Petition gegen Baumfällungen auf dem Tellplatz

Gundeli Die Entfernung von zwölf Spitzahornen soll durch Unterschriften verhindert werden.

Die Regierung will die alten Bäume auf dem Tellplatz durch junge ersetzen.

Die Regierung will die alten Bäume auf dem Tellplatz durch junge ersetzen.

Alex Reichmuth

Bereits seit letzter Woche läuft im Gundeldingerquartier die Unterschriftensammlung für eine Petition gegen die geplanten Baumfällungen am Tellplatz. Hinter der Sammlung stehen Anwohner und diverse Organisationen wie die Grauen Panther, die Grünen Basel-Stadt, der Neutrale Quartierverein Gundeldingen oder die Quartierkoordination Gundeldingen. Die Petition verlangt den Erhalt der bestehenden gross gewachsenen Bäume und den Einbezug der betrof­fenen Bevölkerung bezüglich der Funktion des Tellplatzes im ­Rahmen des Stadtteilrichtplans ­Gundeli. Der Tellplatz mit den Restaurants, den Geschäften und dem Markt habe sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem beliebten Treffpunkt und zum Herzen des Gundeli entwickelt, steht in der Petition. «Nun sollen all die schönen Bäume gefällt und durch neue kleine Jung­bäume ersetzt werden.»

Es geht um die zwölf Spitzahorne, die den Tellplatz optisch prägen und im Sommer Schatten spenden, etwa für die Gäste der Restaurants auf dem Platz. Im Zuge einer Belagssanierung sollen diese Bäume nun aber verschwinden. Bekannt geworden ist das im letzten Dezember. Damals machte Pro Natura in einer Mitteilung publik, dass sie rechtliche Mittel ergriffen hatte, um die Fällung von fünf dieser Bäume zu verhindern. Das Argument der Stadtgärtnerei und des Tiefbauamts, wonach die meisten dieser Bäume krank seien, liess Pro Natura nicht gelten. Zumindest fünf der Bäume am Tellplatz seien noch in einem guten Zustand, die Fällung sei darum «unverhältnismässig und un­nötig». Über den Rekurs von Pro Natura wurde noch nicht entschieden. 

Die Haltung dieser Umweltorganisation vertritt auch Oliver Thommen von den Grünen Basel-Stadt, der für die Peti­tionäre spricht. «Die Bäume müssen nicht unbedingt gefällt werden», sagt Thommen. «Unter Umständen genügt es, tote Äste zu entfernen, damit die Sicherheit gewährleistet ist.» Die Bäume würden den Tellplatz kühlen, so Thommen. Die geplanten jungen Bäume, die der Kanton als Ersatz vorsieht, könnten diese Kühlleistung über Jahre nicht erbringen und eventuell Mühe haben, zu gedeihen.

«Deutliche Vitalitätsmängel»

Anderer Meinung ist die Regierung. In der Antwort auf eine Interpellation von Thomas Grossenbacher (Grüne) legte sie Ende Februar dar, warum die Baumfällaktion am Tellplatz aus ihrer Sicht notwendig ist. Bei der ­Prüfung von dem Zustand der zwölf Spitzahorne habe sich herausgestellt, «dass die scheinbar gesunden Bäume deutliche Vitalitätsmängel in Form von starker Totholzbildung durch Pilzbefall sowie Streusalzschäden aufweisen». Ihre Lebenserwartung sei dadurch deutlich reduziert, mit einem langfristigen Erhalt könne nicht gerechnet werden. Lediglich ein vor wenigen Jahren als Ersatz gepflanzter Jungbaum habe sich noch als vital erwiesen.

Vorgesehen sei, so die Regierung weiter, dass der stark verdichtete Boden entfernt und durch ein speziell geeignetes und bewährtes Baumsubstrat ersetzt werde. «Dieses weist betreffend Wasser- und Lufthaushalt besonders gute Eigenschaften auf.» Die Spitzahorne sollen zudem durch Feldahorne ersetzt werden, die für den Standort geeigneter seien.

Hohe Lebenserwartung nicht erfüllt

Gemäss der Regierung machen sämtliche Verbesserungen der Baumstandorte nur dann Sinn, wenn die Vitalität der Bestandesbäume so gut ist, dass eine hohe Lebenserwartung prognostiziert werden kann. Dies sei am Tellplatz nicht erfüllt, weshalb eine «Komplettsanierung der Baumstandorte mit Neupflanzungen» wesentlich sinnvoller sei.

Aus der Sicht der Petitionäre sollten Veränderungen beim Baumbestand aber erst dann vorgesehen werden, wenn die Rolle des Tellplatzes im Rahmen des Richtplans Gundeldingen festgelegt ist. «Es muss doch klar sein, wohin es mit dem Tellplatz geht, bevor es zu Baumfällungen kommt», sagt Thommen.

Die Petitionäre gegen die Baumfällungen am Tellplatz ­wollen jedenfalls demnächst festlegen, wie es mit der Unterschriftensammlung weitergehen soll. Bis jetzt ist die Petition vor allem online verbreitet worden, zudem sind einige Unterschriftenbögen an die anstossenden Geschäfte verteilt worden. Laut Oliver Thommen werden die Petitionäre ab nächster Woche auch eigentliche Sammelaktionen auf der Strasse durchführen.

Basler Zeitung

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