Pro Velo bittet Dürr und Wessels aufs Velo

Nach einem kritischen BaZ-Artikel über ungezogene Velofahrer reagieren Veloverbände. Sie fordern Regierungsräte dazu auf, für Fahrradfahrer gefährliche Verkehrssituationen zu begutachten.

Sollen sich laut Pro Velo und dem VCS eine weitere Baustelle ansehen: SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels (l.) und FDP-Polizeidirektor Baschi Dürr.

Sollen sich laut Pro Velo und dem VCS eine weitere Baustelle ansehen: SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels (l.) und FDP-Polizeidirektor Baschi Dürr.

(Bild: Dominik Plüss)

Martin Regenass

Verbotenerweise durch die Fussgängerzone in der Freie Strasse radeln, auf dem Trottoir nicht absteigen, an einer Haltestelle an den offenen Tramtüren vorbeifahren oder nachts ohne Licht unterwegs sein: Velofahrer praktizieren Verstösse gegen die Strassenverkehrregeln zu jeder Tageszeit und en Masse. Die BaZ berichtete am Donnerstag über einen Mann, der solche Übertritte an neuralgischen Punkten in der Innenstadt zählte.

Die Velolobby um Pro Velo beider Basel und den Verkehrsclub der Schweiz Sektion beider Basel (VCS) finden an dem kritischen Artikel keinen Gefallen. Wie die Organisationen in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben, sollten Velofahrer nicht «pauschal verunglimpft» werden, da in dem Artikel Velofahrer unter anderem als «gesetzlos» und «verhaltensgestört» bezeichnet wurden.

Vielmehr sollte man sich gemäss Pro Velo und dem VCS um Lösungen für das offensichtliche Problem bemühen. In diesem Sinn haben die beiden Organisationen bereits im letzten Jahr die sogenannte Velo-Charta lanciert. Dort können Leute unterschreiben, die einen gepflegten Fahrstil gegenüber Fussgängern und anderen Verkehrsteilnehmern praktizieren und die Verkehrsregeln einhalten. Wie viele Velorowdys sich von ihrem gesetzbrecherischen Verhalten dank dieser Charta bereits haben umstimmen lassen und nicht mehr bei Rot über die Ampel fahren, ist in der Mitteilung nicht überliefert. Diese Velo-Charta soll jedenfalls dazu beitragen, dass sich die Velofahrer an der Nase nehmen und die Regeln beachten.

Fehlverhalten wird rechtfertigt

Pro Velo und der VCS lancieren nun eine neue Idee und wollen den FDP-Polizeidirektor Baschi Dürr und SP-Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels für ihre Zwecke einspannen. Die beiden sollen sich allerdings nicht die im Artikel angesprochenen Rowdy-Hotspots anschauen und Massnahmen dagegen treffen. Vielmehr sollen die Regierungsräte mit Vertretern von Pro Velo und dem VCS eine kleine Velotour durch die Stadt machen, um sich Stellen auf den Strassen anzusehen, die für Velofahrer besonders gefährlich sind.

Wie es in der Medienmitteilung heisst, soll Dürr und Wessels damit aufgezeigt werden, wo es zusätzliche Infrastruktur und Umplanungen für Velofahrer braucht. «Wir möchten dabei insbesondere aufzeigen, wie auf gefährlichen Kreuzungen, Kreiseln und Einfahrten mehr Sicherheit geschaffen werden kann, damit die Velofahrenden nicht mehr aufs Trottoir oder in Fussgängerzonen ausweichen», rechtfertigt Pro Velo und der VCS das im BaZ-Artikel dargestellte Fehlverhalten ihrer Klientel.

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