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Für Menschen gefährlicher Ahornpilz in Basel aufgetaucht

Die Sporen dieses eingeschleppten Schädlings können Krankheiten auslösen. Die Stadtgärtnerei musste einen Bergahorn in einer Notfällung zerstückeln und verbrennen.

Besondere Schutzvorkehrungen waren fnotwendig, da die Pilzsporen gefährlich sind. Foto: Mischa Hauswirth
Besondere Schutzvorkehrungen waren fnotwendig, da die Pilzsporen gefährlich sind. Foto: Mischa Hauswirth

Bevor die Motorsäge gestartet werden konnte, mussten die Mitarbeiter der Baumpflegegruppe Ost Einwegschutzanzüge anziehen, als wären sie bei der kriminalistischen Spurensicherung. «Diese Schutzmassnahme ist notwendig, weil wir davon ausgehen müssen, dass Pilzsporen freigesetzt werden, sobald wir am Baum arbeiten.»

Darum hiess es am Freitagmorgen beim Viadukt, das vom Bahnhof Richtung Pauluskirche führt: Schutzmasken tragen. Der Bergahorn ist knapp 40 Jahre alt und nur noch ein dürres Gerippe. «Schon im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass es ihm nicht gut geht. Den Pilzbefall haben wir erst kürzlich entdeckt», sagt Meinrad Gunti von der Stadtgärtnerei Basel.

Schwarze Flecken

Aus dem Stamm des Baumes wachsen nicht auffällige Pilzkörper, wie sie von der Morchel oder dem Champignon bekannt sind. Es sind viel mehr schwarze Flecken, die den Stamm bedecken. Russrindenkrankheit heisst diese Pilzerkrankung – und die hat es in sich.

Die Sporen dieses Schädlings können nicht nur für die unterschiedlichen Ahornarten gefährlich werden, sondern auch für den Menschen, wenn die Sporen in die Lungen gelangen. «Wir müssen mit Schutzanzügen und Atemschutzmasken arbeiten, und das Astmaterial und den Stamm bringen wir in die Verbrennungsanlage», so Gunti.

Damit der Stamm, der am stärksten vom Pilz befallen ist, nicht zu viele Sporen abgibt, spritzte ein Mitarbeiter ihn zuerst mit Wasser aus einem Feuerwehrschlauch ab. Dann trug Baumpfleger Marco Hug die dürren Äste von einer Hebebühne aus ab, bevor er dann den Stamm in drei Stücken abtragen konnte, während der Greifarm des Lastwagens den Baum festhielt, damit der abgesägte Stammteil nicht auf die Strasse rollt. Für den Verkehr war die Durchfahrt nicht gesperrt.

Berg-Ahorne, besonders die jüngeren, scheinen ausserordentlich anfällig für einen solchen Pilzbefall zu sein, sobald sie unter Trockenheitsstress leiden. Bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) laufen die Meldungen über die Russrindenkrankheit zusammen, auch wenn die Krankheit nicht meldepflichtig ist. «Wir beobachten seit ein paar Jahren immer wieder Einzelfälle, vor allem im Tessin und in der Westschweiz», sagt Valentin Queloz vom Waldschutz Schweiz bei der WSL. «2017 beispielsweise war in Genf eine ganze Allee befallen.» Wie oft die Russrindenkrankheit tatsächlich in der Schweiz vorkommt kann die WSL nicht sagen, weil nicht jeder befallene Baum in den Siedlungsgebieten gemeldet wird.

Folge des Klimawandels

Grundsätzlich lasse sich sagen, so Queloz. «Der Pilz tritt immer in Siedlungen oder Siedlungsnähe auf, da die Ahorne dort mit der grösseren Hitze und mehr Trockenheit konfrontiert sind.»

Für Queloz dürfte diese Krankheit die Schweizer Städte in Zukunft noch mehr beschäftigen. «Wenn das Klima sich so verändert, dass es weiter zu übermässig trockenen und heissen Sommern kommt, so dürfte der Pilz häufiger auftreten», sagt Queloz. «Die Zunahme der Russrindenkrankheitsfälle kann durchaus als Folge des Klimawandels bezeichnet werden.» Nach der Fällung zeigt Hug die Arme des Schutzanzuges – deutlich schwarze Stellen. Die Sporen. Natürlich müssen auch die Schutzanzüge verbrannt werden.

Bei der Russrindenkrankheit handelt es sich um eine bekannte Baumkrankheit, die aber vermehrt zum Problem wird. «Den ersten Fall registrierte die Stadtgärtnerei in Basel im Februar 2018. «Seitdem wissen wir, dass dieser Pilz hier ist, und wir haben gezielt nach weiteren Bäumen gesucht, die befallen sind», sagt Stephan Ramin, Pflanzenschutzbeauftragter Basel-Stadt. «Bislang handelte es sich nur um Einzelfälle, in diesem Jahr allerdings spüren wir einen Anstieg.»

Auch Privatgartenbesitzer melden der Stadtgärtnerei vermehrt Krankheitsfälle. «Wir hatten mit einer Zunahme von Ausfällen gerechnet, besonders bei Birke, Buche und Rottanne, nun zeigt sich allmählich das Ausmass», sagt Ramin. Sobald die Russrindenkrankheit entdeckt wird, handle die Stadtgärtnerei möglichst rasch, sagt Ramin, um die Gefahr zu eliminieren.

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