Psychiatrie Baselland baut mit mehrjähriger Verspätung

Die Baustelle für den Ersatzbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Liestal konnte wegen eines Einsprache-Marathons von Anwohnern erst gestern eröffnet werden.

Mit den Regierungsräten Sabine Pegoraro (3.v.l.) und Thomas Weber (3.v.r.) setzen Vertreter der Psychiatrie Baselland zum Spatenstich an.

Mit den Regierungsräten Sabine Pegoraro (3.v.l.) und Thomas Weber (3.v.r.) setzen Vertreter der Psychiatrie Baselland zum Spatenstich an.

Die rund 45-jährige, sanierungsbedürftige Liegenschaft der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) sei seit Jahren «alles andere als eine ideale Unterkunft, um unsere jungen Patientinnen und Patienten zu behandeln», so Hans-Peter Ulmann, Geschäftsführer der Psychiatrie Baselland. Die kleinen, zum Teil von zwei Personen belegten Patientenzimmer mit Kajüten-Betten, der ungeeignete Grundriss der Abteilung und die unpraktische Anordnung der Räume hätten die Behandlung der Patienten zusätzlich erschwert.

Notorische Einsprachen

Doch dies hat bald ein Ende. Schon im Dezember 2020 soll das neue Zentrum bezugsbereit sein, erklärt Ulmann kurz vor dem Spatenstich zum Bau des neuen KJP-Gebäudes. Errichtet wird die Liegenschaft, die schon längst stehen könnte, durch das Architekturbüro Phalt aus Zürich/Solothurn. Das Projekt wurde bereits im Frühling 2014 aus den Vorschlägen von zehn Mitbewerbern zur Weiterbearbeitung ausgewählt und den Medien und Nachbarn vorgestellt. Letztere waren vom Standort neben dem Röserenbach nicht begeistert und erhoben Einsprache gegen das Projekt. Diese Ein­sprache wurde im Herbst 2015 vom Bauinspektorat in allen Teilen abgewiesen. So tat es auch die nächste Instanz, die Bau­rekurskommission im März 2016. Ein Jahr später folgte auch das Kantonsgericht.

Eine Sache musste dann allerdings noch rechtlich geklärt werden: Der Abstand des Neubaus zum Röserenbach entsprach zwar dem kantonalen Gewässergesetz. Doch das kantonale Recht wurde nicht bundesrechtskonform umgesetzt. Der Kanton handelte schnell und schied in einem separaten Verfahren den Gewässerschutzraum für die Psychiatrische Klinik aus, und zwar für ein Gebiet, für das er die Planungshoheit hat. Gleichzeitig leitete er eine Änderung des kantonalen Raumplanungs- und Baugesetzes in die Wege, um den Gewässerschutz gemäss Bundesrecht umzusetzen.

Im Dezember 2017 legte die Anwohnergruppe erneut Einsprache gegen den kantonalen Nutzungsplan ein – wiederum bis vor das Kantonsgericht, das die Beschwerde vergangenen Herbst wiederum abwies. Das war es dann.

Ulmann betonte, dass die Architekten Rücksicht auf die Einsprecher nehmen: Mit dem fünfeckigen Bau «vermeiden wir, dass sich unsere Nachbarn mit einer Wand konfrontiert sehen». Die abgewinkelte Bauform lasse den Blick ins Grüne zu einem guten Teil offen.

Etwas mehr Betten

Die viergeschossige Liegenschaft, mit einem Atrium ausgestattet, beheimatet eine Psychotherapiestation mit acht Betten für Jugendliche mit schweren Essstörungen, sowie eine Akutstation für junge Patientinnen und Patienten mit schweren Essstörungen und für Patienten in unterschiedlichsten Krisensituationen mit zwölf Betten. Hinzu kommen Sitzungs- und Mehrzweckräume sowie Büros. Die Bettenzahl wird nur unwesentlich von 17 auf 20 erhöht. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der ambulanten und stationären Patienten im KJP auf 3124 Kinder und Jugendliche angestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 32,5 Prozent.

Nicht nur für die Patienten bringt der Ersatzbau die nötigen Verbesserungen. Auch für die Eltern und die weiteren Angehörigen bedeutet der neue Standort eine Erleichterung, ebenso für die Mitarbeitenden. «Die Patienten sollen auch in Zukunft von einer hohen Behandlungskapazität profitieren», so Gesundheitsdirektor Thomas Weber, der zusammen mit der Bau- und Umweltschutzdirektorin, Sabine Pegoraro, sowie mit Landratspräsident Hannes Schweizer dem Anlass beiwohnte. Die Kosten für den Neubau betragen 12 Millionen Franken.

Basler Zeitung

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