festhalten. Die Idee für den Namen sei entstanden, erzählt der Obmann, weil ein Gründungsmitglied, ein Bäckerlehrling, immer Mohrenköpfe zu den Treffen mitgebracht habe, die zwar abgelaufen, aber immer noch geniessbar waren. Von einem rassistischen Hintergrund also weit entfernt. «Hätte er Meitlibei mitgebracht, hätten wir vermutlich so geheissen. Und dieser Name wäre heute wiederum als sexistisch kritisiert worden», sagt Bachmann.

Beim Basler Fasnachts-Comité reagiert man überrascht auf die heftige Rassismus-Debatte. Die Namen der Cliquen und Guggen waren bisher kaum ein Thema. Obfrau Pia Inderbitzin zeigt denn auch kaum Verständnis für die Hysterie. Obwohl ihr bewusst ist, dass sich der gesellschaftliche Konsens ändert. Auf den Fasnachtsquerschnitt von Telebasel, in dem die Gugge Negro Rhygass einen prominenten Auftritt hatte, habe es aber keine Reaktionen gegeben. Dabei hätten Tausende Menschen den Beitrag gesehen.

Das Fasnachts-Comité wird vorerst nichts unternehmen. Auch weil es nicht für die Namen verantwortlich ist. «Wir sind keine Zensurbehörde. Wir intervenieren auch nicht bei den Sujets», sagt Inderbitzin. Das Comité reagiere erst dann, wenn es um etwas strafrechtlich Relevantes gehe. Doch davon sei man in diesem Fall weit entfernt.

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