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«Probleme anpacken statt nur jammern»

Gastronomin Pia Elia kandidiert für das Wirteverbandspräsidium. Es brauche eine positivere Grundhaltung, fordert sie.

Christian Keller
Mehr Herzblut und Berufsstolz. Die 63-jährige Pia Elia will als Präsidentin des Basler Wirteverbands einen «lösungsorientierten Kurs» einschlagen.
Mehr Herzblut und Berufsstolz. Die 63-jährige Pia Elia will als Präsidentin des Basler Wirteverbands einen «lösungsorientierten Kurs» einschlagen.
Dominik Plüss

Eigentlich galt es als Formsache: Wenn Wirteverbandspräsident Josef Schüpfer diesen Sommer zurücktritt, wird er den Stab an Maurus Ebneter weiterreichen. Dieser amtet seit 2004 als Delegierter des Vorstandes und ist die Schaltzentrale innerhalb des Verbandes. Bei allen wichtigen Geschäften laufen bei Ebneter, der auf Mandatsbasis angestellt ist, die Fäden zusammen. Der fünfköpfige Vorstand hat ihn denn auch bereits vor einem Jahr offiziell als Nachfolger Schüpfers nominiert. Die Wahl soll an der Generalversammlung vom 26. Juni im Restaurant Volkshaus erfolgen.

Nun wird die Ausgangslage allerdings spannender als bislang angenommen: Die Basler Gastronomin Pia Elia kündigt gegenüber der BaZ überraschend an, sich ebenfalls für das Präsidium zu bewerben. Die 63-jährige gebürtige Bernerin betreibt seit 2002 das für seine spanischen Spezialitäten bekannte Restaurant Tapas del Mar Spalenburg. «Ich habe mir lange überlegt, ob ich für die Verbandsspitze kandidieren soll und ob ich einer solchen Aufgabe überhaupt gewachsen wäre. Inzwischen bin ich zur Überzeugung gelangt, dass es dem Wirteverband nicht schaden kann, wenn etwas frischer Wind hineinkommt. Ich fühle mich hoch motiviert und habe schliesslich nichts zu verlieren.»

Pia Elia ist seit über 20 Jahren in der Basler Gastronomie tätig. Sie war Pächterin des Restaurants Tennis Club Old Boys und wirtete im Restaurant zum Schmalen Wurf, ehe sie vor 16 Jahren die «Spalenburg» übernahm. Zudem hat die zweifache Mutter 2015 ihren Sohn Fabio dabei unterstützt, das «Kornhaus» mit typischen Altbasler Gerichten zu neuem Leben zu erwecken.

«Als Gastro-Unternehmerin bin ich täglich am Puls des Geschehens. Diese Praxisnähe erachte ich als grundsätzliche Voraussetzung für das Wirtepräsidium», sagt Elia. Sie ist eine Frau, die unter Dauerstrom steht: zugänglich, selbstbewusst, voller Energie – und mit einem ansteckenden Lachen. «Würde ich gewählt, wäre es mein Ziel, eine positivere Grundhaltung in den Verband zu bringen. Es wird mir in der lokalen Beizenszene zu oft gejammert und zu oft nach Sündenböcken gesucht: Mal ist der tiefe Euro schuld am miesen Geschäftsgang, mal ist es der Staat mit seinen vielen Regulierungen.»

Negativhaltung schade Branche

Diese Negativhaltung führt laut Elia insgesamt zu einem schlechten Image der Branche. «Wir sollten lösungsorientiert und nicht problemorientiert an Herausforderungen herangehen. Damit kommen wir weiter als umgekehrt.» Sie wolle ihre ganze Erfahrung einbringen, um Wirte dabei zu unterstützen, erfolgreich Geschäfte zu machen. Hier sei auch der Verband gefragt: «Er muss mit Herzblut, Leidenschaft und Berufsstolz auftreten. Das erweckt Sympathien und hilft, unsere Anliegen in Politik und Wirtschaft besser durchzusetzen.»

Elia hat am letzten Donnerstag Maurus Ebneter persönlich über ihre Ambitionen informiert. Ein Co-Präsidium, wie sie als Variante einbrachte, hält dieser allerdings für ungeeignet. Am 26. Juni kommt es deshalb wohl zu einer Kampfwahl. «Es ist grundsätzlich zu begrüssen, dass die Mitglieder des Wirteverbands eine Auswahl haben», sagt Ebneter zur BaZ. Aufgrund der «einstimmigen Unterstützung» durch den Vorstand sehe er sich «in der Favoritenrolle».

Konkurrent will an Kurs festhalten

Sein Bezug zur Gastronomie ist ebenfalls intensiv: Aufgewachsen in einem von den Eltern geführten Hotel im Appenzellerland, hat Ebneter während zwölf Jahren selbstständig Betriebe in Basel geführt. Er sitzt im Verwaltungsrat der «Walliser Kanne» und führt immer wieder Beratungsmandate aus. Im Unterschied zu Elia will Ebneter am bisherigen Kurs festhalten: «Ich verstehe mich als Interessenvertreter, der die Anliegen der Verbandsmehrheit bestmöglich einzubringen hat. Dieses Rollenverständnis würde ich als Präsident weiter pflegen», hält er fest.

Die Inhaberin der «Spalenburg» beziffert ihre Wahlchancen derweil auf 50 Prozent. Elia, Mitglied bei der Basler CVP, will in den nächsten Wochen innerhalb ihres Netzwerkes für grösstmögliche Unterstützung lobbyieren. Dabei wird sie auch ein Argument einbringen, welches ihr als überzeugter Kämpferin für die Gleichstellung von Mann und Frau sowie als ehemaliger Präsidentin des Basler Frauenrats am Herzen liegt: «Ich bin wahrlich keine Emanze, aber es kann dem männerdominierten Wirteverband nicht schaden, wenn seine Frauenquote in den nächsten Jahren steigt.»

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